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Natursteig Sieg gilt als große Chance für die Region
Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es ihn bereits seit 2011: den Wanderweg „Natursteig Sieg“. In den nächsten Monaten wird er nun auch im AK-Land fortgeführt. Damit er aber zu einem touristischen Erfolg wird, braucht es die Gastronomen. In einer Veranstaltung sollten sie davon überzeugt werden, ihr Angebot entsprechend anzupassen.
Die Diskussion leitete Berno Neuhoff, Kreisverwaltung Altenkirchen, zum Thema Natursteig Sieg. Fotos: Daniel Pirker / Fotogalerie (Quelle): Kreis Altenkirchen Abteilung KreisentwicklungWissen/Kreisgebiet. Wie überzeugt man Gastronomen am besten? Indem man ihnen zeigt, dass für sie mehr Gewinn raus springt. Darum ging es auf der Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Koblenz und der Regionalentwicklung des Kreises im Wissener Kulturwerk. Es wurden die Chancen des „Natursteigs Sieg“, der ab dem späten Frühjahr auch durch das AK-Land führen soll, beleuchtet.

Von einem „Hoffnungsträger für die Region“ sprach Landrat Michael Lieber. Betont wurde aber immer wieder von den verschiedenen Referenten: Diese Hoffnungen können nur erfüllt werden, wenn die Gastronomie mitspielt.

„Nur mit ihnen kann so ein Produkt Zukunft haben“, sagte Brigitte Kohlhaas in Richtung der rund 100 Gäste. Sie ist Projektleiterin für den „Natursteig Sieg“ bei der Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises. Nach ihrem Vortrag war jedem klar, wieso ihre Mitarbeiter sie auch die „Mutter des Natursteigs“ nennen. Sie warb energisch für „ihr“ Projekt und erklärte, wieso zu den 115 Kilometern Wanderweg zwischen Windeck und Siegburg noch 77 zwischen Bitzen und Mudersbach hinzukommen sollen. Denn: „Wir können die Sieg nicht als Solitär betrachten.“ Der Gast wolle ein Wandererlebnis von der Quelle der Sieg bis zur Mündung. Also hätte man vor ca. einem Jahr Kontakt mit dem AK-Kreis aufgenommen. In einem nächsten Schritt soll das Siegerland hinzukommen, wo sich die Quelle der Sieg befindet. Offiziell gebe es zwar noch keinen Kontakt. Aber der Kreis Siegen-Wittgenstein wäre mit dem „Klammerbeutel gepudert“, wenn er nicht mitmache, wie Kohlhaas im Gespräch mit dem AK Kurier sagte.

Dazu passten auch die Zahlen, die Katrin Schneider vom Westerwald Touristik-Service nannte. Der Westerwald-Steig hätte der Region bis jetzt viel gebracht, wie eine Erhebung von 2011 bewies: Die Gästezahlen seien um 62 Prozent gestiegen bei den Betrieben, die direkt am Steig liegen. Auch die weiter entfernten würden profitieren. Aber zumindest noch ist vor allem bei Älteren Wandern angesagt. 80 Prozent von ihnen seien zwischen 40 und 60 Jahren – was laut dem Moderator der Veranstaltung, Berno Neuhoff von der Stabsstelle Regionalentwicklung des AK-Kreises, eher einen Vorteil darstellt, Schlagwort „Silver Enonomy“. „Da ist noch Geld zu holen.“

Das Geld bzw. die Wanderer kommen aber nicht von alleine. Marketing, Vermarktung, Koordinierung, das Aufstellen der Schilder und einheitlicher Rastbänke durch den Kreis und die Verbandsgemeinden reichen bei weitem nicht aus. Ohne Gastronomen, die ihre Angebote den Wanderern anpassen, bleibt der touristische Erfolg aus. Das war die Kernaussage der Diskussionsrunde zwischen verschiedenen Gastronomen, die mehr einer Vorstellung von Best-Practise-Beispielen gleichkam. „Es gibt eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Natursteig“, sagte Gabriele Bredenbrock vom „Bergischen Hof“ in Schladern. Man muss aus den Chancen aber selbst etwas machen, verdeutlichten ihre Ausführungen wie die der anderen Gastronomen auf dem Podium. Ergebnis der Runde war eine Art Hausaufgabenliste für Gastronomiebetriebe:
-auf regionale Speisen und Getränke setzen,

