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Fachtagung "Sucht" gut angenommen
"Um dem stillen Leiden der Angehörigen von Suchtkranken zu begegnen, brauchen wir neue Angebote in der Prävention, Beratung und Therapie" – und 40 Menschen, Fachkräfte wie Angehörige, kamen zu der Fachtagung zum Thema Sucht, zu welcher die Fachstelle für Suchtprävention eingeladen hatte.
Henning Mielke, Dirk Bernsdorff, Ruth Holzapfel, Jens Flassbeck, Lothar Holzapfel (von links) bei der Fachtagung \"Sucht\" im evangelischen Gemeindehaus in Wissen. (Foto: pr)"Die heutige Fachtagung stellt die Angehörigen von Suchtkranken in den Mittelpunkt", so beschrieb Dirk Bernsdorff von der Fachstelle für Suchtprävention in seiner Begrüßung die Zielsetzung der Veranstaltung am 16. Oktober im Evangelischen Gemeindehaus in Wissen.
Der Einladung nach Wissen waren rund 40 Fachkräfte und Angehörige gefolgt, zum Teil auch aus entfernten Regionen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

In ihrem Grußwort hob Sabine Bätzing-Lichtenthäler, MdB (ehemalige Bundesdrogenbeauftragte) die Wichtigkeit der Hilfen für Angehörige von Suchtkranken hervor.

Der Diplom-Psychologe Jens Flassbeck von der Klinik für Suchtmedizin im LWL-Klinikum Gütersloh referierte zu der Frage "Was wäre, wenn die Suchthilfe (mehr) Angebote für die Angehörigen und Kinder realisieren würde?".
Angehörige sind seiner Meinung nach für die Öffentlichkeit und die Medien nicht interessant, die Medien stürzen sich mehr auf die mit Sucht verbundenen Exzesse, während das Leiden der Angehörigen nur selten gesehen wird. Ähnlich verhalte sich die Suchthilfe gegenüber den Angehörigen, die Angebote kreisten vorwiegend um den suchtkranken Menschen. Er empfahl, die Perspektive zu wechseln und die Angehörigen in den Mittelpunkt der Hilfen zu stellen.

Henning Mielke von Nacoa-Interessenvertretung für Kinder von Suchtkranken in Deutschland e.V. aus Berlin machte eine Bestandsaufnahme über die Hilfen für Kinder und Jugendliche aus Suchtfamilien in Deutschland. Danach hätten sich die Hilfen zwar in den letzten Jahren verdoppelt, bewegten sich jedoch auf sehr niedrigem Niveau. So würden mit den Angeboten nur eine kleine Anzahl der circa drei Millionen Kinder von alkoholkranken Eltern erreicht.
"Es gibt ein Gefälle der Angebote in Deutschland von Süden nach Norden, im Norden gibt es vergleichsweise nur wenig Angebote", so Mielke.

Das Ehepaar Ruth und Lothar Holzapfel von der Selbsthilfegruppe Freundeskreis Westerwald berichtete von seinem gemeinsamen Weg als suchtkranker Mann und co-abhängige Frau. Frau Holzapfel: "Ohne professionelle Hilfe hätte ich mein co-abhängiges Verhalten nicht erkannt. Ich musste erkennen, dass ich mich selber ändern muss." In den anschließenden Arbeitsgruppen wurden mit den Referenten die Themen der Vorträge vertieft.

"Das war die erste Veranstaltung, die sich nur mit der Situation der Angehörigen beschäftigt hat. Das fand ich gut", resümierte eine Teilnehmerin und drückte damit den Wunsch von Angehörigen aus, mehr gesehen zu werden.

Die Fachstelle für Suchtprävention im Diakonischen Werk Altenkirchen bietet Hilfen für Kinder, Jugendliche und erwachsene Angehörige von Suchtkranken an. Einmal monatlich trifft sich die Angehörigengruppe.

Ansprechpartner für Informationen und Beratung ist Dirk Bernsdorff, erreichbar und der Telefonnummer 02681/8008–46 oder per E-Mail unter bernsdorff@dw-ak.de.
Nachricht vom 29.10.2013 www.ak-kurier.de