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| Nachricht vom 01.08.2026 |
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| GeoRoute Spazierweg Industriekultur Wissen: In Ruhe eine Stadt neu entdecken |
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| Die Georoute Spazierweg Industriekultur Wissen ist ein rund vier Kilometer langer Rundweg durch die Siegstadt Wissen, der an mehreren Geostationen die Montangeschichte der Stadt vom 19. bis ins ausgehende 20. Jahrhundert hautnah erlebbar macht. Per kostenloser App kommen Geschichte und Geschichten direkt aufs Smartphone. |
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Wissen. Es gibt Städte, die ihren Charakter aus dem Wasser ziehen, das sie durchfließt. Wissen an der Sieg ist so eine Stadt und zugleich eine, die ein ganzes Jahrhundert lang von Feuer, Eisen und Kohle geformt wurde. Wer heute durch die Altstadt flaniert und das ruhige Rauschen der Sieg hört, muss sich ein wenig anstrengen, um sich vorzustellen, wie Wissen noch bis 1945 geklungen haben muss: Walzen dröhnten, die Luft flimmerte vor Hitze, der Geruch von Eisen und Fett hing über der gesamten Stadt und täglich fuhren Werkbusse aus dem Westerwald und den Siegtälern Arbeiter in das "WERK", so der liebevolle Kosename, den die 3.000 Menschen, die hier ihr Brot verdienten, ihrer Arbeitsstätte gaben. Heute ist von alldem kaum mehr zu sehen als ein schwarzer Hügel am Stadtrand. Der Sandberg aus Hüttensand und Schlacke ist das letzte weit sichtbare Zeugnis des Montanstandortes Wissen und gleichzeitig der stille Hauptdarsteller der Georoute Industriekultur.
Der offizielle Startpunkt ist das "kulturWERKwissen" in der Walzwerkstraße, einer ehemaligen Ausbildungs- und Reparaturwerkstatt des Hochofenwerks Alfredhütte, 1933 genehmigt und heute nach aufwendiger Sanierung das kulturelle Herz der Stadt. Dass ausgerechnet dieser Ort zum Konzert- und Veranstaltungszentrum wurde, in dem die ehrenamtliche Kulturinitiative "Wissener eigenART" jährlich rund 40.000 Besucher empfängt, ist eine der schönen Ironien der Wissener Geschichte. Hier, wo einst junge Schlosser und Schmiede aus der Region für die Metallindustrie ausgebildet wurden, wird heute Musik gemacht. Und wer die Fotoausstellung des Fotografen Peter Weller im Foyer betrachtet, der den gesamten Siegerländer Erzbergbau im Bild festgehalten hat, bekommt ein erstes Gefühl für das, was draußen auf der Georoute wartet. An der ersten Geostation am Kulturwerk erklärt eine Hinweistafel die Chronologie der Anlage.
Die Route führt vom Kulturwerk entlang der Walzwerkstraße in Richtung Siegufer, wo die zweite Geostation den Blick auf die Sieg und die Siegpromenade lenkt. Am Fluss angelangt, wechselt die Atmosphäre vollständig: Hier plätschert und glitzert der Fluss, Graureiher stehen regungslos im Flachwasser, und die schnurgerade asphaltierte Promenade lädt zum Luftholen und Verweilen ein. Ein kurzer Abschnitt zwischen Altstadt und dem Stadtteil Alserberg, ein weiterer im Stadtteil Schönstein: Die Siegpromenade ist das ruhige Gegenstück zur industriellen Intensität der anderen Stationen und kein unbeabsichtigter Kontrast. Wer hier an einem Schild stehenbleibt, erfährt, dass die Sieg für das Walzwerk nicht nur Idyll war: Das Wasser war Kühlmittel, Transportweg und vor allem Lebensader - ohne die Sieg wäre kein Hochofen jahrzehntelang in Betrieb geblieben.
