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Nachricht vom 02.09.2026
Region
Norden des Landes ohne Regioklinik: Auch Kritik an Minister Hochs Plänen
Sieben neue „Regiokliniken“ sollen in Rheinland-Pfalz von 2027 an entstehen: Der Norden des Landes wurde in den Überlegungen im Mainzer Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit derzeit nicht einbezogen. Die Kommunalpolitik zeigt sich auch enttäuscht.
Offiziell kein Krankenhaus mehr: die ehemalige DRK-Klinik am Leuzbacher Weg in Altenkirchen. (Foto: vh)Altenkirchen/Mainz. Der neue Krankenhausplan für Rheinland-Pfalz sieht die Schaffung von sieben „Regiokliniken“ vor, die speziell auf Alltagsnotfälle ausgerichtet sein sollen, wie Clemens Hoch (SPD), Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit (MWWG), im Gesundheitsausschuss des Landtags vorstellte. Diese Hospitäler sollen eine Brücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung schlagen und bis zu 50 Betten bieten. Beim Blick auf die Landkarte mit den geplanten Standorten Bernkastel-Kues, Bingen, Boppard, Bad Dürkheim, Frankenthal, Hermeskeil und Kirn fällt auf, dass der Norden von Rheinland-Pfalz wohl in die Röhre (nein, nicht in die eines MRT) schauen wird. Ursprünglich war von acht bis zehn solcher Häuser die Rede gewesen. Vor dem Hintergrund des zu einem Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) degradierten ehemaligen DRK-Krankenhauses in Altenkirchen (heute im Verbund mit dem Diakonie-in-Südwestfalen-Klinikum Kirchen) mit zwei, von der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigten Arztsitzen gibt es, wie schon während des Fast-Komplett-Schließungsprozesses, erneut auch Kritik von der kommunalen Seite an den Überlegungen Hochs. „Ich bin von diesen Standorten sehr überrascht, weil der komplette Norden von Rheinland-Pfalz ausgeklammert wird und das wissentlich um die Situation, die wir hier in Altenkirchen als Kreisstadt haben“, stellte Fred Jüngerich als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld fest. Er könne sich mit dieser Entscheidung nicht anfreunden. Alle ins Auge gefassten Standorte konzentrierten sich auf die Mitte und den Südwesten des Landes. „Der Norden ist komplett außen vor. Solche Signale, dass der Norden des Landes vergessen wird, haben wir schon öfter erlebt und das nicht nur im Gesundheitswesen“, ergänzte er, „ich habe mich bei Hoch explizit nicht für den Standort einer Regioklinik hier bei uns eingesetzt, aber Hoch ist die Situation in Altenkirchen bestens bekannt. Ich habe gemeinsam mit dem Stadtbürgermeister und dem Landrat einige Gespräche mit Hoch geführt. Damals ging es um das Level-1i-Krankenhaus.“

Die liebe Begrifflichkeit
Ständig würden neue Begriffe entwickelt, von der Landesregierung wisse jedoch niemand, was sich dahinter verberge. „Ich muss wissen, wenn ich den Begriff ,Regioklinik’ in die Welt setze, was sich dahinter verbirgt. Das ist eine Notfallklinik, und ich muss wissen, wie das medizinische Angebot ist, und nicht darlegen, dass das vom Einzelfall abhängig ist“, betonte Jüngerich, „ich werde diese Entwicklung den Gremien vorlegen und gedenke, Hoch einen Brief zu schreiben, um meinem Unmut kundzutun, dass der Norden von Rheinland-Pfalz bei dieser Auswahl vergessen wurde.“ Das Konzept der Regiokliniken ist Teil einer umfassenden Neuaufstellung der Krankenhauslandschaft im Zuge der Gesundheitsreform des Bundes. Hoch bezeichnete sie als „Zukunftsmodell". Ein Sprecher des MWWG betonte, dass es kein „1:1-Modell" gebe - jede Regio-Klinik werde individuell an den regionalen Bedarf angepasst, um Doppelungen zu vermeiden. Eine Regioklinik sei „eine richtige Chance, einen Klinikstandort tatsächlich langfristig zu gewährleisten". Unterdessen teilte auf Anfrage des AK-Kuriers das MWWG mit, dass durchaus noch Bewegung in die veröffentlichte Aufzählung kommen könne: „Die Liste der potentiellen Regiokliniken ist nicht abschließend. Es können auch neue Regiokliniken entstehen, wenn vor Ort ein Versorgungsbedarf für Alltagsnotfälle vorhanden ist. Zunächst ist aber zwingende Voraussetzung, dass es einen Krankenhausträger gibt, der eine Regioklinik auch betreiben möchte.“

