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| Nachricht vom 18.07.2026 |
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| Region |
| Wiedweg Etappe 8: Wasserfall, Burgruine und das große Ankommen am Rhein |
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| Die achte und letzte Etappe des Wiedwegs führt auf knapp 19 Kilometern von Niederbreitbach durch das tiefe Engtal der unteren Wied nach Irlich bei Neuwied, an den Punkt, wo die Wied nach über 105 Kilometern ihr Ziel erreicht und in den Rhein mündet. Der Schlusspunkt eines großen Wanderweges, der mit dem spektakulärsten Wasserfall des Westerwalds, einem der eindrucksvollsten Burgflecken Rheinland-Pfalz und einem der schönsten Rheinufer der Region aufwartet. |
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Niederbreitbach. Am Campingplatz Neuerburg beginnt das letzte Kapitel und das untere Wiedtal gibt von den ersten Schritten an alles. Vom ruhigen Etappenort führt der Weg zunächst parallel zur Wied weiter in Richtung Datzeroth, vorbei an Waldabschnitten und Wiesenufern, die hier besonders breit und einladend sind. Der Fluss ist auf diesem Abschnitt merklich gewachsen: Aus dem kleinen Bächlein unter der alten Buche bei Linden ist inzwischen ein richtiger Mittelgebirgsfluss geworden, der mit ruhigen Schwüngen durch das Tal zieht. Bei Bürder empfängt einen der erste große Moment der letzten Etappe: Vom Aussichtspunkt hoch über dem Wiedtal eröffnet sich ein Panorama auf die Wiedschleife bei Bürder, eine der schönsten Flussschleifen des gesamten Westerwalds. Wie ein Band aus Silber windet sich die Wied durch das bewaldete Tal, beobachtet von einem Aussichtspunkt, der tief durchatmen lässt.
Von der Wiedschleife führt der Weg weiter über schmale Pfade durch den Naturpark Rhein-Westerwald, der hier seinen mit Abstand wildesten Charakter zeigt. Zwischen Melsbach und Altwied öffnet sich dann das zweite große Highlight der Etappe: der Laubacher Wasserfall, der höchste Wasserfall des gesamten Westerwalds. Der Laubach, ein kleiner Nebenfluss der Wied, stürzt hier auf fast 20 Metern in mehreren Kaskaden eine steile Felswand hinab. Ein Naturschauspiel, das besonders nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze seine kraftvollste Seite zeigt, wenn das Wasser mit lautem Tosen die moosbedeckten Steine hinabfegt und ein feiner Sprühnebel die ganze Umgebung erfrischt. Der Wasserfall ist zu keiner Jahreszeit schwach: In frostigen Wintern verwandeln Eiszapfen und gefrorene Wasserfäden die Szenerie in eine zauberhafte Eislandschaft, im Herbst rahmt buntes Laub die Kaskaden wie ein Gemälde ein. Wer hier vorbeikommt, hält an - unweigerlich.
Nur wenige Minuten später taucht am Horizont ein Bild auf, das sich nicht schnell vergisst: die Burgruine Altwied, die Stammburg der Grafen zu Wied, thront auf einem schmalen Felsgrat hoch über der Wied, von drei Seiten vom Fluss umschlossen. Um 1125 ließ Metfried, Graf im Engersgau, die Burg errichten und benannte sich nach ihr, der Beginn einer Grafenfamilie, deren Geschichte die gesamte Region des Wiedtales für Jahrhunderte prägen sollte. Der wohnturmartig ausgebaute Bergfried stammt aus dem 12. Jahrhundert und ragt noch heute rund 25 Meter über die Talsohle auf. Bis 1690 bewohnten Mitglieder der Grafenfamilie zu Wied die Burg, dann geriet sie allmählich in Verfall und diente schließlich als Steinbruch für den Bau von Schloss Monrepos und die Festigung der Feste Ehrenbreitstein. Die letzte geduldete Bewohnerin der Ruine war, so überliefert es die Ortschronik, eine arme Witwe, die 1874 dort oben in ihrem Unterschlupf verstarb. Die Burg ist nur von außen zu besichtigen, aber der Anblick von unten, aus der Talaue, ist ohnehin der eindrucksvollere.
Direkt unterhalb der Burg empfängt der Stadtteil Altwied den Wanderer mit einem Bild, das man kaum für möglich hält: Ein weitgehend intakt erhaltener Burgflecken aus dem 13. bis 18. Jahrhundert, mit gepflegten Fachwerkhäusern, Resten der mittelalterlichen Ortsbefestigung mit Türmen und Toren, und der gotischen St.-Antonius-Dorfkirche, deren erste urkundliche Erwähnung auf das 14. Jahrhundert zurückgeht. Altwied war, in territorialgeschichtlicher Hinsicht, der Vorläufer der heutigen Stadt Neuwied, bevor die Grafenhofhaltung um 1650 in die neugegründete Residenzstadt abzog und Altwied sich selbst überlassen blieb. Das hat den Ort gerettet: 1975 errang Altwied beim achten Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" als einer von 31 Siegern unter fast 5.000 Konkurrenten die Silberplakette und darf sich seitdem offiziell zu den schönsten Orten der Bundesrepublik zählen. Wer hier durch die engen Gassen schlendert, wähnt sich im besten Sinne in einer anderen Zeit.
