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Dialog auf Augenhöhe
Zu einem Infoabend zum Thema "Übergang Schule/Beruf – eine Bewährungsprobe für die Inklusion" hatte kürzlich die Hiba Wissen der Evangelischen Landjugendakademie und des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen eingeladen, um die Möglichkeit zu schaffen, miteinander darüber zu reden.
30 Zuhörer waren zum Hiba-Infoabend zusammengekommen, der sich mit dem Thema \"Übergang Schule/Beruf – eine Bewährungsprobe für die Inklusion\" beschäftigte. (Foto: pr)Wissen. Es war der Moment, in dem die Grenzen verschwanden: als Heinz Roos in die Runde fragte, warum sein Kollege vom Bauhof in Betzdorf immer wieder von Menschen ohne Behinderung ausgelacht und beschimpft werde, und auf diese Frage ehrliche Antworten erwartete. Spätestens jetzt war deutlich, dass beim jüngsten Infoabend des Hiba Wissen der Evangelischen Landjugendakademie und des Evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen im Kuppelsaal der VG in Wissen zum Thema "Übergang Schule / Beruf – eine Bewährungsprobe für die Inklusion" nicht über, sondern tatsächlich miteinander gesprochen wurde.
Zuvor hatte Heinz Roos von seiner Arbeit im Bauhof berichtet. Der 33-Jährige erzählte von seinen Aufgaben wie Mäharbeiten, Müll- und Winterdienst, vom guten Arbeitsklima und netten Kollegen. Als ehemaliger Mitarbeiter der Schlosserei und der Gärtnerei in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe brachte Roos die notwendigen Fachkenntnisse für den Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit.
Auch Tobias Erbach, der seit mehr als zwei Jahren eine Stelle bei den Werit Kunststoffwerken Altenkirchen hat, Patrick Heimbach, der im Krankenhaus Altenkirchen Essenswagen auf die Stationen bringt und Melanie Reifenrath, die als Mitarbeiterin des Kindergartens Haus Nazareth in Betzdorf mit den Kindern bastelt und spielt, erzählten stolz von ihren Außenarbeitsplätzen. "Ich wollte gerne aus der Werkstatt und bin dann zu Peter Pfeifer gegangen", erinnerte sich die junge Frau.
Peter Pfeifer ist seit 2012 Arbeitstrainer der Lebenshilfe. Er spricht Unternehmen aus der Region auf Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung an, sucht in den Werkstätten nach geeigneten Mitarbeitern und unterstützt bei der Umsetzung. 90 Betriebe habe er derzeit im Pool, so Pfeifer. Zugleich begleitet er Mitarbeiter aus den Werkstätten, die den Wunsch nach einem Außenarbeitsplatz haben.
Von den Gedanken, die sich ein Arbeitgeber macht, und dem Gewinn, den eine Mitarbeiterin mit psychischer Beeinträchtigung dank ihrer präzisen und zuverlässigen Arbeit für die Verwaltung sei, berichtete Antonius Brenner, Referatsleiter des Sozialamtes in Altenkirchen.
Zehn Prozent ihrer Mitarbeiter seien inzwischen in Westerwälder Betrieben tätig, erklärte Stefan Marx, Geschäftsführer der Gesellschaft für Service und Beschäftigung im Westerwald (GSB) in Altenkirchen und Leiter der Westerwald-Werkstätten. Mit den Unternehmen würden nach einem Praktikum meist befristete Verträge geschlossen. Dabei blieben die Mitarbeiter in den Werkstätten angestellt, während die Unternehmen für die Arbeitsleistung bezahlten.
Hier fragten die knapp 30 Zuhörenden, die trotz glatter Straßen gekommen waren, besonders interessiert nach. Egal ob Unternehmer, JobCoach, möglicher Mitarbeiter mit Beeinträchtigung, Angehöriger von Menschen mit Behinderung oder Pädagoge: Intensiv wurden Eindrücke, Wünsche und Anregungen ausgetauscht. Die Organisatoren Anke Kreutz (Evangelische Landjugendakademie) und Christof Weller (Hiba) zeigten sich begeistert. "Wenn ich das alles heute Abend so höre, finde ich, dass wir auf einem guten Weg sind", so Weller.
Nachricht vom 22.03.2013 www.ak-kurier.de