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| Nachricht vom 12.08.2026 |
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| Region |
| Dr. Christian Chahem steigt in die Altenkirchener Hausarztpraxis seines Vaters ein |
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| „Wenn der Vater mit dem Sohne“ sich einig ist, dass der Filius die alteingesessene Hausarztpraxis von „Papa“ übernimmt, ist dieser Schritt gerade in ländlichen Regionen ein Glücksfall für die Gesundheitsversorgung. Im Laufe des nächsten Jahres wird Dr. med. Christian Chahem die Stätte weiter führen, in der Louis Chahem, M.D. jahrzehntelang viele Menschen geheilt hat. |
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Altenkirchen. Die Probleme, die hausärztliche Versorgung vor allem in ländlichen Regionen sicherzustellen, sind hinlänglich bekannt. Immer weniger Mediziner verschlägt es dauerhaft auch in die Verbandsgemeinde (VG) Altenkirchen-Flammersfeld. Die Gründe sind vielschichtig, sie beginnen bei der Aversion gegen die Landstriche, die wenig gemein mit Ballungszentren haben, und enden bei der gegen den Status, ein kleiner „Unternehmer“ mit allen Begleiterscheinungen sein zu müssen. Wenn sich jedoch ein junger Mensch mit gerade erworbenem Titel „Doktor der Medizin“ aufmacht, die Hausarztpraxis seines Vaters zu übernehmen, können deren Patienten frohlocken. Sie müssen sich nicht nach einer alternativen umschauen. Eine Schließung der Versorgungsstätte ist abgewendet, die bereits klaffende Unterdeckung wird nicht noch größer. So wird Dr. med. Christian Chahem (32), wie am frühen Mittwochnachmittag (12. August) dargestellt wurde, zunächst als Arzt in Weiterbildung („Weiterbildungsassistent“) in die Altenkirchener Praxis seines Vaters Louis Chahem, M.D. (70/Universität Damaskus) einsteigen, ehe er sie im Laufe des kommenden Jahres dann als „Facharzt für Innere Medizin“ komplett übernehmen und „Papa“ nur noch als angestellte Teilzeitkraft zur Verfügung stehen wird. So wird zudem gewährleistet, dass die Einrichtung nunmehr schon in der dritten Generation der Familie fortgeführt werden kann. Gegründet im Jahr 1958 von Dr. med. Gerd Hassel (Christians Opa) in der Wiedstraße 44 (Villa Hassel), platzte sie schon wenig später aus allen Nähten. Bereits 1960 erfolgte der Umzug in den auf dem Grundstück in der Wiedstraße 46 neu entstandenen Bungalow, in dem – inzwischen schon zu großen Teilen saniert – bis heute praktiziert wird. Hassels Schwiegersohn Louis Chahem, M.D. übernahm 1988 das „Geschäft“, ehe nunmehr dessen Sohn Christian nach siebenjährigem Studium (hauptsächlich in Magdeburg) als angestellter Arzt mitarbeitet. Das familiäre Duo wird derzeit von vier Angestellten (eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte) unterstützt.
