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| Nachricht vom 08.05.2026 |
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| Altenkirchener „Akademie für Land und Jugend“: Landesforsten als neuer Besitzer |
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| Aufatmen in Altenkirchen: Das ehemals unter „Evangelische Akademie für Land und Jugend“ firmierende Tagungshaus im Dieperzbergweg hat einen neuen Besitzer gefunden. Landesforsten Rheinland-Pfalz kaufte die Bildungsstätte, die im Advent des Jahres 1958 eröffnet worden war. |
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Altenkirchen. Es kommt alsbald wieder Leben in die ehemalige „Evangelische Akademie für Land und Jugend“ im Altenkirchener Dieperzbergweg, nachdem das Tagungshaus vor einigen Monaten komplett geschlossen worden war, sich der Trägerverein, der „Verein zur Förderung der Evangelischen Jugend auf dem Lande“, im November 2025 aufgelöst und mit diesem Schritt die Konsequenz aus dem geänderten Weiterbildungsverhalten gezogen hatte. Das Objekt kaufte Landesforsten Rheinland-Pfalz. Ein heimischer Immobilienhändler hatte es für rund 1,8 Millionen Euro zum Erwerb angeboten. Das Grundstück (unter anderem nunmehr teilweise ausgerichtet auf das Fachmarktzentrum im Weyerdamm) misst rund 8000 Quadratmeter. In 70 Zimmern können bis zu 110 Betten angeboten werden. Büros und Tagungsräume inklusive einer Küche runden das Raumangebot ab. Hinzu kommen als Pluspunkte die schöne Lage am Stadtrand mit unmittelbar angrenzendem Wald des Dieperzberges und die fix fußläufig zu erreichende City mit guten Einkaufsmöglichkeiten. „Mit dem Verkauf ist eine gute Perspektive für das Haus in Altenkirchen gefunden worden. Zugleich bleibt die Arbeit mit jungen Menschen im ländlichen Raum ein wichtiges Anliegen der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland“, erklärte Birgit Sendler-Koschel, Leiterin der Bildungsabteilung der EKD, die die jugendpolitische Arbeit im ländlichen Raum weiterführen werde. Hierzu werde die Evangelische Akademie zu Berlin in Kooperation mit anderen Akademien dem Rat der EKD ein Konzept vorlegen. „Es wurde eine sehr gute Lösung gefunden, um die Nutzung des Gebäudes und den Bildungsbetrieb langfristig und nachhaltig fortzusetzen“, freute sich Altenkirchens Stadtbürgermeister Ralf Lindenpütz über die positive Zukunft des Komplexes. So werde gewährleistet, dass wieder Lehrgangsteilnehmer in die Stadt kämen, sie belebten und als Multiplikatoren dienten. Genaue Informationen zur Nutzung habe er noch nicht, er hoffe auf Gespräche mit dem neuen Eigentümer.
Gerücht im Herbst 2025
Im Herbst vergangenen Jahres hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass die Partei Alternative für Deutschland (AfD) Interesse an einem Erwerb der Ex-Landjugendakademie (LJA) bekundet habe. Weder auf städtischer noch auf Ebene der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld hatte Kenntnis von diesem Ansinnen vorgelegen. Tobias Schmidt, ehemals Vorstandsvorsitzender als auch Akademie- und Studienleiter „Mensch & Schöpfung“, hatte damals eine Anfrage des AK-Kuriers von den Pressestellen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und der EKD zu diesem Gerede beantworten lassen: „Die Immobilie der evangelischen Akademie für Land und Jugend in Altenkirchen war in den vergangenen 60 Jahren der zentrale Ort der Arbeit der Akademie. Seit Corona aber ging der Besuch vor Ort deutlich zurück. Eine Analyse hat gezeigt, dass trotz einiger kostenreduzierender Maßnahmen in den vergangenen Jahren wie ein Selbstversorgerangebot die Akademiearbeit am Standort Altenkirchen nicht zukunftsfähig ist. Deshalb wurde von den Trägern, der EKD, der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend und der EkiR, entschieden, das Haus zu verkaufen. … Selbstverständlich gehört zu künftigen Verkaufsverhandlungen auch, genau darauf zu schauen, wer das Haus zu welchem Zweck erwerben möchte.“
Das ist Landesforsten Rheinland-Pfalz
