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Nachricht vom 23.06.2026
Region
Sportabzeichen-Tag der Lebenshilfe: Hohe Temperaturen bedingen Ablauf-Änderungen
In vielen Bereichen des Alltags muss in diesen Wochen den ungemein hohen Temperaturen irgendwie Rechnung getragen werden. Auch der Sportabzeichen-Tag der Lebenshilfe im Kreis Altenkirchen bleibt nicht verschont. Kurzerhand wird er zu einem Sport- und Spielefest im Altenkirchener Stadion auf der Glockenspitze „umfunktioniert“.
Schon beim Aufwärmen flossen im Altenkirchener Stadion viele Schweißtropfen. (Foto: vh)       Altenkirchen. Es ist inzwischen lieb gewonnene Tradition, dass Menschen mit Behinderung aus den Werkstätten der Lebenshilfe im Kreis Altenkirchen unmittelbar vor den rheinland-pfälzischen Sommerferien die Möglichkeit geboten wird, jeweils das Deutsche Sportabzeichen nach den Vorgaben des Deutschen Behinderten-Sportverbandes (DBS) im Deutschen Olympischen Sportbund zu erwerben. Dass die nunmehr sechste Veranstaltung im Stadion auf der Altenkirchener Glockenspitze am Dienstagvormittag (23. Juni) längst erprobte und für gut befundene Wege verlassen muss, überrascht in diesen Tagen niemanden. „Dank“ der ungemein hohen Temperaturen entscheiden sich die Organisatoren um Bärbel Nied, der Sport-Koordinatorin der Westerwald-Werkstätten, die Zusammenkunft unter der Überschrift „Sport- und Spielefest“ firmieren zu lassen. „Das haben wir am Montag so festgelegt. Wer möchte, kann Koordinations-, Sprint- und Wurfdisziplinen absolvieren. Langlauf wird jedoch nicht angeboten, er kann an den Standorten der vier Werkstätten nachgeholt werden“, erklärt Nied das geänderte Programm und ergänzt: „Wir haben auch extra Stationen, an denen Wasser zum Einsatz kommt, vorbereitet.“ Nie sei eine Absage diskutiert worden, da die Vorbereitungen doch beispielsweise mit Zeltaufbau oder Aufstellen der hölzernen Bänke und Tische schon relativ viel Aufwand bedeutet hätten. Nied freut sich über „86 Anmeldungen“. Im zurückliegenden Jahr seien 76 Sportabzeichen an Menschen mit Behinderung verliehen, jedes sei erneut von der Sparkasse Westerwald-Sieg mit zehn Euro honoriert worden.

Gutes vom Grill
An diesem schon schweißtreibenden Vormittag überrascht, dass die seit Jahr und Tag unterstützenden Schüler des Westerwald-Gymnasiums aus der Kreisstadt in größerer Zahl als in den Vorjahren sich unter die Teilnehmer gemischt haben. Sie machen mit bei den Aufwärmübungen und kümmern sich im Anschluss um den geordneten Ablauf an den verschiedenen Stationen. „Wir haben diesen Tag einmal etwas größer aufgezogen“, berichtet Nied mit Blick auf das stete Treiben auf dem Rasenspielfeld und der altertümlichen Laufbahn aus rotem Sand. Belohnt werden alle Teilnehmer zum „Finale“ mit einem gemeinsamen Mittagessen, das in erster Linie auf dem Grill zubereitet und mit selbst gemachten Salaten und Backwaren sowie Getränken unterstützt wird. Fünf Sponsoren (Westerwald Bank, Sparkasse Westerwald-Sieg, Rewe-Petz-Supermärkte, Stanztechnik Schulte und die Mainzer Staatskanzlei aus dem Fonds „100 x 500 Euro für die Demokratie“) liefern die finanzielle Basis für den Gaumenschmaus nach getaner Arbeit. Viel Lob hält Alexander Stahl, Sport- und Sozialkunde-Lehrer des Westerwald-Gymnasiums und schon zum fünften Mal „Abgesandter“ der Schule, für Nied bereit: „Wenn ich mit Schülern das Sportabzeichen mache, genügt als Basis für die zu bestehenden Leistungen eine DIN-A4-Seite, für Menschen mit Behinderung dient ein ganzes Buch als Grundlage, um alle möglichen Einteilungen aufgrund der unterschiedlichsten Behinderungen vornehmen zu können.“ Das Ausfüllen der Laufzettel sei schon immens viel Arbeit.

Tag des Engagements
So freut sich Stahl – wie in all den Jahren zuvor - über den Einsatz der Schüler der Klassenstufen elf und zwölf. Für sie sei die Teilnahme „eine ganz tolle Erfahrung“. Und diesen Aspekt kann Stahl schwarz auf weiß belegen. In der Abi-Zeitung 2026 hätten vier von 20 Schülern von „eindrucksvollen Erlebnissen mit den Menschen mit Behinderung“ berichtet. Auf diese Art und Weise seien gleichfalls Vorurteile abgebaut worden. Der Einsatz der Schüler ist auch Teil des „Engagement-Tags“ am Westerwald-Gymnasium, der von Lehrerin Kim Ramseger auf die Beine gestellt worden ist. Während sich eine Gruppe im Stadion verdingt hat, sind andere unterwegs und sammeln Müll ein. Wieder andere hat es in Altenheime verschlagen, in denen den Bewohnern vorgelesen oder mit ihnen gespielt wird.

Das ist das Sportabzeichen
Der Deutsche Behinderten-Sportverband erklärt auf der eigenen Homepage: „Das Deutsche Sportabzeichen (DSA) ist eine Auszeichnung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für gute und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit, die in drei Stufen vergeben wird: Bronze, Silber, Gold. Es ist ein Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland und hat damit Ordenscharakter. Seit 1952 können Menschen mit Behinderung das Deutsche Sportabzeichen mit angepassten Leistungsanforderungen erwerben. Für das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung ist der Deutsche Behindertensportverband (DBS) mit seinen 17 Landes- und zwei Fachverbänden zuständig. Durch das Deutsche Sportabzeichen sollen Menschen mit Behinderung eine vielseitige Leistungsfähigkeit erwerben, Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit erhalten und zu einer regelmäßigen Sportaktivität motiviert werden. Mit der Erfüllung der einzelnen Bedingungen werden ein gutes Maß an Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination bewiesen. Zusätzlich soll das Sportabzeichen zur Inklusion, also zu selbstbestimmter, gleichberechtigter Teilhabe am Alltag beitragen, denn Vorbereitung und Training für das Deutsche Sportabzeichen sind ideal dafür geeignet, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport treiben.“ (vh)
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