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Pressemitteilung vom 12.08.2026
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53 Jahre an der Universität Siegen: Professor Dreseler verabschiedet sich
Nach 53 Jahren an der Universität Siegen verabschiedet sich Professor Bernd Dreseler endgültig aus der Lehre. Der Mathematiker prägte den Aufbau des Fachs, verband Wissenschaft mit persönlicher Entwicklung und blickt nun auf neue Aufgaben und mehr Zeit für die Fotografie.
Mathematikprofessor Dr. Bernd Dreseler. (Foto: Universität Siegen/Markus Döring)Siegen. Mehr als fünf Jahrzehnte hat Prof. Dr. Bernd Dreseler die Mathematik an der Universität Siegen geprägt. Als Wissenschaftler, Hochschullehrer und Vermittler zwischen Fachwissen und Praxis begleitete er die Entwicklung des Fachs von den ersten Anfängen bis zur heutigen Universität. Nun beendet der 83-Jährige seine Lehrtätigkeit endgültig.

Abschied aus dem Turmzimmer
Dreseler räumt sein Turmzimmer am Emmy-Noether-Campus. Der Abschied fällt ihm nach eigener Einschätzung nicht leicht. Zu seiner Zeit an der Universität gehören viele Begegnungen, gemeinsame Projekte und zahlreiche Geschichten. Seine Begeisterung für die Mathematik ist jedoch ungebrochen. Noch immer erklärt er Zusammenhänge anschaulich und zeichnet Koordinatensysteme, Punkte und Kurven mit der Hand in die Luft.

Als Dreseler 1973 nach Siegen kam, stand der Mathematikstudiengang noch am Anfang. Seine erste Veranstaltung war Analysis I im Wintersemester 1973. Die Arbeitsgruppe war zunächst in einem früheren Klassenzimmer am Paul-Bonatz-Campus untergebracht. Dreseler erlebte den Aufbau des Fachs und die Entwicklung der damaligen Gesamthochschule zur Universität Siegen.

Auch nach dem offiziellen Ruhestand im Jahr 2008 blieb er der Hochschule verbunden. Als Lehrbeauftragter unterrichtete er weiter. Sein wissenschaftliches Fachgebiet sind die Angewandte Analysis und die Harmonische Analyse.

Seine Arbeit war dabei nicht auf die reine Vermittlung mathematischer Inhalte beschränkt. Dreseler wollte auch zeigen, wie Wissen in einer Gruppe entsteht und weitergegeben wird. Die Verbindung aus fachlicher Genauigkeit, verständlicher Darstellung und persönlicher Entwicklung wurde zu einem prägenden Bestandteil seiner Lehrtätigkeit. Über die Jahre veränderten sich Räume, Hilfsmittel und Arbeitsweisen. Die Bedeutung des direkten Kontakts zwischen Lehrenden und Studierenden blieb für ihn dennoch bestehen.

Vom Lehrerwunsch zur Wissenschaft
Eine wissenschaftliche Laufbahn war für Dreseler zunächst nicht selbstverständlich. Er wuchs in Wuppertal auf und wollte ursprünglich Lehrer werden. Nach dem Studium der Mathematik und Physik wechselte er in den Diplom-Studiengang an der Ruhr-Universität Bochum. Dort sammelte er als studentische Hilfskraft erste Erfahrungen in der Forschung.

Weitere Stationen führten ihn nach Mannheim und erneut nach Bochum. In Mannheim promovierte er 1972. Nach seiner Berufung nach Siegen habilitierte er sich dort 1977. Seine Herkunft aus einer bodenständigen Familie habe eine wissenschaftliche Karriere zunächst nicht als vorgezeichnet erscheinen lassen.

Mathematik und soziale Kompetenz
Dreseler entwickelte sich auch außerhalb seines Fachgebiets weiter. Anfang der 1980er Jahre absolvierte er eine Ausbildung zum Telefonseelsorger. Später folgte eine Ausbildung in der Themenzentrierten Interaktion, die er 1992 mit dem Diplom abschloss.

Gemeinsam mit dem Alumniverbund entwickelte er die Workshopreihe Get Fit for Leadership. Sie widmete sich der Persönlichkeitsentwicklung und Führungskompetenz. Für Dreseler gehören Mathematik, Kommunikation und soziale Kompetenz eng zusammen. Gute Zusammenarbeit setzt für ihn auch eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Person voraus.

Lebendige Lehre mit Kreide und Musik
Diese Haltung prägte seine Vorlesungen. Technische Veränderungen bereiteten ihm kein grundsätzliches Problem. Laptops und digitale Unterlagen gehören für ihn selbstverständlich zum Hochschulalltag. Trotzdem blieb die Kreide an der Tafel ein wichtiges Werkzeug.

Dreseler vertritt die Auffassung, dass Mathematik durch die persönliche Vermittlung anders wirkt als durch reines Lesen. Deshalb setzte er neben fachlichen Erklärungen auch auf Unterhaltung und direkte Interaktion. Während des Wischens der Tafel lief gelegentlich Musik, unter anderem von Eric Clapton. Schach nutzte er manchmal als Zugang zu mathematischen Strukturen.

In seinen Veranstaltungen wollte Dreseler das jeweilige Thema, die Zusammenarbeit in der Gruppe und die Entwicklung jedes Einzelnen in ein ausgewogenes Verhältnis bringen. Ziel war nicht nur, eine Lösung zu finden. Studierende sollten mathematische Gedanken nachvollziehbar erklären und auf die Gruppe eingehen.

Sorge wegen Künstlicher Intelligenz
Den Einfluss Künstlicher Intelligenz auf das Lernen beobachtet Dreseler mit Sorge. Nicht die Technik selbst sieht er als Problem. Bedenken bereitet ihm vielmehr die Gefahr, dass Studierende das eigene Denken an digitale Systeme abgeben.

Mathematik müsse verstanden und verständlich vermittelt werden. Das bloße Übernehmen oder Abschreiben einer Lösung reiche nicht aus. Entscheidend sei, dass der Lösungsweg nachvollziehbar bleibt und in einer Gruppe verständlich erklärt werden kann.

Blick auf Mathematik und Fotografie
Für die Zukunft der Mathematik an der Universität Siegen wünscht sich Dreseler ein lebendiges und starkes Fach. Seine eigene Zeit will er weiterhin aktiv gestalten. Ein voller Kalender zeichnet sich bereits ab. Künftig möchte er sich intensiver seiner zweiten Leidenschaft, der Fotografie, widmen.

Zugleich will Dreseler mit Menschen aller Altersstufen in lebendigem Kontakt bleiben. Damit verbindet sich sein Abschied aus der Lehre nicht mit einem Rückzug aus dem Austausch mit anderen, sondern mit neuen Formen persönlicher und kreativer Tätigkeit. (PM/KI/Red)
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