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Nachricht vom 22.05.2026
Kultur
Liebe, Verlust und Aufbruch: Kurt Prödels kraftvoller Entwicklungsroman "Salto"
Erfrischend anders und kein bisschen retro ist der neue Roman des jungen Autors Kurt Prödel, der im Rahmen der Westerwälder Literaturtage und deren Motto „Die goldenen 20er Jahre“ in Hachenburg las. Wir leben zurzeit in den goldenen 20ern unseres Jahrhunderts, genau wie Marko Maier, der gerade sein Abitur abgelegt hat und nun seinen Traum vom Medizinstudium verwirklichen will.
Kurt Prödel in Hachenburg. Fotos: Helmi Tischler-VenterHachenburg. Kurt Prödel ist Multimedia-Künstler, Musiker und Schriftsteller. Sein Debütroman „Klapper“ wurde mit dem Debüt-Preis der „lit.COLOGNE“ ausgezeichnet. Am Donnerstag, dem 21. Mai, las der Autor im Vogtshof aus seinem zweiten Roman „Salto“. Sein Stil ist direkt, unprätentiös und berührend. Seine Schreibmethode ist bizarr. Prödel erklärte, dass er mit dem Schreibprogramm „write or die“ arbeitet. Er stellt einen Zeitraum zwischen 20 und 30 Minuten ein, in dem er konzentriert arbeitet, denn wenn er 30 Sekunden lang nichts schreibt, ist alles gelöscht. Das zwinge ihn, nicht zu viel über sich selbst nachzudenken. Nach zwei Monaten musste er das Textchaos bändigen. Er schreibt im Präsens und in der Ich-Perspektive. Dadurch ist viel von ihm selbst in den Text.

Das Schreiben seines Erstlings „Klapper“ machte dem Autor so viel Spaß, dass er jetzt nur noch schreibt. Der dritte Roman wird eine ältere Hauptfigur haben. „Salto“ sieht Prödel als Entwicklungsroman. Sein Protagonist Marko hat gerade den Abi-Ball hinter sich gebracht in einer nordrhein-westfälischen Kleinstadt. Alle sagen so etwas wie: „Jetzt fängt das wahre Leben an.“ Obwohl Marko das beste Abitur seiner Stufe geschafft hat, erhält er keine Zulassung zum Medizinstudium. Claire, mit der er seit der siebten Klasse befreundet ist, will raus aus der Kleinstadt und Marko bleibt zurück – gefangen zwischen TikTok, Zukunftsangst und dem grauen Alltag. Sein mentaler Rettungsanker ist die Sekundenmeditation: „Augen zu, eine Sekunde warten, Augen auf. Das ist mein Trick.“

Markos Vater legt den roten „Mama-ist-tot-Ordner“ auf den Tisch und zieht ein Formular heraus. „Mama hatte eine Lebensversicherung. Ich glaube, es ist für so was wie das hier gedacht. Du gehst nach Ungarn, nach Budapest. Das Geld reicht genau.“ In Ungarn kann man ohne Numerus Clausus-Beschränkung Medizin studieren, nach zwei Jahren das Physikum ablegen und zurückkommen. Allerdings kostet das viel Geld, alle Ersparnisse, die die Familie besitzt. Der Vater opfert alles für den Zukunftstraum seines Sohnes. Für Marko ist diese Extremsituation eine Zerreißprobe, für den warmherzigen Vater eine Möglichkeit für eine große Geste. Ein sehr großer Moment.

„Salto“ erzählt von dem Moment, in dem das Leben beginnen soll – und stattdessen alles zerbricht. Und davon, wie man dennoch weitermacht. In dem Roman geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und Verbindungen, die in Krisen wichtig sind, über Körper, die rebellieren. Und er ist eine große Liebesgeschichte.

Weitere Lesungen im Rahmen der Westerwälder Literaturtage finden Sie unter ww-lit. htv
   
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