An der nächsten Station begegnet man der Altstadt von Wissen, kleiner als man erwartet, aber mit einer Geschichte, die weit vor die Montanindustrie zurückreicht. Ein erster schriftlicher Beleg des Ortes findet sich in einer Urkunde von 1131, die Stadtrechte erhielt Wissen im 14. Jahrhundert. Mittelalterliche Fachwerkhäuser stehen hier Wand an Wand mit Gründerzeitbauten, die in der Blütezeit des Walzwerks entstanden: Als das Werk wuchs, wuchsen auch die Arbeiterquartiere, die Kaufmannsvillen und die Vereinshäuser rund um den Marktplatz. In der Altstadt liegt auch das "WalzWERKwissen", das ehemalige Laborgebäude der Firma Brucherseifer, das heute als Veranstaltungsraum und Seminargebäude genutzt wird und mit seiner Loftatmosphäre "über den Dächern Wissens" in ungewöhnlicher Weise an die Fabrikhallen des Ruhrgebiets erinnert. Wer hier die historische Fotoausstellung "Als et Walzwerk zoh moch" gesehen hat, die mehr als 100 Jahre Walzwerkgeschichte in Bildern erzählt, versteht, warum die Wissener dieses Erbe so behutsam bewahren.
Der Weg führt weiter am Sandberg vorbei, dem schwarzen Hügel aus Hüttensand und Schlacke der Alfredhütte, die von 1873 bis 1945 in Betrieb war. Was von außen wie ein unauffälliges Aufschüttungsgelände aussieht, ist in Wirklichkeit ein Archiv in Schwarzweiß: Jede Schicht des Sandbergs entspricht einem Betriebsjahr der Alfredhütte und wer das weiß und hinschaut, sieht plötzlich Geschichte statt Abraum. Der Sandberg ist heute das einzige, noch weit über das Siegtal hinaus sichtbare Zeugnis des ehemaligen Montanstandortes. Alle anderen Spuren, die Alfredhütte mit ihren charakteristischen Winderhitzern, das eigentliche Walzwerk, die Grubenanlagen mit den Seilbahnen und Grubenbahnen, mit denen das Erz aus den Gruben in der Umgebung nach Wissen transportiert wurde sind längst abgerissen, verfüllt oder überbaut. Umso bedeutsamer ist der Sandberg als letzter materieller Zeuge: ein Monument der Arbeit ohne Sockel, ohne Inschrift, nur aus dem, was die Schmelzöfen übrigließen.
Wer die GeoRoute um einen besonderen Abschnitt verlängern möchte, folgt der Siegpromenade bis in den Stadtteil Schönstein, wo das Schloss Schönstein auf einem Felsen an der Mündung des Elbbaches in die Sieg thront. 1255 erstmals urkundlich erwähnt, befindet sich die Anlage heute im Privatbesitz des Hauses Hatzfeldt-Wildenburg und ist von innen nicht zu besichtigen, doch der Spaziergang durch den kleinen Schlosspark und der Blick auf den dreieckigen Hauptbau mit seinen Rundtürmen, seinen mittelalterlichen Bruchsteinmauern und den Backsteingiebeln des späten 16. Jahrhunderts lohnt sich in jedem Fall. Im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen geplündert und in Brand gesteckt, vom Haus Hatzfeldt danach wiederaufgebaut, heute Verwaltungssitz und Wohnsitz der Familie der Grafen von Hatzfeldt. Schönstein trägt sichtbar die Narben von fast 800 Jahren. Für das Kulturwerkwissen und die Georoute Industriekultur gilt das genauso: Was bleibt, wenn die Industrie geht, ist nicht Leere, sondern eine andere Art von Geschichte - eine, die man hören muss, wenn man sie verstehen will.
Tour-Informationen
Art: Spazierweg / GeoRoute / Stadtrundgang
Schwierigkeit: sehr leicht
Strecke: rund 4 km
Dauer: etwa 1,5-2,5 Stunden (gemütlich geschlendert)
Höhenunterschied: minimal (flacher Talboden entlang der Sieg)
GeoStationen: mehrere GeoStationen entlang der Route mit Infotafeln und QR-Codes; digitale Vertiefung über App
App: GeoStar-App (kostenlos, für Android & iOS); weitere Informationen in der QR-KULTUR-App
Barrierefreiheit: Siegpromenade vollständig asphaltiert und barrierefrei (Kinderwagen, Rollator); einzelne Stadtabschnitte gepflastert
Familiengeeignet: Ja
Startpunkt / Zielpunkt: kulturWERKwissen, Walzwerkstraße 22, 57537 Wissen (Sieg)
Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!
Weitere Infos
In unserer Facebook-Wandergruppe "Wandern im Westerwald" gibt es übrigens auch ständig schöne neue Ecken der Region zu entdecken.
Haben Sie auch einen Wander- oder Ausflugstipp? Dann schreiben Sie uns gerne an westerwaldtipps@die-kuriere.info. Vielen Dank!
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