-individuelle Wünsche der Gäste berücksichtigen,

-dem natürlichen Dreck, den Wanderer ins Haus bringen, tolerant gegenüberstehen,

-einen großzügigen Garderobenbereich anbieten

-sich um Wanderzertifikate bemühen. Denn sie überzeugen Wanderer von der Qualität eines Betriebs.
Als ganz wichtig sahen die Gastronomen auch einheitliche Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr an. Sicher eine anspruchsvolle Forderung an die Politik und Verwaltung – die sie mit dem Konzept des „Natursteigs Sieg“ aber auch selbst befeuert. Immerhin betrachtet Kohlhaas die Anbindung an den ÖPNV als Alleinstellungsmerkmal und „Pluspunkt“ für den Wandertourismus in der Region.


Infos zum „Natursteig Sieg“ im AK-Land:
2011 wurde der Wanderweg im Rhein-Sieg-Kreis zwischen Bitzen und Siegburg eingeführt. Die Strecke wurde mit dem Qualitätssiegel des Deutschen Wanderverbands ausgezeichnet. Sie umfasst 115 Kilometer. Der Wanderweg soll innerhalb des ersten Halbjahres 2014 im Kreis Altenkirchen um 77 Kilometer erweitert werden bis zum Mudersbacher Bahnhof. Perspektivisch ist eine Kooperation mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein angedacht, so dass der „Natursteig Sieg“ von der Mündung (Kreis Rhein-Sieg) bis zur Quelle (Kreis Siegen-Wittgenstein) verläuft.
Der Etappenverlauf im AK-Land: Fürthen über Wissen, Schönstein, Mittelhof, Dauersberg, Steineroth, Molzhain, Alsdorf, Herkersdorf (Imhäusertälchen), Katzenbach, Freusburg durch den Giebelwald bis nach Mudersbach.

Bis 6. Mai sind die entsprechenden Basismarkierungen vorgenommen, alle Schilderpfosten stehen dann aber noch nicht. Innerhalb des ersten Halbjahres ist geplant, einheitliche Bänke aufzustellen. Zuständig dafür sind die beteiligen Verbandsgemeinden Kirchen, Betzdorf, Gebhardshain, Wissen und Hamm. Aber auch Sponsoren werden noch gesucht.

Ca. 55 Prozent der Wegstrecke sind deckungsgleich mit bestehenden Teilstrecken ( „Schuh-trifft-Schiene-Wegen“, „Druidensteig“ und „Botanischem Weg“). Innerhalb von Schutzgebieten liegen ca. 55 Prozent, wobei Naturschutzgebiete nicht betroffen sind.

17 neue Standorte für Wegweiser sind nötig, von denen 12 in der freien Landschaft liegen.
Die Erstausstattung von 60 000 Euro trägt der Westerwald-Touristik Service. Jedes Jahr werden für die Verbandsgemeinden 15 785 Euro fällig für die Wegeinfrastruktur. Den gleichen Betrag gibt der Kreis jährlich für das Marketing aus.
Gesucht werden auch ehrenamtliche Wegepaten. Interessierte können sich bei den Verwaltungen der beteiligten Verbandsgemeinden melden oder bei Gabi Wäschenbach von der Kreis-Verwaltung: E-Mail: gabi.waeschenbach@kreis-ak.de
Telefon: 02681/ 81 2084. (ddp)
 
Nachricht vom 20.02.2014 www.ak-kurier.de