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Nachricht vom 02.11.2026
Wirtschaft
Fachkräftemangel trotz freier Stellen: Die Herausforderung der Berufsberatung
Mehr junge Menschen suchen eine Ausbildung, gleichzeitig melden die Betriebe weniger Lehrstellen: Diese Entwicklung prägt die Ausbildungsmarktbilanz 2025/26 der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald. Zum Stichtag Ende September waren im Agenturbezirk noch 318 Bewerber ohne Ausbildungsplatz und 473 gemeldete Stellen unbesetzt.
Sie präsentierten gemeinsam die Zahlen des Ausbildungsmarktes. Foto: Amelie EnderleNeuwied/Region. Ausbildungsinteresse und betriebliches Angebot liegen im Bezirk der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald, der die Kreise Altenkirchen, Neuwied, Westerwald und Rhein-Lahn umfasst, inzwischen nahezu gleichauf. Dahinter stehen allerdings gegenläufige Entwicklungen: Während sich mehr Jugendliche für eine Ausbildung interessieren, ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen deutlich gesunken. Das geht aus der Bilanz für das Ausbildungsjahr vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026 hervor, die bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Arbeitsagentur, IHK und HWK in Neuwied vorgestellt wurde.

Insgesamt wandten sich im Berichtszeitraum 3.678 junge Menschen mit dem Wunsch nach einer Ausbildung oder einem dualen Studium an die Berufsberatung. Das waren 135 mehr als im Vorjahr – ein Zuwachs von 3,8 Prozent. Gleichzeitig meldeten die Betriebe 3.753 Ausbildungsplätze und damit 440 weniger als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang von 10,5 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf den gesamten Agenturbezirk mit den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied, Rhein-Lahn und Westerwald.

Mehr Interesse trifft auf weniger Angebote
Elmar Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, bewertet das gestiegene Interesse als positives Signal. „Mehr ausbildungsinteressierte Jugendliche sind eine gute Nachricht“, erklärt er in der Pressekonferenz. Der Praxisbezug und der Wunsch nach früher wirtschaftlicher Unabhängigkeit machten die duale Ausbildung für junge Menschen attraktiv. Gleichzeitig habe die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nachgelassen.

Die Entwicklung fällt in eine schwierige wirtschaftliche Lage. Zugleich verlassen geburtenstarke Jahrgänge den Arbeitsmarkt, während weniger Berufsanfänger nachrücken. Umso wichtiger bleibt es für die Fachkräftesicherung, Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen.

Dass dies trotz rechnerisch ausreichender Angebote nicht immer gelingt, zeigt der Stand zum 30. September: 318 Bewerberinnen und Bewerber suchten weiterhin einen Ausbildungsplatz. Ihnen standen 473 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. Rechnerisch waren damit für jeden noch unversorgten Jugendlichen rund 1,5 freie Stellen vorhanden. Berufswünsche und betriebliche Anforderungen passen jedoch nicht immer zusammen.

Bekannte Berufe bleiben besonders gefragt

Bei den Berufswünschen stehen nach Angaben der Arbeitsagentur weiterhin Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement, Verkäufer beziehungsweise Verkäuferin und Kfz-Mechatroniker beziehungsweise Kfz-Mechatronikerin an der Spitze. Auf der Angebotsseite führen Ausbildungsplätze im Einzelhandel, gefolgt vom Verkauf und den Industriekaufleuten.

Die Arbeitsagentur sieht deshalb in einer frühzeitigen Berufsorientierung einen wichtigen Ansatz. Viele Jugendliche hätten bei ihrer ersten Berufswahl nur einen Ausschnitt der mehr als 300 Ausbildungsberufe im Blick. Eine individuelle Beratung könne helfen, passende Alternativen zu entdecken. Wagner empfiehlt jungen Menschen ausdrücklich, die Berufsberatung zu nutzen – von der ersten Orientierung bis zum Einstieg in Ausbildung oder Studium.

Einstieg ist weiterhin möglich
Für Jugendliche ohne Lehrstelle ist ein Ausbildungsbeginn auch im bereits laufenden Ausbildungsjahr noch möglich. Voraussetzung ist, dass sich der bisher versäumte Berufsschulstoff noch aufholen lässt. Die Berufsberatung ist unter 0800 4 5555 00 erreichbar. Betriebe können sich unter 0800 4 5555 20 an den Arbeitgeberservice wenden. Weitere Informationen gibt es auf www.arbeitsagentur.de. woti



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