Landesforsten Rheinland-Pfalz ist seit 2005 die Bezeichnung für die Landesforstverwaltung mit 44 staatlichen Forstämtern und 324 Forstrevieren. Über 43 Prozent der Landesfläche (853.758 Hektar) sind mit Wald (relativ waldreichstes Bundesland) bedeckt. Landesforsten ist auf nahezu der gesamten Waldfläche tätig: „Wir bewirtschaften die landeseigenen Wälder und sind Dienstleister für die Bewirtschaftung kommunalen Waldes sowie zur Betreuung privaten Waldeigentums“, heißt es auf der Homepage der Behörde. Rheinland-Pfalz sei nicht immer so stark bewaldet, Ende des 18. Jahrhunderts der Wald nahezu zerstört gewesen. Aus den Erfahrungen von damals habe sich eine Forstwirtschaft entwickelt, die sich der Nachhaltigkeit des Waldes verschrieben habe. „Das bedeutet, dass der Wald, jetzt und zukünftig von unseren Kindern, in gleicher Menge und Qualität genutzt werden kann und sie sich ebenfalls tagtäglich an der Schönheit des Waldes erfreuen können. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelt Landesforsten verstärkt arten- und strukturreiche Mischwälder und bewirtschaftet sie naturnah. Das heißt, dass Baumarten gefördert werden, die an unser Klima angepasst sind und auf den Böden gut wachsen. Solche Mischwälder sind resilienter in der Klimakrise, standfester gegenüber Gefahren und bieten einer Vielzahl seltener Pflanzen und Tiere einen idealen Lebensraum. Insgesamt sind 50 Baumarten in Rheinland-Pfalz heimisch.“
Grundsteinlegung im Jahr 1957
Wie gut die „alten“ Zeiten waren, zeigt die Tatsache, dass die Akademie nach der Grundsteinlegung im Jahr 1957 (20. Oktober) und der Eröffnung am ersten Advent 1958 zweimal erweitert wurde. Mitte der 1980er-Jahre gesellten sich zunächst ein neues Gästehaus und ein Pavillon hinzu. Vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten wurde das Gebäude um einen weiteren Flügel ergänzt, so dass ein zum Weyerdamm hin geöffnetes „U“ entstand. 1,4 Millionen Euro hatte das Projekt mit der räumlichen Erweiterung (unter anderem bis auf 70 Einzel- und Doppelzimmer aufgestockt) gekostet, zusätzlich waren 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des alten Trakts geflossen. „Die Kreisstadt Altenkirchen … ist die Wahlheimat der evangelischen Landjugendakademie. Die geografische Lage ist günstig: 50 km vom Rhein entfernt, 55 km von Bonn, 120 km von Frankfurt, ist sie für Besucher aus Nord, Ost, Süd und West gut erreichbar. Diese Lage kommt dem Auftrag entgegen: Die Akademie, eine Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist das Arbeitszentrum der Evangelischen Jugend auf dem Lande, die sich als Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland versteht“: Mit dieser Beschreibung, die dem ersten Prospekt aus dem Jahr 1957 entnommen wurde, begann Dr. Otmar Hesse im Heimatjahrbuch 1988 des Kreises Altenkirchen seine Würdigung zum 30. Geburtstag der ehemaligen LJA. Hesse selbst leitete die Geschicke des Hauses von 1976 bis 1988. Es folgten Gerd Kolakowski (1988 bis 1992), Dieter Sonnentag (1992 bis 2011/zunächst als Vakanzvertretung) und Anke Kreutz (2011 bis 2020), ehe Schmidt das Heft in die Hand nahm. Vor ihnen waren am Ruder gewesen: Johannes Hasselhorn (1957 bis 1960), Friedrich Bremer (1960 bis 1965), Joachim Klieme (1965 bis 1972) sowie Helmut Grün (1972 bis 1976).
Aus immens vielen Ländern
Hesse führte damals weiter aus: „Fast 30 Jahre später lässt sich feststellen. Die Ortswahl Altenkirchen wurde nie bereut, wenngleich heute Zweifel im Blick auf die ,zentrale Lage’ Altenkirchens laut werden. Die evangelische Landjugendakademie … ist zu einem ,Markenbegriff’ für Jugend- und Erwachsenenbildung im Rheinland, in der Bundesrepublik Deutschland und in vielen europäischen und nichteuropäischen Ländern geworden. Mehr als 2000 Menschen haben seit 1959 jährlich das Haus besucht, darunter Menschen aus Argentinien, Brasilien, Chile, den USA, aus Namibia, Südafrika, Ägypten, Marokko, aus Israel, aus der DDR, aus Frankreich, Rumänien, Großbritannien, der Schweiz, Österreich usw.“ (vh) |
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