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Lebensmittelverschwendung muss nicht sein
Für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 und 9 der Marion-Dönhoff Realschule plus im Fachbereich Hauswirtschaft und Sozialwesen (HuS) gab es das Projekt "Vernaschen statt vernichten". Die Jugendlichen bewiesen viel Kreativität und zauberten aus mitgebrachten Lebensmitteln, die fast im Müll gelandet wären, leckere Gerichte.
Alle hatten Lebensmittel mitgebracht, zum Teil war das Haltbarkeitsdatum überschritten, und die Jugendlichen lernten wie man prüft. Fotos: SchuleWissen. 82 Kilogramm Lebensmittel werden Jahr für Jahr pro Kopf in Deutschland weggeworfen. Nach aktuellen Medienberichten kommen weitere 24 Kilogramm hinzu, die in Restaurants entsorgt werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Das Essen schmeckt nicht mehr, es wurde zu viel eingekauft, die Lebensmittel wurden falsch gelagert, Reste werden nicht weiter verkocht.

Um einerseits auf diese Problematik hinzuweisen und andererseits aufzuzeigen, wie jeder einzelne dem entgegenwirken kann, organisierten Antje Metzler, Sarah Hübner und Cornelia Theis, Lehrerinnen für HuS (Hauswirtschaft und Sozialwesen) an der Marion-Dönhoff-Realschule plus Wissen, in Kooperation mit dem AWB Altenkirchen das Projekt „Vernaschen statt vernichten“. HuS-Schüler- und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 und 9 wurden hierzu aufgerufen, Lebensmittel von zu Hause mitzubringen, die nicht mehr verwertet würden. Ob Obst oder Gemüse, Milchprodukte, Wurst, Eier oder einfach bereits abgelaufene Lebensmittel – alles sollte in einem schließlich selbst gekochten 3-Gänge-Menü Verwendung finden.

Doch bevor es in Kleingruppen an die Herde ging, sensibilisierte Melanie Henn vom AWB die Jugendlichen für die Thematik und große Bedeutung des Projekts. „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Lebensmittel sind immer und überall verfügbar“, macht sie die Schülergruppen aufmerksam. „Doch unsere Verschwendung hat auch globale Folgen. Die unnötige Verarbeitung und Produktion von Lebensmitteln weltweit, die im Müll landen, vergeuden Wasser und Energie.“

Auch die Schülerinnen und Schüler gaben an, regelmäßig Essbares wegzuwerfen, ohne zu wissen, ob und wie man es vielleicht noch hätte weiterverwenden können. An einem Beispiel zeigte Henn auf, wie jeder in einer 3-Schritt-Methode feststellen kann, ob bereits abgelaufene Lebensmittel noch zum Verzehr geeignet sind. Eine ungeöffnete Packung Schinken, die nach Stempel bereits zwei Tage abgelaufen war, war augenscheinlich auch nach dem Öffnen optisch noch in einem verwertbaren Zustand. Im zweiten Schritt nahmen die Jugendlichen eine Geruchsprobe. Auch hier: So soll Schinken riechen! Nachdem sich ein Schüler im dritten Schritt dazu bereit erklärt hatte, ein Stück zu probieren, stand fest: Dieser Schinken wird in dem geplanten 3-Gänge-Menü Verwendung finden.

Sämtliche mitgebrachte Lebensmittel wurden im Vorraum der Schulküche auf einem Tisch gesammelt, wonach die bereits eingeteilten Schülergruppen erste Ideen äußerten, welche Vor- Haupt- oder Nachspeisen daraus noch gekocht werden können: Omelette, Rührei mit Tomaten, Gemüsesuppe, Kartoffelbrei, Griespudding, Smoothies… Brachten die Kids bereits viele eigene Ideen mit, durfte zusätzlich mithilfe einer Kochapp auf dem Handy nach weiteren Rezepten gesucht werden.

In Kleingruppen widmeten sich die Kurse der Zubereitung. Es wurde geschnitten, gerührt, gemixt, gebraten und gekocht. Sowohl Metzler als auch Henn staunten nicht schlecht, mit welcher Selbstverständlichkeit und Kreativität die Schülerinnen und Schüler die Lebensmittel überprüften und verwerteten – Hilfe kaum nötig. Nach einer guten Zeitstunde das Ergebnis: Nicht nur drei, sogar vier verschiedene Gerichte hatten die jungen Köche gezaubert: Zur Vorspeise gab es eine Kartoffel-Möhren-Suppe mit gebratenen Croutons, die Hauptspeisen stellten sowohl ein vegetarisches als auch ein Omelett mit Schinkenspeck und eine Nudelpfanne – als Beilage dienten Tomaten- und Fetawürfel-, und zum Nachtisch erfreuten sich die Teilnehmer eines Griespuddings mit Obstmousse.

„Mhmmm, lecker“, war die einhellige Meinung nicht nur der Jugendlichen, sondern auch ihrer Betreuer. „Zu Hause wären Eier und Gemüse bestimmt weggeworfen geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass wir daraus noch so leckere Gerichte kochen können“, berichtet Melina (8d) begeistert von dem Ergebnis dieses Projekts.

Was übrig blieb: zwei Bananen (7 waren doch zu viel), ein Pfirsich, zwei Becher Joghurt und drei Mettwürste. Dank der 3-Schritt-Methode stellten alle jedoch einstimmig fest: Das muss nicht in den Müll, das wird noch gegessen! Unter dem Aufruf, dass ein jeder gleich zwei Mal darüber nachdenken sollte, ob der Joghurt wirklich in die Mülltonne gehört oder doch noch als leckerer Nachtisch dienen kann.
     
Nachricht vom 12.06.2015 www.ak-kurier.de