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Nachricht vom 15.07.2026
Rheinland-Pfalz
Jugendliche und Social Media: Zwischen Inspiration und Belastung
Die Welt der sozialen Medien ist für viele Jugendliche ein Drahtseilakt zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erfahrungen. Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie junge Menschen in Deutschland mit dieser digitalen Achterbahnfahrt umgehen.
Illustration - Jugendliche und Social media. Foto: Annette Riedl/dpaMainz. Ungewollte Nacktbilder, Mobbing und drastische Gewaltdarstellungen belasten Jugendliche beim Scrollen durch Social Media besonders stark. Der Kontakt mit problematischen Inhalten gehört für viele längst zum Alltag, wie die repräsentative JIM-Plus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest zeigt. Diese Studie untersucht das digitale Wohlbefinden von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland und beschreibt ihren Umgang mit Social Media als einen "Drahtseilakt zwischen Inspiration und Belastung". Das Auf und Ab von positiven und belastenden Erfahrungen gleicht für viele einer Achterbahnfahrt.

Soziale Beziehungen mit Freunden, im Sport und in der Familie sind für das persönliche Wohlbefinden der Befragten zentral. Nur knapp jeder Fünfte zählt Social Media zu den drei wichtigsten Wohlfühlaktivitäten. Bei Sorgen greifen Jugendliche vor allem zu Musik und Gesprächen mit vertrauten Personen; nur zwölf Prozent nutzen KI-Chatbots. Social Media dient Mädchen und über 16-Jährigen häufig zur Ablenkung - jeweils mehr als die Hälfte.

72 Prozent der Jugendlichen geben an, dass Social Media sie von wichtigen Aufgaben ablenkt. 55 Prozent berichten, dass ihnen dadurch Zeit für Erholung und Freizeit fehlt; ebenso viele empfinden ihre Zeit auf Social Media als verschwendet. 61 Prozent sind durch KI-Inhalte verunsichert, was real ist und was nicht. 40 Prozent haben das Gefühl, dass ihre Konzentration nachlässt. Zwei Drittel der Nutzenden vergleichen sich automatisch mit anderen, wobei gut die Hälfte glaubt, dass andere ein besseres Leben führen. Mädchen nutzen soziale Netzwerke häufiger und berichten öfter von Vergleichsdruck und Unwohlsein im eigenen Körper.

Social Media, insbesondere YouTube, Instagram, TikTok und Snapchat, spielt eine zentrale Rolle für das digitale Wohlbefinden. 82 Prozent sehen darin einen wichtigen Zugang zu Wissen, und etwa die Hälfte fühlt sich dort verstanden.

Problematische Inhalte wie Fake News (71 Prozent), extreme politische oder religiöse Inhalte (43 Prozent) sowie Hate Speech (40 Prozent) begegnen Jugendlichen häufig. Besonders belastend sind Inhalte, die Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten verharmlosen, neben Nacktbildern, Mobbing und Gewaltdarstellungen. Die meisten Jugendlichen scrollen weiter, wenn sie auf solche Inhalte stoßen, und nur ein Viertel meldet diese. TikTok wird am häufigsten mit problematischen Inhalten in Verbindung gebracht, ist aber dennoch sehr beliebt.

In Deutschland werden Social-Media-Beschränkungen diskutiert. Experten der EU-Kommission fordern beschränkten Zugang für Kinder unter 13 Jahren und standardisierte Sicherheitsvorkehrungen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach sich für einen schrittweisen Zugang aus und kündigte einen Vorschlag nach dem Sommer an.

Mehr als die Hälfte der Befragten sieht Verbote skeptisch, da sie leicht umgangen werden können. 43 Prozent befürworten jedoch ein Verbot für jüngere Nutzer. Rückblickend empfiehlt die Mehrheit ein höheres Einstiegsalter. 47 Prozent beneiden Generationen ohne Social Media, insbesondere Mädchen. In der aktuellen Debatte fühlen sich weniger als zehn Prozent der Jugendlichen ausreichend berücksichtigt.

Die JIM-Plus-Studie ergänzt die seit 1998 jährlich veröffentlichten JIM-Studien zum Medienverhalten Jugendlicher. Sie wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführt, zu dem die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und die Medienanstalt Rheinland-Pfalz gehören, in Zusammenarbeit mit dem SWR. (dpa/bearbeitet durch Red)
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