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Nachricht vom 23.05.2026
Region
Familien in der Gemeinde Morsbach kämpfen um Erhalt der Grundschulen in Holpe und Lichtenberg
Den Grundschulen in Lichtenberg und Holpe droht das Aus, der Schulbetrieb könnte am Standort Morsbach zentralisiert werden. Viele Familien wollen das nicht hinnehmen. Sie haben eine Petition gestartet.
(Symbolbild: Pixabay)Morsbach. Die Grundschule der Gemeinde Morsbach besteht im Verbund mit den drei Standorten Morsbach, Holpe und Lichtenberg. Hier lernen rund 400 Kinder in jahrgangsgemischten Klassen der Stufen eins bis vier - jeweils drei Klassen befinden sich an den Außenstandorten Holpe und Lichtenberg, neun Klassen am Hauptstandort Morsbach. 75 Kinder besuchen die Grundschule in Holpe, 57 Kinder die in Lichtenberg. Auch die Nachmittagsbetreuung in Form der Offenen Ganztagsschule (OGS) findet an allen drei Standorten statt. In Holpe gibt es nach Angaben der Schule sogar eine eigene kleine Bücherei sowie einen Schulgarten.

Doch aktuell steht im Raum, dass die drei Schulstandorte in Morsbach zentralisiert werden. Für viele Familien würde das nicht nur eine Umstellung, sondern auch eine Verschlechterung ihrer Lebenssituation darstellen. Unter dem Motto "Kurze Beine, kurze Wege" haben sie deswegen gemeinsam mit ihren Schulpflegschaften eine Petition ins Leben gerufen, die für den Erhalt der Grundschulen an den Standorten Holpe und Lichtenberg kämpft. Die Petition richtet sich an "alle Ratsmitglieder und politischen Vertreter der Gemeinde Morsbach". Denn wie man im Text der Petition liest, wird der Rat der Gemeinde Morsbach bis Ende 2026 abschließend über den Erhalt der Grundschulstandorte Lichtenberg und Holpe oder eine Zentralisierung am Standort in Morsbach entscheiden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet
Als Begründung für den Erhalt der Standorte führen die Befürworter an, dass "der Wegfall der Grundschulen Lichtenberg und Holpe einen riesigen Verlust" bedeutet und Familien vor sehr große Herausforderungen stelle. "Es geht um kurze Schulwege für unsere Kleinen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Überleben unserer Dorfgemeinschaften." Sie sehen durch die Schließung der Grundschulen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet. "Die Flexibilität, die uns die wohnortnahen Schulen in Lichtenberg und Holpe bieten, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass beide Elternteile ihrer Arbeit nachgehen können. Eine Zentralisierung würde hier für viele Familien zu einer untragbaren Belastung führen." Auch die "kleinen, familiären Strukturen in den Schulen in Lichtenberg und Holpe" werden als Vorteile gegenüber eine Zentralisierung angeführt. Und: "Lange Busfahrten bedeuten für kleine Kinder Stress und rauben ihnen die Zeit für Hausaufgaben, Erholung, Ehrenämter und das soziale Leben in den örtlichen Vereinen." Zudem seien die Schulen das Herzstück von Lichtenberg und Holpe. "Ohne diese Ankerpunkte verlieren unsere Orte massiv an Attraktivität für junge Familien", heißt es weiter. Daher fürchte man einen Teufelskreis aus sinkenden Einwohnerzahlen und dem Wegfall weiterer Infrastruktur.

"Der oft angeführte Lehrermangel darf nicht als Vorwand genutzt werden, funktionierende Standorte zu schließen", liest man ebenfalls im Text der Petition. Dabei dürfte der einer der Gründe für die Überlegungen der Zentralisierung sein. Um die Diskussion dennoch sachlich zu führen und um in einem "respektvollen und sachlichen Austausch" zu bleiben, hat sich auch die Schulpflegschaft Morsbach in einem offenen Brief zu Wort gemeldet. Demnach gehe es nicht um ein Gegeneinander von Standorten oder Schulpflegschaften, sondern "um die gemeinsame Verantwortung, die bestmögliche Lösung für alle Kinder in unserer Gemeinde zu finden". Die aktuelle Struktur mit drei Standorten sei auch eine Herausforderung: Lehrkräfte und weiteres Personal müsse zwischen den Schulen wechseln, dadurch gehe Zeit verloren. "In Vertretungssituation entstehen dabei häufig Nachteile, insbesondere für den Hauptstandort Morsbach", heißt es in dem offenen Brief. Auch im sozialpädagogischen Bereich könne man nicht allen drei Standorten gleichermaßen gerecht werden, gleichzeitig bestehe aber an allen Standorten weiterer Investitionsbedarf.

Ein weiterer Aspekt, den die Schulpflegschaft Morsbach anführt, ist die "wirtschaftliche Verantwortung gegenüber der gesamten Gemeinde". Investitionsvorhaben wie ein Neubau müssten finanziell von der Allgemeinheit mitgetragen werden. Daher halte man es für wichtig, alternative Lösungen wie "eine stärkere Bündelung von Standorten" zu prüfen. Abschließend erklärt die Schulpflegschaft Morsbach, dass das gemeinsame Ziel eine Lösung sein sollte, "die pädagogisch sinnvoll, organisatorisch tragfähig und langfristig finanzierbar" sei und die das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stelle. (rm)
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