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Nachricht vom 21.07.2026
Region
Die alte stillgelegte Mülldeponie in Nauroth ist nun völlig „eingepackt“
Ein Mammutprojekt des Abfallwirtschaftsbetriebs Kreis Altenkirchen ist verwirklicht: Nach mehrjähriger Bauzeit wurde die Oberflächenabdichtung der alten Mülldeponie in Nauroth abgeschlossen. Unter dem Strich stehen Kosten von derzeit 14.516.658 Euro (netto), die sich womöglich noch um rund eine Million Euro infolge Preisanpassungsklauseln erhöhen können.
Die Oberfläche der alten Mülldeponie (im Hintergrund) in Nauroth ist abgedichtet, wovon sich am Montagmorgen Kreisbeigeordneter Fred Jüngerich, AWB-Werkleiter Werner Schumacher, Mitglieder des Werkausschusses und AWB-Bedienstete überzeugten. (Foto: vh)       Nauroth/Altenkirchen. Der Blick vom Wertstoffhof des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) Kreis Altenkirchen in Nauroth auf den nahe gelegenen Hügel, dessen Bewuchs aufgrund der regenlosen Zeit in den zurückliegenden Wochen ganz in Braun daherkommt, regt die Fantasie über die künftige Nutzung an. Aussichtspunkt im Sommer oder gar Skipiste im Winter kommen in den Sinn, nicht bedenkend, dass das Areal außerhalb der Öffnungszeiten der Abgabestelle für wiederverwertbares Material geschlossen ist. Dennoch: Mit der stolzen Höhe von knapp 415 Metern (über Normal Null) stellt die Erhebung, die komplett aus Abfällen besteht und deren Oberfläche nunmehr den Regeln entsprechend abgedichtet wurde, einen markanten Punkt in der Landschaft dar und ist beispielsweise höher als der Spitzenreiter im Unterkreis des AK-Landes, der Beulskopf (VG Altenkirchen-Flammersfeld) mit rund 388 Metern. Noch weiter nach oben hätte er nicht wachsen dürfen, denn die 415 Meter sind in der „Betriebserlaubnis“ aus dem Jahr 1973 festgelegt.

Finanzierung ohne Kredite
Das Projekt kostete den AWB nach derzeitigem Stand 14.516.658 Euro (netto). Noch liegt die Schlussrechnung nicht vor, bereits jetzt erwartet AWB-Werkleiter Werner Schumacher einen Aufschlag von rund einer Million Euro, die er Preisanpassungsklauseln zurechnet. Kredite musste der kreiseigene Betrieb nicht aufnehmen. Die Finanzierung erfolgte ausschließlich über Rückstellungen, die in den Jahren zuvor über die Gebühren gebildet worden waren. „Es ist das Highlight der investiven Maßnahmen des AWB in den zurückliegenden Jahrzehnten“, sagte Fred Jüngerich, in dessen Aufgabengebiet als (dritter) Kreisbeigeordneter die Abfallwirtschaft fällt, am Dienstagvormittag (21. Juli) bei einem Ortstermin. Der AWB habe bewiesen, dass er sich nicht nur um das Recycling, sondern aus um den Rest kümmere. „Das Vorhaben ist für die gesamte Region ein Leuchtturmprojekt“, ergänzte er, „betrachtet man die Systematik der Abdichtung, wird deutlich, wie komplex das Konzept war.“ Die Deponie war von 1973 bis 2002 in Betrieb, umfasst eine Fläche von rund 12 Hektar (rund 17 Fußballfelder) und beherbergt rund 2,1 Millionen Kubikmeter an Hinterlassenschaften der Menschen aus dem Kreis Altenkirchen. Sie entstand in einer Klebsandgrube. Das Material gilt als Abdichtung in Richtung Erdmittelpunkt. Für die mehrfachen Vergrößerungen wurden Isolierschichten eingebaut, die zum jeweiligen Zeitpunkt das Maß aller Dinge darstellten.

