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Nachricht vom 04.06.2026
Region
Referat vor VG-Ausschuss: Nachhaltigkeit in neuem Flächennutzungsplan verankern
Nachhaltigkeit ist in vielen Lebensbereichen zu einem geflügelten Wort geworden. Es gilt, nicht nur über sie zu sprechen, sondern sie auch mit Leben zu erfüllen. Diesen Grundsatz hat sich auch die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld auf die Fahnen geschrieben, weil sie diesen Aspekt im neu aufzustellenden Flächennutzungsplan berücksichtigen möchte.
Katharina Weller referierte vor den Mitgliedern des Umwelt- und Bauausschusses der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld. (Foto: vh)  Altenkirchen. Passt Nachhaltigkeit zu einem Flächennutzungsplan? Ja, sagt Katharina Weller bestimmt und wirft per Projektor ein Foto von einer total „unschönen“ Dorfansicht auf die große Leinwand. „Soll das unsere Zukunft sein?“, fragt sie die Mitglieder des Umwelt- und Bauausschusses der Verbandsgemeinde (VG) Altenkirchen-Flammersfeld in deren jüngster Zusammenkunft und gibt die Antwort in einem Atemzug gleich mit: „Natürlich nicht!“ So verdeutlicht sie, dass die VG durchaus mit Bedacht den neuen Flächennutzungsplan (FNP), die vorbereitende Bauleitplanung, entwickeln möge. Denn aus bislang zwei umfassenden Werken dieser Art – je eines für die Alt-VGs Altenkirchen und Flammersfeld – muss bis spätestens Ende des Jahres 2027 eine neue, für die rund 230 Quadratkilometer große Gebietskörperschaft geltende Version verabschiedet sein. So jedenfalls sieht es der Fusionsvertrag vor, der die Grundlage der „Ehe“ mit Beginn am 1. Januar 2020 bildet. Ein pures „Zusammenschustern“ der beiden Auslaufmodelle ist nämlich nicht erlaubt. In ihrem Vortrag unter der Überschrift „Nachhaltigkeit im Flächennutzungsplan – Chancen für unsere Verbandsgemeinde“ erklärt Weller, Chefin von Vertrieb & Marketing bei Jagotech Paper in Almersbach, zunächst die Folgen fehlender Nachhaltigkeit, denn Ressourcen seien nun einmal endlich. Klimaschutz bedeute auch Lebensqualität, das Nachhaltigkeitsprinzip, heutige Bedürfnisse zu erfüllen, ohne zukünftige Generationen zu gefährden. „Hans Carl von Carlowitz hat bereits im Jahr 1713 den Begriff geprägt“, weiß Weller, bis heute gelte er, so Wikipedia, als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsprinzips. 1987 habe der Brundtland-Bericht den Begriff „nachhaltige Entwicklung“ definiert, den die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland veröffentlichte. Laut Weller existiere die Nachhaltigkeit in drei Dimensionen: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die globale Bedeutung sei als Teil in der Agenda 2030 fixiert und beschreibe 17 Ziele der Vereinten Nationen.

Lob für Förderprogramm
Jeder Einzelne, so Weller weiter, könne etwas für die Nachhaltigkeit tun, jeder Schritt zähle, um das Bewusstsein zu schaffen. Sie nennt den klugen Konsum, die Reduzierung von Müll, die Förderung der Regionalität und die nachhaltige Mobilität. Mülltrennung ermögliche zudem Wiederverwendung, die sie in einem weiteren Kontext auf die Nutzung von Gebäuden bezieht. Weller lobt vor diesem Hintergrund das Förderprogramm „InnenRaum-Entwicklung“ der VG, das den Erhalt und die Sanierung alter Bausubstanz und die Schließung von Baulücken vor allem in den Zentren von Dörfern zum Ziel habe. So würden keine neuen Flächen versiegelt, Lebensräume und Natur geschützt, Ortskerne belebt und der Dorfcharakter bewahrt. In der großen VG gab es 2023 knapp über 64.000 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Rund 2900 hätten gefehlt, 1910 leer gestanden. Eigentlich sollten 610 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, laut Pestel-Institut seien aber deutlich weniger fertiggestellt worden. Die Einwohnerzahl in der VG gibt Weller zum Ende des Jahres 2024 mit 36.465 an.

Ressourcen im Kreislauf halten
Weller macht sich darüber hinaus für die Kreislaufwirtschaft stark, die bedeute, Ressourcen im Kreislauf zu halten, Abfall zu vermeiden und Materialien immer wieder zu nutzen. Als Beispiel aus dem Gewerbesektor führt sie die Firma Osterkamp GmbH aus Walterschen an, die 2020 die alten Gebäude der Molkerei in Giershausen (später Schlachthof Hassel) gekauft und sie auch saniert habe. Das Traditionsunternehmen sei in der Region geblieben und habe 70 Arbeitsplätze gesichert. „Durch die Sanierung und die Umnutzung wird Neuversiegelung reduziert und die Infrastruktur effizient genutzt“, erkennt Weller an. Dieses Projekt sei von vielen Seiten befürwortet und durch die schnelle Erteilung einer Baugenehmigung vorangebracht worden. Politik und Wirtschaft wiesen starke Parallelen auf, denn beide strebten nachhaltige Erfolge an, „ein Beispiel dafür ist die Verbindung von Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung.“ Die Drogeriemarktkette dm verkaufe Baumwollbeutel für zwei Euro/Stück, die Kunden nach Nutzung zurückgeben könnten. Einrichtungen für behinderte Menschen sammelten, sortierten und prüften die Taschen vor der Weiterverarbeitung, die aus Zerfaserung der Beutel, der Papierproduktion und der anschließenden Verarbeitung zu Tüten bestehe. Daraufhin gingen sie zurück in die Märkte, in denen sie die Kunden für 0,45 Euro/Stück erwerben und anschließend über das Altpapier entsorgen könnten.

Nachhaltige Prinzipien verankern
Schließlich knüpft Weller die Verbindung zum langsam entstehenden neuen Flächennutzungsplan vor dem Aspekt der Nachhaltigkeit, die die Basis für eine lebenswerte Zukunft bilde und ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten erfordere. „Bewusster Konsum, Mülltrennung und Sanierung statt Neubau sind wichtige individuelle Beiträge zum Umweltschutz. Der Flächennutzungsplan ermöglicht die verbindliche Verankerung nachhaltiger Prinzipien für regionale Zukunftsfähigkeit“, formuliert sie und ergänzt: „Ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit müssen gemeinsam umgesetzt werden.“ (vh)
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