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Pressemitteilung vom 09.06.2026
Region
Die Zukunft der Pflege skizziert
Kooperation mit Universität Siegen: Auszubildende des Pflegebildungszentrums der Diakonie in Südwestfalen stellen Prototypen vor
Die Auszubildenden am Pflegebildungszentrum Lisa Sophie Leicher und Hannah-Sophia Frese (von links) waren Teil des Uni-Siegen-Projekts "Design Fiction – Pflege im Jahr 2045". Sie stellten unter anderem Assistenzroboter „Aura“ vor, der im Krankenhaus die Vitalwerte von Patienten messen könnte. Bei der Ideen-Präsentation mit dabei waren die PBZ-Lehrkräfte Christine Wintersohl, Natascha Böhm und Diana Gehrt. Am Projekt teilgenommen haben zudem die PBZ-Azubis (nicht im Bild) Sascha Düperthal, Bekhita Aliane und Elisa Fisse-Weigandt.Siegen. Zu Visionären der Pflege von morgen sind Auszubildende des Pflegebildungszentrums (PBZ) der Diakonie in Südwestfalen geworden. In einem Kooperationsprojekt von Studierenden der Human-Computer Interaction (HCI) und Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen und Auszubildenden aus Pflegeeinrichtungen der Region haben die Teilnehmer Ideen entwickelt, um die Pflege in der Zukunft erlebbar zu machen. In Workshops diskutierten sie dabei ethische und soziale Herausforderungen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik. Insgesamt sechs Projekte wurden jetzt in den Uni-Räumlichkeiten am Unteren Schloss in Siegen vor Vertretern aus Pflege, Bildung und Forschung vorgestellt.

Ob Wirtschaft und Verwaltung, Medien und Unterhaltung oder das Finanz- und Zahlungswesen: Die Digitalisierung transformiert unsere Lebens- und Arbeitsbereiche und bringt dabei Chancen und Herausforderungen mit sich. Auch in der Pflege halten neue Technologien wie KI immer mehr Einzug, mit dem Ziel, dem steigenden Pflegebedarf Rechnung zu tragen. Um die digitale Revolution im Pflegesektor weiterzudenken, nutzten die Auszubildenden und Studierenden die Methode des "Design Fiction". Das ist ein Konzept, das Forschung und Narration verknüpft, um mit fiktionalen Szenarien mögliche Zukunftswelten greifbar zu machen. Unter der Leitfrage "Wie könnte ein Pflegetag im Jahr 2045 aussehen?", entwickelten die Gruppen unterschiedliche Prototypen und stellten sie anhand von Rollenspielen, Flyern, Postern, Videobeiträgen, Comics und Apps vor.

Trotz großer Entfernung Nähe schenken
So lautete das Motto eines Projekts. Mit dem Robotersystem „Touch-Bridge" könnten menschliche Berührungen über große Distanzen übertragen und beispielsweise bei der Sterbebegleitung eingesetzt werden. Das Szenario: Eine Frau in Deutschland liegt im Sterben. Ihre Tochter aus Südafrika möchte sie besuchen. Aufgrund eines technischen Defekts am Flugzeug kann sie die Reise nicht antreten. Um ihrer Mutter auf eine andere Weise nah zu sein, nutzt sie die "Touch-Bridge". Die junge Frau zieht sich mit Sensoren ausgestattete Handschuhe über. Ihre Handbewegungen, wie ein sanftes Streichen über den Arm, werden an einen kleinen, freundlich aussehenden Roboter "geschickt", der am Krankenbett steht und die Handbewegungen der Tochter an die Mutter überträgt.

Ein weiteres Szenario, vorgestellt in einem Kurzvideo: Ein Patient wird im Krankenhaus von einem Freund besucht. Dieser bringt Muffins mit, in denen Nüsse enthalten sind. Der Patient probiert einen Muffin, weiß jedoch nicht, dass er eine Nussallergie hat. Ein KI-System, welches sich in seinem Nachtschränkchen befindet, erkennt die allergische Reaktion, stellt direkt ein passendes Medikament zur Verfügung und sendet eine Information an das Pflegepersonal. Da dieses System aber aufgrund von defekten Komponenten nicht funktioniert, ist die Anwesenheit der menschlichen Pflegekraft doch erforderlich. Dieses Szenario stellte die technischen Möglichkeiten und die Unersetzlichkeit der menschlichen Handlungsfähigkeit gegenüber.

Ein anderes Projekt "Roboter-Hund Chippy" zeigte, wie ein smarter Alltagsbegleiter an Demenz erkrankten Menschen helfen könnte. Die Vision: "Chippy" erinnert sein "Herrchen" an die Medikamenteneinnahme, misst seine Herzfrequenz und setzt mithilfe von Sensoren bei einem Sturz oder Schlaganfall einen Notruf ab. Der Roboter-Hund leistet Gesellschaft und reagiert auf Berührungen und Geräusche. Ethische Fragen, die sich die Projektgruppe hier stellte: Was tun, wenn die KI einen Fehler macht? Verlieren wir mit einer solchen Technologie die menschliche Wahrnehmung?

Um das Pflegepersonal im Krankenhaus perspektivisch zu entlasten, stellte eine weitere Gruppe den Assistenzroboter "Aura" vor. Dieser könnte sich selbstständig von Raum zu Raum bewegen, die Vitalwerte von Patienten messen, ihnen Blut entnehmen und "Smalltalk" führen. Die Ergebnisse könnten in Echtzeit an eine App übertragen werden, auf die die Pflegefachkräfte Zugriff hätten. So würde dem Personal mehr Zeit für andere Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Für die Gruppe war in diesem Zusammenhang ein Leitgedanke unabdingbar: "Es soll keine Pflege ohne Menschen geben, es soll mehr Raum für Menschlichkeit entstehen", sagten die Teilnehmer unisono.

Das Kooperationsprojekt begleitet hat Professorin Dr. Claudia Müller, Lehrstuhl IT für die Alternde Gesellschaft der Universität Siegen. Rückblickend sagte sie: "In den Workshops ging es nicht nur um Brainstorming. Die Teilnehmer haben konkrete Objekte und Werkzeuge entwickelt, anhand derer wir nun kritisch diskutieren können, um die Zukunft der Pflege weiterzuentwickeln." (PM)
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