Ganz nüchtern hinschauen
„Ich glaube, wir müssen beim Thema Regioklinik ganz nüchtern hinschauen, weil es meines Erachtens unterschiedliche Erwartungen an dieses Modell gibt. Die jetzt veröffentlichten Standorte machen sicherlich Sinn, allerdings habe ich keinen detaillierten Überblick über die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort“, erklärte Landrat Dr. Peter Enders, „wichtig ist: Bei einer Regioklinik handelt es sich um einen Rückbau einer bestehenden Klinik, nicht um eine Einrichtung, die sozusagen von (fast) null aufgebaut wird. Hier werden so genannte ,Alltagsnotfälle’ behandelt. Richtig ist, dass wir in den politischen Gremien das Thema verschiedentlich andiskutiert, aber zu keinem Zeitpunkt konkretisiert bzw. gegenüber dem Land weiterverfolgt haben – auch weil die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung seitens des Landes für den Standort Altenkirchen einfach nicht gesehen wird. Und das Land ist nun einmal für die Krankenhausplanung zuständig.“ Natürlich sei ein Mehr an Versorgung immer wünschenswert, aber es gebe eben im Rahmen der Planungshoheit des Landes keine Verpflichtung, eine Regioklinik zu schaffen, „und am Ende reden wir eben immer auch über Kosten. Die grundsätzliche Einrichtung und Konzeption – da bin ich mit Minister Hoch einig – liegt in der Hand des Trägers“. Die Diakonie in Südwestfalen habe sich bisher nachvollziehbar dem versorgungsrelevanten Standort Kirchen und der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Altenkirchen gewidmet, um den Bestand zu stabilisieren. Darauf müsse auch der Fokus des Landkreises liegen. Natürlich bleibe es auch mein „persönliches Ziel, dass das bestehende MVZ am ehemaligen Krankenhausstandort Altenkirchen mittelfristig ausgebaut und um weitere Disziplinen erweitert wird". 

Eine andere Perspektive
Altenkirchens Stadtbürgermeister Ralf Lindenpütz stellte fest: „Mit der endgültigen Schließung des Krankenhauses Altenkirchen und dessen Herausnahme aus dem Landeskrankenhausplan durch die vorherige SPD-geführte Landesregierung wurden Fakten geschaffen, die Altenkirchen als Standort für eine Regioklinik zunächst ausschließen. Dass Konzept der Regioklinik sieht vor, dass bestehende Krankenhäuser zu Regiokliniken werden können, damit dort keine komplette Schließung erfolgt.“ Für das Krankenhaus Altenkirchen bestehe aus der Ausgangslage eine andere Perspektive. Im Gebäude werde neben der verbliebenen Kinder- und Jugendpsychiatrie durch den Träger, die Diakonie in Südwestfalen, ein MVZ betrieben. Dem Träger sei sehr daran gelegen, das Versorgungsspektrum auszubauen, um die Kapazitäten des Gebäudes besser zu nutzen: „Dazu sind wir mit dem Träger in Kontakt, um die Erweiterung des Angebotes zu unterstützen.“ Für die Zukunft könne er sich vorstellen, dass auf dem Gelände des Krankenhauses ein „Ambulantes Versorgungszentrum Westerwald“, in dem verschiedenste medizinische Eingriffe erfolgen können, entsteht. Dabei solle auch eine stationäre Aufnahme, analog einer Regioklinik, möglich sein. Diese stationäre Aufnahme müsse durch das Gesundheitsministerium mitgetragen werden, um eine auskömmliche Finanzierung zu erreichen, dieses hätte auch Modellcharakter für andere Standorte.

Standort vitalisieren
„Über verschiedene Kanäle standen und stehen wir im Kontakt zum Gesundheitsministerium, um die Chancen und Perspektiven von Altenkirchen darzustellen. Seitens des Gesundheitsministeriums wurde Gesprächsbereitschaft im Nachgang signalisiert. Wir werden Gespräche mit dem Gesundheitsminister führen, um den Standort Altenkirchen zu vitalisieren. Dabei werden wir auch das Thema Regioklinik, in welcher Ausprägung auch immer, ansprechen“, skizzierte Lindenpütz. Gerade angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen ärgere er sich immer noch, dass das Land keine ganzheitliche Kostenbetrachtung zur Erhaltung der Krankenhäuser im Westerwald aufstelle. Es sei unverständlich, dass das Land dreistellige Millionenbeträge zur Sanierung des benachbarten Krankenhauses in Hachenburg ausgeben werde, obwohl in Altenkirchen mit einem Bruchteil des Geldes gleiches erreicht werden könne. Hier werde bereits durch Festhalten am bestehenden Landeskrankenhausplan Steuergeld verschwendet, dass kommende Generationen erst erwirtschaften müssten.

Offiziell herausgenommen
Auch ein Sprecher der Diakonie in Südwestfalen bezog sich auf den Krankenhausplan des Landes: „Schon bei der Übernahme der Klinik am Standort Kirchen durch die Diakonie vom Insolvenzverwalter gab es kein Krankenhaus mehr am Standort Altenkirchen. Dieser Standort war bereits offiziell aus dem Krankenhausplan des Landes RLP herausgenommen und bereits vollständig abgewickelt. Es existiert dort kein Krankenhaus mehr, sondern nur noch ein ambulantes medizinisches Versorgungszentrum.“ Der Krankenhausplan des Landes RLP sehe vor, Standorte von existierenden Akutkrankenhäusern in Regiokliniken umzuwandeln. Dies treffe auf den Standort Altenkirchen nicht zu. Neugründungen von stationären Betten sehe auch die Bundesreform nicht vor. Deshalb habe die Diakonie aufgrund des Fehlens der Voraussetzungen keinen Antrag gestellt und sich auf den Standort Kirchen konzentriert. (vh)
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