| AK-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Kreis Altenkirchen |
|
| Nachricht vom 30.09.2026 |
|
| Wirtschaft |
| Stellenabbau bei Mubea in Daaden und Weitefeld: Zwischen Sorge und Hoffnung in der Region |
|
| Ein herber Schlag für die Region: Der Leichtbauspezialist für Automobil- und Luftfahrtkomponenten Mubea will an seinem Standort Daaden/Weitefeld in den kommenden zwei Jahren 200 von derzeit 600 Stellen abbauen. |
|
Daaden. Die strukturellen Maßnahmen des Unternehmens seien notwendig, "um dessen Wettbewerbsfähigkeit in einem anspruchsvollen Marktumfeld nachhaltig zu sichern", hieß es in einer Pressemitteilung in der vergangenen Woche. Treiber dieser Entwicklung seien veränderte Kundeneinkaufsentscheidungen, zunehmender internationaler Kostendruck, kostensteigernde europäische Regulierung sowie die Auswirkungen der aktuellen US-Zollpolitik. "Dies alles resultiert in deutlich reduzierten Produktionsmengen", so Mubea weiter. Für den Standort Daaden/Weitefeld ergebe sich bis zum Ende des Jahres 2028 ein Personalbedarf von rund 400 Mitarbeitenden. Aktuell sind 600 Mitarbeiter am Standort beschäftigt.
Der Personalabbau sei "unausweichlich", soll laut Mubea schrittweise erfolgen und sozialverträglich sein. "Dazu zählen aus Unternehmenssicht unter anderem Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Mubea-Standorten - insbesondere an den wachsenden Luftfahrtstandorten - sowie Angebote für ein Austritts- und Rentenüberbrückungsprogramm. Konkrete Umsetzungsschritte werden im Rahmen der Gespräche mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen abgestimmt", heißt es weiter in der Pressemitteilung.
Zukunftskonzept für den Standort Daaden
Das Werk in Daaden wurde als erstes Zweigwerk von Mubea 1960 eröffnet, seit 2001 ist das Werk in Weitefeld in Betrieb. Beide werden unter dem Standort Daaden/Weitefeld geführt. Für diesen sei nun ein Zukunftskonzept entwickelt worden, so Mubea. So plane das Unternehmen in den Jahren 2027 und 2028 "signifikante Investitionen in den Produktionsbereich für Tellerfedern". Dieses beinhaltet nach Unternehmensangaben neue Anlagen, Automatisierung und Digitalisierung sowie den Einsatz KI-unterstützter Geschäftsprozesse. In Kombination mit lokalen Fertigungen in Nordamerika und Asien ergebe sich ein weltweit starker Verbund zur Absicherung der Weltmarktführerschaft. Außerdem gebe es aktuell Entwicklungen in neuen Produktbereichen für die Wasserstoffproduktion und weitere Industrieanwendungen. Diese Marktfelder könnten mittelfristig in Daaden etabliert werden.
Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben seine Verantwortung darin, die Standorte in Deutschland zukunftssicher aufzustellen. Die dafür unausweichlichen Maßnahmen fielen nicht leicht. Man habe den Anspruch, "den Prozess verantwortungsvoll, transparent und sozialverträglich zu gestalten und dabei so viele Beschäftigungsperspektiven wie möglich zu erhalten".
Ein schwerer Schlag für den Kreis Altenkirchen
"Der angekündigte Stellenabbau bei Mubea ist für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien eine einschneidende Nachricht, und für das Daadener Land und den ganzen Kreis ein schwerer Schlag", äußert sich der Landrat des Kreises Altenkirchen, Dr. Peter Enders, auf Anfrage zu den Vorgängen. "Ein Drittel der Arbeitsplätze am Standort Daaden/Weitefeld steht zur Disposition. Das beschäftigt uns sehr." Die Automobilzulieferindustrie stehe unter enormem Druck - durch internationalen Wettbewerb, Kostensteigerungen und die US-Zollpolitik, so der Landrat. Umso wichtiger sei es, dass Bund und Europäische Union die Rahmenbedingungen für die Industrie verbessern und Unternehmen spürbar von Bürokratie entlasten.
