| AK-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Kreis Altenkirchen |
|
| Nachricht vom 01.08.2026 |
|
| Region |
| Rückzug in Eitorf: Übernimmt Rewe-Familie Sanktjohanser Krewel Meuselbach und ZF? |
|
| In Eitorf herrscht Unsicherheit über die Zukunft des Areals von Krewel Meuselbach und des dortigen ZF-Standorts. Das Familienunternehmen Retzer hat sein Kaufangebot zurückgezogen, ein anderer Name ist ins Spiel gekommen. Derweil wehrt sich Eitorfs Bürgermeister gegen Vorwürfe. |
|
Eitorf. Überraschend hat das Unternehmerpaar Oleg und Elke Retzer sein Kaufangebot für das das ehemalige Betriebsgelände von Krewel und Meuselbach in Eitorf zurückgezogen. "Retzer Industry wird in Eitorf keine weiteren Investitionen außerhalb des bestehenden Werkstandortes tätigen", heißt es in einer Mitteilung von Freitag, 31. Juli. Das Investorenpaar hatte bereits das Schoeller-Gelände in Eitorf übernommen. Mit der Übernahme des benachbarten Geländes von Krewel Meuselbach wollte man Synergien nutzen und die Weichen für die Zukunft des Industrie-Areals stellen. Auch den Standort von ZF Friedrichshafen wollte Retzer übernehmen, wenn der Autozulieferer seine Niederlassung in Eitorf Ende 2027 aufgibt. Doch aus den großen Plänen wird offenbar nichts. Als Grund für die Rücknahme des Kaufangebots nennt Retzer Industry veränderte Rahmenbedingungen im laufenden Verkaufsprozess. Dies bedeute allerdings ausdrücklich keinen Rückzug aus dem bestehenden Engagement von Retzer Industry in Eitorf. Das ehemalige Schoeller-Gelände entwickelt das Unternehmen "weiterhin konsequent weiter".
"Unsere Familie hat in den vergangenen Monaten erhebliche Zeit, personelle Ressourcen und finanzielle Mittel investiert, um ein tragfähiges Entwicklungskonzept für den Standort zu erarbeiten", erklärt Prof. Dr. Oleg Retzer, Geschäftsführer von Retzer Industry. Ziel sei es gewesen, das Areal von Krewel Meuselbach "kurzfristig zu revitalisieren und einer nachhaltigen gewerblichen Nutzung zuzuführen". Nach Angaben des Unternehmens lagen den zuständigen Stellen sämtliche erforderlichen Unterlagen sowie ein umfassendes Entwicklungskonzept vor. Vorgesehen waren unter anderem Ansiedlungen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Bildung, Rechenzentrum, Logistik und weiteren gewerblichen Nutzungen. Eine endgültige Finanzierungsbestätigung der Bank habe vorgelegen, man ging davon aus, bereits vor der Eigentumsübertragung Mietverträge abschließen zu können.
Neuer Kaufinteressent: Rewe-Großflächengesellschafter?
Nach Angaben von Retzer seien jedoch weitere Kaufinteressenten in das Verfahren einbezogen worden. Daraufhin habe das Unternehmerpaar entschieden, sein Kaufangebot zurückzuziehen. "Langfristige Investitionen benötigen klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Aus unserer Sicht waren diese Voraussetzungen zuletzt nicht mehr gegeben", so Retzer Industry. Mit dem Rückzug ende zugleich das Engagement der Unternehmerfamilie hinsichtlich weiterer Immobilienentwicklungen in Eitorf. Im Zusammenhang mit den Planungen für den ehemaligen ZF-Standort hatte Retzer Industry eigenen Angaben zufolge ebenfalls bereits Gespräche mit potenziellen Nutzern geführt und konkrete Nutzungsmöglichkeiten geprüft. "Im weiteren Verlauf wurde der Standort öffentlich zum Kauf beziehungsweise zur Vermietung angeboten. Vor diesem Hintergrund entschied Retzer Industry, auch die eigenen Überlegungen zu einem Erwerb des ZF-Standorts nicht weiterzuverfolgen", heißt es weiter.
Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, soll es sich bei dem neuen Kaufinteressenten, der Retzer Industry zum Rückzug bewogen hat, um die Rewe-Familie Sanktjohanser aus Wissen handeln. Nach Angaben der Zeitung hat sich Rewe-Chefin Maike Sanktjohanser vor wenigen Tagen als neue Interessentin am Krewel-Gelände dem Ältestenrat der Gemeinde vorgestellt.
Eitorfs Bürgermeister Viehof äußert sich öffentlich
"In den vergangenen Tagen sind Schreiben von Herrn Professor Dr. Retzer veröffentlicht worden, in denen mir eine aktive Einflussnahme auf die Verkaufsverfahren der Unternehmen Krewel Meuselbach und ZF vorgeworfen wird", erklärt der Eitorfer Bürgermeister Rainer Viehof in einem öffentlichen Statement am Donnerstag. "Diese Vorwürfe weise ich entschieden zurück." Er fordere Professor Dr. Retzer auf, die erhobenen Vorwürfe "vollständig und nachvollziehbar" zu belegen. Andernfalls seien die Behauptungen zurückzunehmen, auch eine Entschuldigung fordert der Bürgermeister in dem Fall.
"Die Gemeinde Eitorf war weder Verkäuferin noch Eigentümerin der Immobilien. Über den Verkauf entscheidet ausschließlich der jeweilige Eigentümer beziehungsweise der Zwangsverwalter nach den von ihnen festgelegten Verfahren." Die Gemeindeverwaltung sei nicht in die Verhandlungen eingebunden gewesen. "Es gehört zu den gesetzlichen Aufgaben einer Gemeindeverwaltung, Investoren über die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen zu informieren. Genau das ist auch erfolgt", so der Bürgermeister weiter. "Als sich ein Investor mit einer konkreten Anfrage zur planungsrechtlichen Zulässigkeit eines großflächigen Einzelhandels auf dem Krewel-Gelände an die Verwaltung wandte, wurden aus Gründen der Transparenz die Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat über diese Anfrage informiert." Es sei dort aber weder über einen Verkauf entschieden worden, noch habe man einen Investor bevorzugt. "Wer an einem Bieterverfahren teilnimmt, muss grundsätzlich damit rechnen, dass weitere Interessenten Angebote abgeben. Darauf hat die Gemeinde keinen Einfluss. Ebenso wenig entscheidet sie über Zuschläge oder Kaufpreise." Viehof bedauert "ausdrücklich, dass sich ein Investor aus dem Verfahren zurückgezogen hat".
|
|
| Nachricht vom 01.08.2026 |
www.ak-kurier.de |
|
|
|
|
|
|