Planung made in Stuttgart
Die Anfänge der Umgestaltung reichen bis ins Jahr 2019 zurück, als die Ingenieurgruppe RUK GmbH (Stuttgart) mit den Planungen begann. Die Genehmigung durch die SGD Nord erfolgte im Dezember 2021, die Firma Strabag Umwelttechnik GmbH erhielt den Auftrag im April 2022, nur einen Monat später erfolgte der Baubeginn. Die Verwirklichung zog sich bis Anfang dieses Jahres hin. Vorletzter Punkt auf der To-do-Liste war die VOB-Abnahme im Mai 2026, im September soll die abfallrechtliche durch die SGD Nord erfolgen. „Dieses Projekt war eine Herzensangelegenheit von mir“, erklärte Eckhard Haubrich, Geschäftsführer der Ingenieurgruppe RUK sowie Prokjektleiter, und verwies auf seinen Geburtsort Friedewald. Er habe seinen eigenen Abfall, den er bis zum 20. Lebensjahr produziert habe, abgedichtet. Mit der „Käseglocke“ werde das Hauptziel, die Emissionsminderung von stark belastetem Sickerwasser (weil Regenwasser nicht mehr eindringen kann) und die „Behandlung“ des Deponiegases erreicht, das einen hohen Anteil an Metangas (25-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid) besitzt und das an Ort und Stelle als Kohlendioxid abgefackelt wird. Das Sickerwasser (Haubrich: „Eine Deponie wird nie trocken fallen“) wird nach einer aufwendigen und teuren Vorbehandlung in die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Betzdorf-Kirchen-Daaden in Wallmenroth (Muhlau) geleitet. Beide Komponenten sind stark rückläufig. So musste bereits ein Blockheizkraftwerk, das mit Metangas betrieben wurde, abgebaut werden, weil sich die Stromerzeugung nicht mehr lohnte. Vor der Abschottung wurden rund fünf Millionen Liter Sickerwasser pro Jahr gesammelt, derzeit sind es lediglich 800.000 bis 900.000 Liter. Mit dem Abschluss der Arbeiten wechselt die Deponie von der Stilllegungs- in die Nachsorgephase, die mit 35 Jahren angesetzt ist.

Mindestens 100 Jahre
Nach erfolgter Profilierung des Areals wurden mehrere Schichten verschiedenen Materials unterschiedlicher Stärke eingebaut, wobei das Hauptelement, verschweißte Kunststoffdichtungsbahnen mit einer Stärke von 2,5 Millimetern, laut Herstellerangaben mindestens 100 Jahre seine Funktion erfüllen und bei Setzungen des Materials innerhalb der „Käseglocke“ nicht reißen soll. Als „Überzug“ dient eine Rekultivierungsschicht, die zwischen 1,3 und 1,7 Meter misst und mit heimischen Gräsern bepflanzt worden ist und noch wird. Installiert werden könnte noch eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 1000 kWp, wobei Schumacher anmerkte, dass sich eine solche vermutlich nicht rechnen werde, da der Eigenverbrauch zu gering sei (aufgrund bereits vorhandener Einheiten auf Dächern der Wertstoffhof-Gebäude). „Eine Vermietung der Fläche wäre aber möglich“, fügte er an und nannte Schafe und Ziegen als mögliche Weidetiere auf den Hängen und der Kuppe. Die Deponie in Nauroth war, so Haubrich, erforderlich geworden, weil die Müllstätten, die jede Gemeinde betrieb, in eine einzige auf Kreisebene überführt worden waren. Im Jahr 2005 sei per Gesetz verfügt worden, dass kein Rohmüll mehr auf einer Deponie verfüllt werden dürfe. Alsbald wird auch der Lernpfad wieder zur Verfügung stehen, um (Schul)Kinder für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Noch nicht geklärt ist die Frage, ob der „Gipfel“ vielleicht sogar benamt wird … (vh)
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