Vom Stadtteil Niederbieber wechselt der Weg ein letztes Mal die Wiedseite und folgt ab hier der Zusatzmarkierung "Blaues W auf gelbem Grund" bis zur Mündung. Der Weg begleitet die Wied nun direkt bis zur Stelle, an der sie nach 105 Kilometern und acht Etappen in den Rhein fließt: Irlich, heute Stadtteil von Neuwied, ist das stille, fast unscheinbare Ziel des gesamten Weges. Dort, am Rheinuferpark Irlich, bietet sich ein Moment an, der jedem Wiedweg-Wanderer in Erinnerung bleiben dürfte: Man steht am Wasser, sieht, wie aus dem kleinen Bächlein ein Fluss wurde, der nun im Rhein versinkt - und blickt auf das andere Ufer, die weite Rheinebene, die Eifel in der Ferne. Ein Abschluss mit stiller Großzügigkeit.
Wer die Etappe verlängern möchte, sollte der Empfehlung des offiziellen Wiedwegs folgen und nach Irlich noch weiter in den Schlosspark Neuwied spazieren, von dem aus auch die neue Deichuferpromenade am Rhein erreichbar ist. Das Schloss Neuwied, 1707 bis 1712 von Graf Friedrich Wilhelm zu Wied nach dem Vorbild von Versailles in Hufeisenform erbaut, ist zwar privater Wohnsitz der Fürstenfamilie und nicht öffentlich zugänglich, die Uferpromenade am Rhein, die erst 2024 neugestaltet wurde, sind es sehr wohl. Wer hier am Abend ankommt und die letzten Strahlen der Sonne über den Rhein gleiten sieht, hat einen würdigeren Abschluss für acht Tage Wandern kaum verdienen können.
Mit 18,7 Kilometern und 326 Höhenmetern Aufstieg ist die letzte Etappe die längste des Wiedwegs, aber keineswegs die schwerste. Sie ist mittel eingestuft und profitiert davon, dass der Weg mit zunehmender Nähe zum Rhein flacher wird und die letzten Kilometer auf gut befestigten Wegen verlaufen. Wer die gesamten acht Etappen hinter sich hat, darf stolz sein: Er hat in acht Tagen einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung begleitet, auf 117 Kilometern durch eine der abwechslungsreichsten und geschichtsreichsten Landschaften des Westerwalds. Die Rückfahrt von Neuwied-Irlich nach Niederbreitbach gelingt mit der Buslinie 61 bis zur Haltestelle Marktstraße in Neuwied und dann weiter mit der Buslinie 130. Der Weg zurück zur Quelle gestaltet sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln leider etwas schwieriger. Auch wenn die letzte Etappe eher leicht und angenehm zu Gehen ist, sollten festes Schuhwerk und ausreichende Verpflegung klar sein.
Tour-Informationen
Art: Fernwanderweg, Punkt-zu-Punkt (Etappe 8 von 8 - Abschlussetappe)
Schwierigkeit: mittel
Streckenlänge: 18,7 km
Dauer: rund 6 Stunden (ohne Abstecher)
Höhenmeter (Aufstieg): etwa 330 m
Höhenmeter (Abstieg): etwa 370 m
Markierung: blaues "W" auf weißem Grund (ab Niederbieber: "blaues W auf gelbem Grund")
Wegebeschaffenheit: Naturpfade, Waldwege, Asphalt; letzter Abschnitt gut befestigt
Highlights: Aussichtspunkt Wiedschleife Bürder, Laubacher Wasserfall (20 m, höchster Wasserfall im Westerwald), Burgruine Altwied (Stammburg Grafen zu Wied, 12. Jh.), Burgflecken Altwied (Silberplakette "Unser Dorf soll schöner werden" 1975), Wiedmündung in den Rhein (Irlich), Schlosspark Neuwied, Deichuferpromenade
ÖPNV Rückfahrt: Linie 61 ab Neuwied-Irlich bis Marktstraße Neuwied, dann Buslinie 130 nach Niederbreitbach (tägl.)
Startpunkt: Campingplatz Neuerburg, 53547 Niederbreitbach
Zielpunkt: Rheinuferpark Irlich / Wiedmündung, 56564 Neuwied-Irlich
Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!
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