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Kultur
Der Machatschek begeisterte in Betzdorf
Der Machatschek, Maurer, Liedermacher, Geschichtenerzähler und Mensch – wie er sich selbst beschreibt, ist auf Europatournee. Über zuletzt Amsterdam und Köln machte der "Liederaturkünstler" mit seiner ganz eigenen Mischung aus Liedern und Literatur, Halt in Betzdorf und trat auf Einladung des Kleinkunstvereins „Die Eule“ Betzdorf im Breidenbacher Hof auf.
Der Machatschek aus Wien kam den Betzdorfern nahe. Foto: prBetzdorf. Der Machatschek baute die Legende vom bankrottierenden Maurer, der die 350jährige Maurerdynastie seiner Familie beendete. Er gab Einblicke in seine depressive Niedergeschlagenheit als Bankrotteur und seinen Galgenhumor, der so weit ging, beim Ringen um ein wirtschaftliches Auskommen seine handwerklichen Fähigkeiten in die Beseitigung ungeliebter Zeitgenossen einbringen zu wollen.

„Der Maurermaster betoniert die Gefraßter!“ Die Überzeugung, die dahinter steht, ist die, dass es immer jemanden gibt, der jemanden nicht leiden mag. „I bring alle ums Eck, I bins, der Machatschek.“ Zuschriften zeigten ihm, dass diese Dienstleistung offensichtlich Anklang finden könnte. „Ganz unten bist du, wenn der Kuckuckskleber Bier mitbringt!“ Zur Bekämpfung der Depression empfiehlt er einen Spaziergang bei der Gruft vorbei, dem Wiener Obdachlosenheim, oder beim Junkiepark. „Das hebt die Stimmung!“

Seinen Weg in die Welt, sein Erstaunen über das, was alles da draußen ist, präsentierte er in unnachahmlicher Art, unverkennbar wienerisch, ruhig, gelassen und pointiert. Er habe das Hardcore-Wienerische ans Hochdeutsche angepasst. „Wenn man’s nicht versteht, ist’s halt charmant.“ In diesem Sinne berichtete er von der Erfindung des Wohnbalkons als Antwort auf die horrenden Mieten in Wien, die gleichzeitig das goldene Dreieck des Lebens, die Toilette, den Kühlschrank und das Bett, dicht zusammenführt. In Liedern und Texten beschrieb er plastisch und sehr liebenswürdig Wiener Originale, um dann blitzschnell von der Liebenswürdigkeit in eine spitze Boshaftigkeit zu verfallen.

In seinem Groschenroman berichtete er von der Nervosität einer Nonne vor ihrem ersten Selbstmordattentat, das dann beim Anblick eines nackten Zumpferl auf der Herrentoilette scheiterte. So ließ er den Wiener Stefansdom in seiner Ballade vom Steffel Klage über die zunehmende Leere in der Kirche, über den Stress mit der Mess und über das Scheppern und Geläute führen. Er begleitete ihn auf seiner hilfesuchende Reise zu anderen Kathedralen der Welt, nur um anschließend wieder zu resümieren: „In einer Wiener Kirchen muss es nach Schick und Rotwein riechen.“ Die Adventszeit sei in Wien eine Horrorzeit, denn dann hinge eine Punsch- und Glühweinglocke über Wien. Seine Antwort war sein Adventsliederkalender, in dem er allen 23 Wiener Bezirken ein gesungenes Geschenk machte, bei dem er jeweils dessen Eigenheiten skurril überspitzte. So unterstellte er den traditionellen Penzinger Adventssängern, die immer weniger Beachtung bekämen, die Überlegung, mittels einer kleinen, selbst herbeigeführten Detonation das Feld zu schaffen, auf dem die Friedenslieder wieder erklingen könnten.

Als Liedermacher, Romanschreiber und Verleger kam er den Betzdorfern nah. Der Abend lebte von der direkten Begegnung von Publikum und Künstler. Der Machatschek genoss seinerseits die Aufmerksamkeit und die Konzentration des Publikums, was aber wirklich nicht dem Wienerischen geschuldet war. Trotz dem beipackzettelartigen Hinweis, es werde nicht lustig, weil immer Menschen hinter den Geschichten und Liedern stünden, hatte das Publikum reichlich zu lachen, konnte mitsingen und wurde sogar zum Tanzen eingeladen. Der Machatschek erlebte ein Publikum, das ihm als Künstler einen zum Greifen dichten Respekt entgegen brachte. Dem Publikum bot er sich als freundlicher und echter Mensch an. Schon in der Pause war klar, er soll wiederkommen.
Nachricht vom 25.11.2015 www.ak-kurier.de