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| Nachricht vom 08.11.2026 |
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| "Vogelfrey“ in Altenkirchen: Abruptes Ende beschließt den lautstarken Auftritt |
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| Da hat es bisweilen was gewaltig auf die Ohren gegeben: Die Gruppe „Vogelfrey“ lässt das Gemäuer des Altenkirchener Kultursalons mit ihrem Mix aus Folk, Rock und heftigen Metal-Einflüssen erzittern – mit einem überraschenden, nämlich abrupten Finale, denn Zugaben stehen nicht als Höhepunkt und Abschluss auf dem Ablaufplan des Konzertes. |
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Altenkirchen. Erinnern wir uns an Ex-Kanzler Olaf Scholz, der mit Blick auf Investitionsvorhaben vor grauer Vorzeit, aber nicht im Mittelalter, von einem Doppel-Wumms spricht. Die Wucht, die der SPD-Mann in das damals neu aufgelegte Programm hineininterpretiert, verpufft eher, die, die die Gruppe „Vogelfrey“ im übertragenen Sinn auf der Bühne des Altenkirchener Kultursalons an den Tag bzw. in den Abend legt, klingt lange in den Ohren nach, testet die Stadthalle, ob sie noch weitere Jahrzehnte durchhält oder in absehbarer Zeit an Ort und Stelle saniert, abgerissen und neugebaut werden muss. Es ist nicht das Headbanging, das vier Männer und eine Frau (die Augen von Schlagzeuger Marius Wigger bleiben auf sein Instrument gerichtet) im Gleichklang mit den eingefleischten Fans auf der Tanzfläche praktizieren. Es sind vielmehr die Kondition fördernden Übungen (Hüpfen auf der Stelle), die an die gelbe BVB-Wand aus 25.000 Borussen-Fans auf der Südtribüne des Dortmunder Signal-Iduna-Parks erinnern, und die heftigen Bässe, die das alte Gemäuer der "guten Stube" vielleicht sogar in leichte Schwingungen versetzen. Und das alles, nachdem sich ein Stimmenimitator zum Auftakt einer Anleihe beim „Maximo Lider“ der westlichen Welt bedient und dessen Wahlkampfmotto „Make America Great Again“ (Macht Amerika wieder großartig) kurzerhand umwandelt in „Make Mittelalter Great Again“ (Macht das Mittelalter wieder großartig). Nun, Donald. J. Trump wird es nicht interessieren, dass sein veränderter Maga-Slogan im kleinen Altenkirchen als Intro für die kommenden 90, teils heftig lauten Minuten dient. Für das Sextett aus Hamburg entwickelt sich der Abend fast zu einem Heimspiel. In Klamotten längst vergangener Jahrhunderte unterwegs, freut sich das Ensemble um Frontmann, Sänger und Schalmeispieler Jannik Schmidt über Fans, die sich teils in ähnlichen Outfits die Ehre geben und über die, die mit Lichtschwertern à la „Stars Wars“ sowie mit in die Luft gestreckten Armen und Händen das Gastspiel, organisiert vom Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller, hin- und herschwingender Weise begleiten.
Einst Menschen ohne Rechte
„Vogelfrey“ (oder auch vogelfrei) bedeutet vor langer Zeit einmal, dass Menschen ohne Rechte, schutzlos oder geächtet sind, also in einer Nische der Gesellschaft stehen. Für hier und heute ist das fast ähnlich. Die Musik kommt als Mischung aus Rock und Folk und sehr starken Metal-Effekten mit Mittelalter-Anstrich daher, die deutschen Texte der Songs treten oft in Beziehung zu der aus dem US-amerikanischen Leben umgestrickten Parole, stellen aber auch den Kontakt zur Neuzeit her wie beispielsweise in „1000 Jahre Bier“. Eine Cover-Version des Scooter-Hits „How much is the fish?“ lässt nur um den Refrain herum das Original erkennen. Aber sie können auch leise, sehr melodisch, wahrlich gefühlvoll. Schmidt lässt sich bei „Unsterblich“ oder „Walhalla“ nur von Johanna Heesch (Cello), Alexander Suck (Violine) und E-Gitarrist Dennis Walkusch nunmehr am Klavier begleiten, während Wigger und Christopher Plünnecke (E-Bass) mal kurz verschnaufen können. Die beiden Songs unterbrechen jedoch nur kurzzeitig die Wucht der anderen Titel. Immer regiert volle Pulle, gibt es was auf die Ohren, je lauter, desto besser, die Schädel fliegen hin und her, wohl dem, der am nächsten Morgen keine Kopfschmerztablette braucht. In Zwischenzeilen kommt vielleicht durch, dass „Vogelfrey“ ein wenig enttäuscht über den mauen Zuspruch (rund 100 Zuhörer) an diesem Samstagabend (7. November) sind; zumindest deutet es Schmidt mal an, dass sie gerne vor größerem Auditorium spielen („30-mal so viel“). In Wacken, wo die Gruppe auch schon gastiert, sind es logischerweise ein Vielfaches mehr. Um die Stimmung weiter in Richtung Topniveau zu katapultieren, initiiert er sogar eine Polonaise und führt die Hardcore-Gemeinde singender Weise nicht über Tisch und Stühle, aber um sie herum, so dass die knapp 50 Teilnehmenden einen Eindruck vom wunderschön gestalteten Kultursalon mit der großen Bar im ehemaligen kleinen Saal erhalten.
Ein abruptes Ende
Ziemlich überraschend fällt schließlich im übertragenen Sinn der Vorhang (was er in der Stadthalle selten tut). Mehrfach zwischen Songs angekündigt, dass alsbald Feierabend ist (die analoge Armbanduhr zeigt gerade mal eine Auftrittsdauer von noch nicht einmal 90 Minuten), tönt Heidi Kabel aus den Lautsprechern. „In Hamburg sagt man Tschüss“, ist ein bekanntes Abschiedssprichwort und zugleich der Titel eines ihrer populären Lieder aus den 1970er‑Jahren. Für die, die mit dem Namen nichts anfangen können: Kabel war eine sehr bekannte deutsche Volksschauspielerin – vor allem als Ensemblemitglied des Ohnsorg-Theaters. Per letztem Song setzt sich Schmidt noch mit Prostitution und Alkohol auseinander, ehe tatsächlich Schluss ist. Rufe nach Zugabe fallen spärlich aus, nach einer gefühlten Ewigkeit weicht die Dunkelheit im Saal der Deckenbeleuchtung und manifestiert sichtbar, dass die Arbeit der „mittelalterlichen Rave-Band“ (Eigenbezeichnung) von der Waterkant ihr Ende gefunden, ein Teil der Zuschauer bereits die Location verlassen hat. Wumms oder gar Doppel-Wumms als Outro? Fehlanzeige! Schade eigentlich … (vh)
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| Nachricht vom 08.11.2026 |
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