"Positiv ist, dass Mubea sich zum Standort bekennt und mit einem Zukunftskonzept, Investitionen in die Tellerfederproduktion sowie neuen Produktfeldern wie der Wasserstofftechnik dort weiter Perspektiven schaffen will", betont Landrat Dr. Enders. "Das ist ein wichtiges Signal für die industrielle Wertschöpfung in unserer Region. Für die Beschäftigten sollte ein sozialverträgliches und verantwortungsvolles Vorgehen oberste Priorität haben. Wir setzen darauf, dass Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall zügig zu fairen Lösungen kommen." Als Kreis bieten man über die Wirtschaftsförderung Unterstützung an, soweit möglich: Trotz einer allgemeinen wirtschaftlichen Flaute suchen vereinzelte Betriebe im Kreis Altenkirchen Fachkräfte. "Falls wir hier unterstützen sollen, übernehmen wir das gerne."
Schwerer Einschnitt - Perspektive für den Standort?
Helmut Stühn, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf, nennt die Ankündigung des Stellenabbaus "besorgniserregend". Dieser Schritt sei ein erheblicher Einschnitt für die Verbandsgemeinde und ein Beispiel für die an Fahrt gewinnende Deindustriealisierung. "Hinter den Arbeitsplätzen stehen Menschen und Familien. Ihnen gilt unsere Aufmerksamkeit und Solidarität. Es ist zu wünschen, dass eine sozialverträgliche Gestaltung der Veränderung gelingt, insbesondere neue Arbeitsplätze gefunden werden."
Mubea sei seit Jahrzehnten ein prägender Bestandteil des Wirtschaftsstandortes Daaden und seit 25 Jahren auch in Weitefeld, so Stühn weiter. "Das Arbeitskräftepotenzial unserer Region war immer eine hervorragende Basis für die unternehmerische Entwicklung von Mubea hier vor Ort. Auch unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen konnte erfolgreich entwickelt und produziert werden."
Stühn sieht in der Ankündigung eines Zukunftskonzeptes "trotz des schmerzhaften Personalabbaues ein hoffentlich positives Element. Ob beide Standorte erhalten werden, wird nicht ausdrücklich gesagt. Aus kommunaler Sicht ist zu wünschen, dass für Mubea beide Standorte auch künftig wichtige Bestandteile des weltweiten Produktionsverbundes bleiben. Entscheidend wird sein, dass die angekündigten Investitionen tatsächlich umgesetzt werden und zu einer nachhaltigen industriellen Perspektive für Daaden und Weitefeld mit moderner Produktion und qualifizierten Arbeitsplätzen beitragen."
Investitionen geben Daaden Hoffnung
Auch Walter Strunk, Stadtbürgermeister von Daaden, sieht in den angekündigten Investitionen von Mubea in den Standort Daaden ein wichtiges Signal für dessen Zukunft. "Der Stellenabbau macht uns Sorgen. Umso wichtiger ist die Perspektive, die durch die geplanten Investitionen entsteht. Sie geben Anlass zur Hoffnung, dass der Standort Daaden langfristig zukunftsfähig bleibt und möglichst viele Arbeitsplätze gesichert werden können."
Die Nachricht des Stellenabbaus habe ihn "persönlich und auch viele Menschen im Daadener Land mit großer Betroffenheit erreicht", so Strunk. "Hinter jeder dieser Stellen stehen Menschen, Familien und persönliche Lebensplanungen. Deshalb dürfen bei allen wirtschaftlichen Überlegungen die Schicksale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aus dem Blick geraten." Aus Sicht der Stadt Daaden müsse deshalb alles dafür getan werden Arbeitsplätze und die Zukunft der Standorte in der Region so weit wie möglich zu sichern. "Ich setze dabei insbesondere auf einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen Unternehmensleitung, Betriebsrat und den Beschäftigten", so Strunk weiter.
Karl-Heinz Keßler, Ortsbürgermeister von Weitefeld sieht in den Plänen Mubeas einen großen Einschnitt von Arbeitsplätzen und der Gewerbesteuer im Ort. "Ich gebe die Hoffnung zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und des Standortes nicht auf und vertraue eben auf die Innovationskraft von Mubea." Dieses sei schließlich bekanntermaßen ein weltweit tätiges, innovatives Unternehmen. "Für die betroffenen Mitarbeiter wünsche ich mir, dass ein möglicher Stellenabbau auch wirklich sozialverträglich umgesetzt wird", erklärt Keßler.
|
|
| Nachricht vom 30.09.2026 |
www.ak-kurier.de |
|
|
|
|
|
|