| AK-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Kreis Altenkirchen |
|
| Pressemitteilung vom 16.09.2026 |
|
| Region |
| Kino statt Klassenzimmer: Eigenproduktion feiert Premiere in Neitersen |
|
Statt Lehrbuch und Frontalunterricht standen Kamera und Drehbuch im Mittelpunkt eines besonderen Vorhabens. In der Wied Scala in Neitersen kam nun das Ergebnis auf die große Leinwand. Getragen wurde das Projekt von Teilnehmenden, die weit mehr als nur einen Film schufen.
|
|
Neitersen. Ein abgedunkelter Kinosaal, gespannte Stille, dann startet der Film. Ungewöhnlich daran: Alle, die an diesem Abend im Publikum saßen, hatten selbst zuvor am Entstehen des Werkes mitgewirkt, sei es beim Schreiben, Drehen, Vertonen oder bei der Produktion.
Am 10. September 2026 wurde in der Wied Scala in Neitersen der Kurzfilm "Tödliche Geburtstagsfeier" erstmals gezeigt. Die Produktion ist in einer Kooperation zwischen dem Aktivcenter Altenkirchen, der Zukunftswerkstatt und dem Berufsvorbereitenden Qualifizierungsangebot (BbQ) von neue arbeit e.V. entstanden.
Fachleute aus Film und Literatur als Impulsgeber
Die fachliche Begleitung der Dreharbeiten übernahm Claus Janzen. Als ausgebildeter Schauspieler und Regisseur brachte er sein Praxiswissen aus der professionellen Filmbranche direkt ein. Auch beim Verfassen des Drehbuchs gab es fachkundige Unterstützung: In einem Praxistag vermittelten die Schauspielerin und Krimiautorin Isabella Archan sowie die Drehbuchautorin Claudia Matschulla den Teilnehmenden das Handwerkszeug für gute Geschichten, mit Schwerpunkt auf Figurenentwicklung, Dramaturgie und Erzählaufbau. Auf dieser Grundlage erarbeiteten die Teilnehmenden ihr Drehbuch anschließend vollständig in Eigenregie und wandten das neu erlernte Wissen direkt in der Praxis an.
Verantwortung als zentraler Bestandteil des Lernprozesses
Auf den ersten Blick wirkt der methodische Ansatz ungewöhnlich, im Kern handelte es sich jedoch um ein Bildungsprojekt, bei dem die Teilnehmenden sämtliche kreativen Fäden selbst in der Hand hielten. Von der ursprünglichen Idee bis zur fertigen Filmversion trugen sie die Verantwortung für jeden Schritt: Sie erarbeiteten die Handlung, verfassten das Drehbuch und übernahmen sowohl vor als auch hinter der Kamera aktive Rollen bei der Umsetzung. Selbst die musikalische Untermalung stammte aus den eigenen Reihen, komponiert und eingespielt von Heinrich Back.
Björn Pulz, stellvertretender Geschäftsleiter von neue arbeit e.V., ordnete diesen Ansatz ein: Wenn Teilnehmende spürten, dass ihre eigenen Vorstellungen zählten und sie selbst für ein gemeinsames Resultat einstünden, verändere sich der Zugang zum Lernen grundlegend.
Stärken sichtbar machen statt Defizite betonen
Im Projektverlauf zeigte sich genau dieser Effekt. Anstelle der sonst häufig im Vordergrund stehenden Defizite und beruflichen Herausforderungen rückten plötzlich kreative Fähigkeiten, Teamgeist, Durchhaltevermögen und praktisches Geschick in den Mittelpunkt. Die Beteiligten waren aufeinander angewiesen, mussten gemeinsam Entscheidungen treffen und Lösungswege finden.
Diese positive Dynamik erfasste nicht nur das eigentliche Filmteam. Wer mitwirkte, entdeckte nicht nur eigene, bislang ungenutzte Fähigkeiten, sondern lernte auch die Stärken der anderen Beteiligten neu kennen. So entwickelte sich aus anfänglich ungewohnten Aufgabenbereichen ein gemeinsames Werk, auf das am Ende alle sichtbar stolz sein konnten.
Neue Wege in der Bildungsarbeit
Genau in diesem Ansatz sieht neue arbeit e.V. die besondere Stärke des Projekts. Geschäftsführerin Stefanie Schneider machte deutlich, dass das Projekt zeige, wie sich Bildungsarbeit von eingefahrenen Strukturen lösen könne. Nicht jede Lernmotivation entstehe zwangsläufig über einen klassischen Lehrplan. Für den Verein bedeute Bildung auch, Menschen Gelegenheiten zu eröffnen, ihre eigenen Potenziale zu entdecken und gemeinsam mit anderen etwas zu erreichen.
Am Ende ging es deshalb um mehr als nur die reine Vorführung eines Kurzfilms. Für die Beteiligten wurde daraus ein greifbarer Beleg für ihre eigenen Fähigkeiten, der aus einer zunächst unkonventionell erscheinenden Idee hervorgegangen ist. Als das Licht im Saal schließlich ausging und der Film begann, verwandelten sich die Teilnehmenden für wenige Minuten in ein echtes Filmteam, und aus einem Bildungsprojekt wurde greifbares Kino. (PM/bearbeitet durch Red) |
|
| Pressemitteilung vom 16.09.2026 |
www.ak-kurier.de |
|
|
|
|
|
|