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| Pressemitteilung vom 19.09.2026 |
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| Universität Siegen trauert um Theologen Prof. Dr. Ingo Baldermann |
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| Die Universität Siegen nimmt Abschied von einer ihrer prägenden Gründerpersönlichkeiten. Der international bekannte Religionspädagoge Prof. Dr. Ingo Baldermann verstarb im Alter von 97 Jahren. Er hinterlässt ein umfangreiches Lebenswerk zur biblischen Didaktik und zur Friedensarbeit. |
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Nachruf für Prof. Dr. Ingo Baldermann
Die Universität Siegen trauert um Prof. Dr. Ingo Baldermann, der am 27. August im Alter von 97 Jahren verstorben ist.
Prof. Dr. Ingo Baldermann wirkte von 1965 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 als Professor für „Evangelische Theologie und ihre Didaktik“ an der Gesamthochschule und späteren Universität Siegen. Er war eine der prägenden Gestalten in den Anfangsjahren unserer Universität und des Faches Evangelische Theologie. In 30 Jahren Forschung und Lehre hat er Generationen von Lehramtsstudierenden religionsdidaktisch und theologisch inspiriert und geprägt. Seine zahlreichen innovativen Beiträge zur „Biblischen Didaktik“ entfalteten im gesamten deutschsprachigen Raum eine immense Wirkung. Schon zu Lebzeiten galt Ingo Baldermann zu Recht als ein Klassiker der evangelischen Religionsdidaktik des 20. Jahrhunderts.
Ingo Baldermann wurde 1929 in Berlin geboren. Kindheit und frühe Jugend waren geprägt vom Krieg und Flucht. Mit 15 Jahren gehörte Baldermann noch zu jenem letzten Aufgebot von Hitlerjungen, die mit Panzerfäusten in der Hand den amerikanischen Soldaten entgegengeschickt wurden. Baldermann hat über diese „schreckliche Verblendung“ seiner Jugendzeit immer wieder selbstkritisch reflektiert und als Zeitzeuge Rede und Antwort gestanden. Die Auseinandersetzung mit dieser biographischen Krisenerfahrung prägte sein theologisches, gesellschaftliches und friedenspolitisches Wirken. Als Anhänger Gustav Heinemanns und später als SPD-Mitglieder unterstützten er und seine Frau die Entspannungspolitik unter Willy Brandt, waren engagiert in der Friedensbewegung der 1980er Jahre bis hin zum konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Ingo Baldermann war tief sensibilisiert für die Überlebenskrisen der Menschheit, die er zum Ausgangspunkt seines theologischen Nachdenkens machte.
Nach dem Abitur in Wolfenbüttel 1947 und dem Lehramtsstudium und dem Studium der Evangelischen Theologie wurde er zum Pfarrer der Hannoverschen Landeskirche ordiniert und danach Mitarbeiter am Katechetischen Amt Loccum. Er promovierte 1962 an der Universität Hamburg, wirkte als Dozent am dortigen Pädagogischen Institut, bevor er 1965 dem Ruf an die damalige Pädagogische Hochschule Siegerland folgte, aus der 1972 die Gesamthochschule, 1980 die Universität-Gesamthochschule und schließlich 2003 die Universität Siegen wurde.
Baldermanns Forschungsinteresse galt zeitlebens der „Biblischen Didaktik“. Er löste sich frühzeitig von einer Didaktik der Wissensvermittlung zugunsten einer Didaktik, die auf Selbsttätigkeit setzt und eigenständige Lernerfahrungen ermöglicht. Baldermanns Zutrauen zur inneren Kraft und Gegenwärtigkeit biblischer Texte war immens. Diese alten Texte seien „erstaunlich lebendig und bestürzend verständlich“.
Besonders bekannt wurde er durch seinen Umgang mit den biblischen Psalmen. Hier suchte er in einzelnen Psalmworten Sprachformen der Freude oder auch der Angst und des Schmerzes freizulegen, mit denen schon Grundschulkinder eine Sprache für ihre eigenen emotionalen Erfahrungen finden konnten. Baldermanns einschlägige Lehrbücher erschienen in hohen Auflagen, wurden breit rezipiert, wissenschaftlich auch kontrovers diskutiert und immer wieder nachgedruckt. Und sie waren vor allem praxistauglich. Immer wieder suchte Ingo Baldermann den Kontakt mit der schulischen Praxis und stand in regem Austausch mit den Lehrerinnen und Lehrern, die bei ihm studiert hatten.
Eine besondere, oft wenig beachtete Seite von Baldermanns Wirken galt der Religionspädagogik in der DDR. Nach dem Bau der Berliner Mauer unternahm er häufige Reisen in die DDR und suchte auf allen erdenklichen Wegen regelmäßigen Kontakt zu Katechetinnen und Katecheten in der DDR. Ingo Baldermann sah sich selbst als „Grenzgänger im geteilten Deutschland“ und war auf zahlreichen Fortbildungen und Kirchentagen in der DDR präsent und geschätzt.
Auch außerhalb der Universität hat Ingo Baldermann breit gewirkt. In seiner heimatlichen Martini-Gemeinde in Siegen hat er oft gepredigt. Viele Jahre war er im Herausgeberkreis des „Jahrbuchs für biblische Theologie“. 1984 gründete er zusammen mit dem Siegener Unternehmer Klaus Hoppmann die Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft e.V. Siegen, deren Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod war. In den langen Jahren seines Ruhestands war Ingo Baldermann viele Jahre als Forschender und Lehrender aktiv wie eh und je.
In den letzten Jahren seines Lebens las Ingo Baldermann in den Abendstunden immer wieder im biblischen Buch Hiob, das er sich aus dem Hebräischen neu übersetzte. Die Bibel blieb für Ingo Baldermann bis zuletzt das Buch seiner Sehnsucht und seiner Hoffnung. (Im Namen des Seminars für Evangelische Theologie, Prof. Dr. Thomas Naumann / PM/bearbeitet durch Red) |
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