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Nachricht vom 13.11.2008
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Wenn Lösungen zum Problem werden
Macht Sucht psychisch krank? "Wenn Lösungen zum Problem werden" ist das Thema einer Fortbildungsreihe der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft zum Thema "Doppeldiagnosen". Start ist am 25. November.
pasg teamKreis Altenkirchen. Die psychosoziale Arbeitsgemeinschaft des Kreises Altenkirchen (PSAG) ist ein Zusammenschluss von Betroffenen-, Angehörigenvertretern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Gemeindepsychiatrie. Ein wichtiges Ziel der PSAG besteht in der Benennung von problematischen Lebens- und Gesundheitslagen und in der Erarbeitung von Vorschlägen für deren Überwindung. Diesjähriger Schwerpunkt der PSAG-Arbeit: Menschen mit psychischer Erkrankung und Suchterkrankung. Hierzu bietet die PSAG jetzt eine Fortbildungsreihe für interessierte Fachkolleginnen und Fachkollegen an.
Warum dieses Thema?
In der psychiatrischen Arbeit finden sich Menschen, die unter erheblichen seelischen und sozialen Notlagen leiden. Neben den Krankheitssymptomen im engeren Sinne bestehen finanzielle Probleme, Arbeitsplatzverlust, Partnerschaftsprobleme und andere soziale Probleme. Nicht selten wird von einem "Absturz" gesprochen. Dabei ist festzustellen, dass der Gebrauch von Suchtmitteln immer öfter in Beziehung zur Entwicklung oder gar Selbstbehandlung einer psychischen Erkrankung steht. Häufig stehen beide Bewältigungsformen in engem Zusammenhang und verstärken sich gegenseitig. Unter dem psychiatrischen Stichwort "Doppeldiagnose" verbergen sich Menschen mit Ängsten, Gefühlen der Niedergeschlagenheit, Menschen, die Realität anders wahrnehmen. So ist davon auszugehen, dass ein Großteil abhängiger Menschen unter einer sogenannten Persönlichkeitsstörung leidet. Bekannt ist, dass viele schizophrene Patienten ihre Störung "mit Alkohol und Drogen behandeln". Benutzer von Cannabisprodukten haben ein sechs Mal höheres Erkrankungsrisiko für schizophrene Psychosen. Diese Beobachtungen ließen sich fortsetzen. In der fachlichen Diskussion und in der Lebenspraxis werden diese Menschen häufig als schwierig“ eingeschätzt. Die gegenseitige Beeinflussung von verschiedenen Störungen scheint einer Chronifizierung der Erkrankung Vorschub zu leisten. In der Suche nach Hilfe und Behandlung landen diese Menschen häufig "zwischen allen Stühlen", weil sie bestehende Behandlungssysteme zu sprengen drohen. Daher ist es notwendig, neue Konzepte zu entwickeln, ein integriertes Behandlungs- und Versorgungssystem aufzubauen. Zu dieser Aufgabe will die PSAG mit ihrer Fortbildungsreihe einen Baustein liefern. Die Fortbildungsreihe ist in drei Module gegliedert: Am 25. November referieren Dr. Wilma Funke von den Kliniken Wied und Dr. Ralf Sachartschenko von der psychiatrischen Abteilung des St. Antonius-Krankenhauses in Wissen zum Thema: "Definition und Diagnostik von Sucht und psychischer Erkrankung aus fachärztlicher und psychologischer Sicht". Am 20. Januar 2009 findet ein fachübergreifender Praxisaustausch mit Betroffenen und Experten aus verschiedenen Arbeitsgebieten statt. Eine Vorstellung von bereits funktionierenden Praxismodellen erfolgt am 24. März 2009. Abschließend sollen die Ergebnisse der Fortbildungseinheiten einmünden in eine gemeinsame Sitzung von PSAG und Psychiatriebeirat. Ziel: Verbesserung der Lebens- und Behandlungsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen mit Suchtproblemen im Kreis Altenkirchen. Alle Veranstaltungen finden in der "Blauen Oase", der Kantine des Westerwald-Industrie-Service in Wissen (Gelände Firma Brucherseifer), statt.
Die Fortbildung richtet sich vorwiegend an Fachkolleginnen und –kollegen, aber auch an Interessierte, die sich an der Entwicklung neuer Ideen beteiligen wollen. Anmeldungen können (auch für einzelne Module) bei der Geschäftsführerin der PSAG, der Psychiatriekoordinatorin Doris Lindlohr, Parkstraße 1, 57610 Altenkirchen, Telefon 02681/812 429, abgegeben werden.
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Foto: Leitungsteam der PS-AG mit dem Kreisbeigeordneten Christopher Becher (vorne rechts).
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