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Pressemitteilung vom 12.08.2026
Rheinland-Pfalz
Queerfeindliche Gewalt in Rheinland-Pfalz nimmt drastisch zu
Die Zahl der Straftaten gegen queere Menschen in Rheinland-Pfalz hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Dies zeigt eine Auswertung des Landeskriminalamts.
Mahnwache zum Anschlag auf den CSD Berlin. (Foto: Daniel Wagner/dpa)Mainz/Trier/Koblenz. Die Anzahl der queerfeindlichen Straftaten in Rheinland-Pfalz ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Laut einer Analyse des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz (LKA) wurden im Jahr 2025 insgesamt 118 Delikte gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt registriert. Dies entspricht fast dem Zwölffachen der zehn Fälle aus dem Jahr 2021. Diese Entwicklung gewinnt zusätzliche Brisanz angesichts des kürzlichen Anschlags beim Berliner Christopher Street Day (CSD), bei dem es eine Tote und mindestens 31 Verletzte gab. Seit Jahren verzeichnen Sicherheitsbehörden einen Anstieg von Straftaten gegen queere Menschen und ihr Umfeld. In Koblenz wird vom 13. bis 16. August ein CSD stattfinden.

Entwicklung schürt bei queeren Menschen Angst
Im ersten Halbjahr 2026 erfasste die Polizei in Rheinland-Pfalz bereits 33 Straftaten in den Bereichen "sexuelle Orientierung" und "geschlechtsbezogene Diversität" als Teil der "Hasskriminalität". Das Innenministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass die landesweite Statistik zur politisch motivierten Kriminalität einen nahezu kontinuierlichen Anstieg verzeichnet. Nach zehn registrierten Delikten 2021 stieg die Zahl 2022 auf 21, 2023 auf 51, 2024 auf 80 und schließlich 2025 auf 118. Zu den Delikten gehörten unter anderem Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Bedrohungen.

Das LKA erfasste im Auswertezeitraum 36 Opfer queerfeindlicher Gewalttaten, darunter 32 Männer, zwei Frauen und zwei Personen mit dem Geschlechtseintrag "divers". Queerfeindliche Hasskriminalität gilt grundsätzlich als politisch motiviert, da sie sich gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität richtet. Zugleich könne ein Großteil der Taten keiner eindeutigen extremistischen Ideologie zugeordnet werden, da homo- und transfeindliche Einstellungen in unterschiedlichen Milieus vorkämen.

"Ich wurde angegriffen und beleidigt"
Nach Einschätzung des Netzwerks SCHMIT-Z fühlen sich queere Menschen zunehmend unsicher im öffentlichen Raum. Die Meldestelle für queerfeindliche Gewalt in Rheinland-Pfalz verzeichne mehr Vorfälle, insbesondere Vandalismus sowie Beleidigungen und Beschimpfungen durch Fremde, teilte der Verein in Trier mit. Auch im Austausch mit anderen queeren Gruppen und dem Netzwerk Queernet Rheinland-Pfalz werde von einer Zunahme von Vorfällen berichtet.

SCHMIT-Z erklärte, die Entwicklung schüre bei vielen queeren Menschen Angst und führe dazu, dass sie sich zunehmend zurückzögen. Gruppen veröffentlichten etwa nicht mehr, wo sie sich treffen, und queere Menschen hielten sich mit öffentlichen Aktionen oder Bekenntnissen zurück. In Trier seien queere Themen aufgrund demokratisch orientierter Netzwerke und der Zusammenarbeit mit Stadtgesellschaft, Stadtverwaltung und Bistum bislang sichtbar und gut verankert. Dennoch wachse auch dort die Sorge um die Sicherheit. Der Verein verweist auf öffentliche Angriffe und Vandalismus, sowie auf Hass und Drohungen im Internet gegen Veranstaltungen und Initiativen.

Auch Glööckler wurde angefeindet
"Die Aussage 'Heute braucht sich kein Homosexueller mehr zu verstecken' ist einfach gesagt, wenn man es nicht selbst ausleben muss", sagte Harald Glööckler. Der Modedesigner hat in seiner Kindheit und Jugend Anfeindungen erlebt. "Ich wurde angegriffen und beleidigt, die Ablehnung wurde damals vom Staat mit Gesetzen noch unterstützt. Dass Menschen wieder überlegen, ob sie sich verstecken müssen, ist traurig", betonte der in der Pfalz lebende Künstler.

Es sei ein Kennzeichen der Situation, dass der jüngste Anschlag nicht nur in Berlin geschehen konnte. "Das hätte auch in Hamburg oder München passieren können", meinte Glööckler. "Leider. Das macht die Sache noch schlimmer." In einer Demokratie sei auch der Staat gefragt, seine Bürger zu schützen. "Man sollte in einer Demokratie frei leben können. Das ist ja der Sinn der Sache."

Junge Menschen teilten ihm mit, dass er ein Vorbild sei. "Da heißt es etwa: 'Ihretwegen habe ich mich getraut, mich vor meiner Klasse und meinen Eltern zu outen'". Er selbst habe nie ein Coming-out gehabt. "Ich dachte, wenn die so blöd sind und das nicht merken, kann ich denen auch nicht helfen."

Anderssein unter Generalverdacht
Grundsätzlich stelle er "mit Entsetzen und Bedauern" eine wachsende Ablehnung und Verurteilung queerer Menschen und Lebensweise fest, die immer mehr in Aggressionen und Gewalt ausufere. "Überhaupt habe ich das Gefühl", meinte Glööckler, "dass man mit Anderssein und Andersleben sofort unter Generalverdacht steht." (dpa/bearbeitet durch Red)

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