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| Nachricht vom 21.09.2026 |
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| Kultur |
| Tanz auf dem Vulkan: Die 20er Jahre erstrahlen im Westerwälder Literatursommer |
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| Wie vielfältig und packend das Thema des diesjährigen Westerwälder Literatursommers „Die goldenen 20er Jahre“ präsentiert werden kann, bewies Programmleiterin Katharina Roßbach am Sonntagabend mit dem Ensemble „Federboa und Zylinder“. Die Formation brachte bekannte Chansons aus den 20ern und 30ern und ergreifende Texte im Hotel zur Post zu Gehör. |
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Waldbreitbach. Mit kraftvoller Stimme sang Heilswint Hausmann Chansons, begleitet von Jörg Adler am Klavier, Stefan Hausmann an Tuba und Flügelhorn und Guilermo Banz am Schlagzeug. Zwischendurch rezitierte Heilswint Hausmann zeitgemäße Lyrik, zum Beispiel von Erich Kästner (Kleine Stadt am Sonntagmorgen), Mascha Kaléko und Selba Meerbaum-Reisinger: „Gleich einer Symphonie in Grün“. Der rumänischen deutschsprachigen Dichterin wurde erst die Freiheit genommen, dann ihr Leben. Ihre Gedichte, die zwischen 1939 und 1942 entstanden, sind nur durch Zufall erhalten geblieben. Sie wurden 1970 in dem Gedichtband „Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“ herausgebracht. Geigenspiel der Sängerin und gefühlvolle Klavierbegleitung schlossen das Gedenken an die Lyrikerin ab.
Die Lieder rissen im Charlston- und Tango-Rhythmus das Publikum mit. Viele hätte man mitsingen können, etwa „Bei mir bist du schön“, „Kann denn Liebe Sünde sein?“ oder „Du hast Glück bei den Fraun, Bel Ami“, „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Mein kleiner, grüner Kaktus“.
Gesang und Rezitationen zeigten deutlich die Liebes- und Lebenssehnsucht, aber auch die Verwegenheit und Perversität der Gesellschaft in dieser Epoche auf. Das Tucholsky-Gedicht „Der Pfau“ aus 1927 endet mit der Lehre: „Wer dumm und schön ist, setzt sich. Siegt. Und schweigt“. Das Ende der goldenen Ära schwingt unüberhörbar bereits mit, auch in den Chansons.
Auf Zarah Leanders Song „Er heißt Waldemar“ folgte das passende Gedicht von Erich Fried: „Das Leben wäre vielleicht einfacher, wenn ich dich gar nicht getroffen hätte.“ Kurt Weill schrieb Nannas Lied: „Meine Herren, mit siebzehn Jahren kam ich auf den Liebesmarkt. Und ich habe viel erfahren. Böses gab es viel, doch das war das Spiel. Gott sei Dank geht alles schnell vorüber, auch die Liebe und der Kummer sogar. Wo sind die Tränen von gestern Abend? Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?"
Pianist Jörg Adler machte mit seiner Ansage neugierig auf den nächsten Titel, der 1927 veröffentlicht wurde, in Ägypten spielt und die „Dekadenz in Berlin und Wien beschreibt“. Ein scheinheiliger Mann macht sich auf die Suche nach einer Affäre in „In der Bar zum Krokodil“, bekannt durch die Comedian Harmonists. Ein Zeitsprung in die 80er Jahre gelang der Band mit dem bekannten Titel „Vielen Dank für die Blumen!“
Übergriffigkeit und Begierde sprechen aus Titeln wie „Das Ideal“ und „Die Kleptomanin“ und schließlich lehnt Frau es ab, jemandem zu gehören außer sich selbst in dem bekannten Lied "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“. Die „Seeräuber-Jenny“ und die „Rinnsteinprinzessin“ emanzipieren sich. „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ bezauberte mit einem Trompetensolo.
Nach „Mein Freund, der schöne Benjamin“ motivierte anhaltender Applaus die Künstler zu einer mehrteiligen Zugabe.
Weitere Veranstaltungen im Westerwälder Literatursommer finden Sie unter www.ww-lit.de. htv
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| Nachricht vom 21.09.2026 |
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