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IGS wäre auch für Betzdorf gut
Vor Ort machten sich die Betzdorfer Sozialdemokraten ein Bild von einer Integrierten Gesamtschule. In Hamm informierten sie sich üner die Arbeitsweise und das pädagogische Konzept. Die Kommunalpolitiker wurden in ihrer Ansicht bestärkt, dass auch am Schulstandort in Betzdorf eine Integrierte Gesamtschule verankert werden sollte.
betzdorfer spd bei igsBetzdorf. Trockene Theorie und Annahmen reichte der SPD im Verbandsgemeinde-Rat Betzdorf nicht. Sie wollte erfahren, wie ihre Forderung einer Integrierten Gesamtschule für Betzdorf bereits im Kreis Altenkirchen verwirklicht wird. Dazu besuchten die Sozialdemokraten jetzt die IGS Hamm. Schulleiter Dietmar Schumacher beantwortete geduldig die Fragen der Betzdorfer. Dabei stand besonders im Vordergrund, wie die IGS mit verschiedenen Leistungsniveaus der Schüler umgeht. Schumacher erklärte, dass die Jugendlichen in modularen Lerneinheiten entsprechend ihrer Fähigkeiten unterrichtet würden. Diesen neuen Weg beschreite man seit drei Jahren, mit dem kommenden Schuljahr ab der Klasse 7 in allen Hauptfächern. Hier finde die Leistungsdifferenzierung in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik innerhalb des Klassenverbandes statt. Im Klartext: Die IGS verzichtet darauf, langsamer Lernende in extra Kursen zu unterrichten. Laut Schumacher läuft dies erfolgreich und ohne Nachteile für die Leistungsstärkeren.
Wird dies aber auch noch der Fall sein, wenn die Schülerinnen und Schüler nach der neuen Stundentafel schon ab der sechsten Klasse eine zweite Fremdsprache belegen müssen? (Das Kennenlernen der 2. Fremdsprache gilt für alle Schülerinnen und Schüler und ist keine Besonderheit der IGS) Schumacher sieht hier für seine Schule und andere keinen Anlass, vom gemeinsamen Lernen Abstand zu nehmen: "Bei uns werden alle Kinder der sechsten Klasse in einem Französischprojekt arbeiten, um ihre Entscheidung für die Wahl des richtigen Wahlpflichtfaches in der Klassenstufe 7 treffen zu können." Das Fach Französisch müsse erst ab der 7. Klassenstufe durchgehend belegt sein, um als 2. Fremdsprache für das Abitur anerkannt zu werden. Das gleiche gelte für alle anderen Schulen. Die Gymansien müssen sicherstellen, dass Kinder, die eine andere allgemeinbildende Schule nach der Klasse 6 zum Gymnasium hin verlassen, noch Französisch belegen können, ohne Nachteile dadurch zu haben.
Auf die Frage, welche Lehrer die einzelnen Lerngruppen unterrichten, antwortete Schumacher: "Selbstverständlich unterrichten Gymnasial- und Realschul- und Hauptschullehrer in allen Lerngruppen. Das hat etwas mit pädagogischer Professionalität zu tun und nicht mit der Ausbildung für ein bestimmtes Lehramt."
Wie sieht es mit der Lehrerversorgung aus? - Schumacher wies hier daraufhin, dass in einer Integrierten Gesamtschule mehr Lehrer für einen Schüler zur Verfügung stünden, weil ja auch alle Begabungsbreiten unterrichtet werden müssten. Dies mache, in Verbindung mit dem Schwerpunktschulangebot, also der Förderung von Kindern mit besonderem Förderbedarf, auch kleinere Klassen möglich. Klassen, in denen der klassische Frontalunterricht mehr und mehr der Vergangenheit angehöre, wie Schumacher erläuterte. Stattdessen wolle die IGS Hamm die Selbsttätigkeit und das individualisierte Lernen der Schüler fördern. Ein Beispiel hierfür sind die "Lernseiten". In dem von der Schule erstellten Internetangebot können Schüler eigenständig Lernsequenzen erarbeiten, Aufgaben lösen und dann korrigieren lassen. Derzeit kooperiert die Schule mit der Universität Münster, um eine ständige wissenschaftliche Optimierung der internetbasierten Arbeit sicherzustellen.
Abschließend fasste Fraktionssprecher Joachim Renfordt zusammen: "Dank Dietmar Schumacher haben wir konkret erfahren, wie eine IGS in der Realität erfolgreich arbeiten kann. Die gewonnenen Erkenntnisse bestärken die SPD-Fraktion in ihrer Forderung, auch am Schulstandort Betzdorf künftig eine IGS zu verankern."
Nachricht vom 26.06.2008 www.ak-kurier.de