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Nachricht vom 07.10.2026
Rheinland-Pfalz
Dunkelfeld der Kriminalität: Gewalt und Betrug an Älteren in Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz sorgt die Misshandlung und der Betrug an hilfebedürftigen Menschen immer wieder für Entsetzen. Experten vermuten ein großes Dunkelfeld, da viele Fälle im Verborgenen bleiben.
Wohnen im Alter. Foto: Uwe Anspach/dpaMainz. Wenn ältere oder demente Menschen Opfer von Betrug, Diebstahl oder Gewalt werden, ist die Empörung groß. Auch in Rheinland-Pfalz wurden bereits Haftstrafen verhängt, nachdem Pfleger oder Betreuer Konten leergeräumt oder Gewalt ausgeübt haben. Die Opferschutzorganisation Weißer Ring vermutet jedoch ein großes Dunkelfeld. Patrick Liesching, Ehrenvorsitzender des Weißen Rings, weist auf das Erschleichen von Vorsorgevollmachten oder die Veruntreuung von Vermögen hin. "Es ist aber schwer, ein Lagebild statistisch zu erfassen", so Liesching. Forschungsansätze seien schwierig, da es kaum auskunftsfähige Akteure gebe. Oftmals sind die Betroffenen dement, und Täter öffnen sich nicht.

Ein Beispiel aus Brandenburg zeigt, wie wichtig es ist, Opfern zu glauben. Eine 91-jährige Frau berichtete von einer Vergewaltigung im Krankenhaus - Spuren konnten gesichert werden. In Rheinland-Pfalz erinnern sich viele noch an die Morde in einem Altenheim in Lambrecht. Zwei Männer und eine Frau wurden 2018 wegen Mordes und Misshandlungen verurteilt. Auch Betrugsdelikte kommen vor, wie der Fall eines Betreuers zeigt, der 2015 wegen Untreue verurteilt wurde.

Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) betont, dass finanzielle Ausbeutung eine zentrale Form von Gewalt gegen ältere Menschen sei. Laut Landeskriminalamt (LKA) nutzen Täter gezielt Abhängigkeitsverhältnisse aus. Die straf- und zivilrechtliche Aufarbeitung dieser Delikte gestaltet sich als komplex. Es sei oft schwierig festzustellen, ob ein Vollmachtgeber geschäftsfähig war. Beschuldigte berufen sich häufig auf Schenkungen oder Entlohnungen.

Harald Freter vom Bundesverband der Berufsbetreuer*innen warnt vor grundsätzlichem "Betreuer-Bashing". Kriminelle Machenschaften seien die Ausnahme. Dennoch könne es ein "Einfallstor für Kriminalität" sein, wenn Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten. Vorsorgevollmachten unterlägen keiner Kontrolle, daher sei Vertrauen essenziell. Das LKA empfiehlt ein Mehraugenprinzip bei Bankgeschäften.

Liesching vom Weißen Ring sieht eine fehlende Sensibilität in Deutschland für die Kriminalitätsanfälligkeit älterer Menschen. "Wo es vulnerable, wenig abwehrbefähigte ältere Menschen gibt, da schaut kaum jemand hin", sagt er. (dpa/bearbeitet durch Red)
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