Einstieg leicht gemacht
„Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe“, sagte Christian Chahem, denn viele junge Kollegen trauten sich nicht in eine Praxis, sondern zögen ein Angestelltenverhältnis in einem Krankenhaus vor. Auch er habe die Arbeit in einem Hospital wie in den zurückliegenden Jahren als sehr schön empfunden, allein die Abrechnungen böten aber nunmehr viele Fallstricke. „So etwas wird im Studium nicht vermittelt“, ergänzte er. Im Hinterkopf regiere immer der Gedanke, dass Regressforderungen der Krankenkassen nicht ausgeschlossen seien, wenn beispielsweise einmal zu viel verschrieben worden sei. Darüber hinaus habe sein Vater ihm den Einstieg „leicht gemacht, ich bin froh, dass ich ihn an meiner Seite habe“. Inzwischen habe er auch schon seine „eigenen“ Patienten. An der Ausrichtung der Praxis werden Vater und Sohn Chahem nichts ändern, „klassische Hausarztmedizin, eine erste Anlaufstelle sein“, brachte es der Chef in spé auf den Punkt. Auch in puncto Hausbesuche sollen keine Abstriche gemacht werden. Sie gehören weiterhin zum Portfolio. Ein wenig größer könne der Patientenstamm noch werden, Neuaufnahmen seien in begrenztem Umfang derzeit möglich. Von Anfang 2028 an möchte sich Christian Chahem dann auch noch zum Facharzt für Palliativmedizin weiterbilden. Während Louis Chahem der Schließung des Krankenhauses in Altenkirchen nachtrauerte („eine Verschlechterung von 100 Prozent“), zeigte sich sein Filius nicht ganz auf einer Wellenlänge. Er könne sich durchaus ein System wie in Dänemark (wenige große Kliniken) vorstellen, gab jedoch parallel zu bedenken, dass der nördliche Nachbar Deutschlands ein viel kleineres Land sei und sich deswegen der Ansatz wahrscheinlich nicht auf Deutschland übertragen lasse. „Wir führen zahlreiche Telefonate, um überhaupt ein freies Bett in einem Krankenhaus der Region zu finden“, nannte Louis Chahem eine gravierende Erkenntnis aus dem K.o. für das Hospital in der Kreisstadt. Früher sei das per kurzem Draht doch wesentlich einfacher gewesen.
Teil des Wettbewerbs
Dem Wettbewerb, Ärzte mit Prämien zum Praktizieren im jeweiligen Sprengel zu locken, haben sich die VG und die Stadt Altenkirchen, wie viele weitere Gebietskörperschaften in der Republik, ebenfalls angeschlossen – ohne die horrend hohen Quoten einiger Mitbewerber bieten zu können. Per Förderrichtlinie werden Beträge bis zu einer Höhe von 30.000 Euro für Praxisübernahmen und Neugründungen ausgeschüttet, von denen Louis und Christian Chahem ebenfalls profitieren. Sie erhalten zum einen monatlich für die Anstellung eines Weiterbildungsassistenten (Christian) jeweils 500 Euro sowohl von der VG als auch der Stadt. Diese Förderung beläuft sich auf 11.000 Euro (1. Juli 2026 bis 31. Mai 2027). Darüber hinaus schießt die VG weitere 30.000, die Stadt 25.000 Euro zu, so dass unter dem Strich 55.000 Euro stehen, die bereits sinnvoll angelegt wurden. Ein neues Ultraschallgerät löste das mit einer deutlich älteren Bauweise ab.
Moralische Verpflichtung
„Die gemeinsame Förderung von Verbandsgemeinde und Kreisstadt stärkt die hausärztliche Versorgung und leistet einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region“, betonte Fred Jüngerich als Bürgermeister der großen VG. Die Förderrichtlinien würden bereits erfolgreich genutzt und trügen dazu bei, offene kassenärztliche Sitze zu besetzen, Praxisnachfolgen zu ermöglichen und ärztlichen Nachwuchs zu fördern. „Wir können nicht alles, versuchen aber vieles“, fügte er an, „ich bin froh, die Förderrichtlinie auf den Weg gebracht zu haben – ungeachtet der eigentlichen Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung für diesen Bereich.“ Es sei eine moralische Verpflichtung, „unsere Hausärzte zu unterstützen. Bei den Chahems ist es ein Paradebeispiel, dass das funktioniert“. Stadtbürgermeister Ralf Lindenpütz spracht von „Expertise vor Ort, die wir brauchen“ und meinte mit Blickrichtung von Vater und Sohn: „Dieses Beispiel zeigt die Tradition, die wir brauchen.“ Ziel sei ein gut aufgestelltes Hausärztenetz. Es gebe nichts Besseres (oder Schlechteres) als die Ausbildung beim eigenen Vater. (vh)
Informationen zur Praxis unter www.praxis-chahem.de |
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