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Politik
Bildungsfahrt nach Berlin
Die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner von Bündnis 90/Die Grünen lud politisch Interessierte aus Betzdorf und Umgebung ein. Die viertägige Bildungsfahrt war vollgepackt mit Besichtigungen aber auch Gespräche kamen nicht zu kurz.
Die Gruppe aus Betzdorf und Umgebung, von links: Bärbel Dützer, Astrid Fischer, Fatma Yildiz, Katja Demmer, Tabea Rößner, MdB, Marion Pfeiffer, Renate Frings-Datli, Gottfried Pfeiffer, Mukaddes Yetiz. Foto: prBetzdorf. In vier Tagen so viel wie möglich von der Bundeshauptstadt kennen zu lernen war das Ziel einer Gruppe von Westerwäldern. Dass dies ziemlich anstrengend ist in einer 3-Millionen-Stadt mit täglich über 250.000 Gästen war klar. Dass Berlin mit seinen unzähligen Autos, Bussen und Baustellen dem täglichen Verkehrskollaps erliegt, war neu. Laut Stadtführer setzte man nach der Wende vorrangig auf das Auto als Fortbewegungsmittel und führte das vorhandene Straßenbahnnetz nicht weiter, ein Fehler den man heute bereut, nur unter der Erde Berlins geht es schneller vorwärts.

Für die Bildungsreisenden war vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung ein Stadtbus bestellt, mit dem die wichtigsten geschichtlichen Stätten erkundet wurden. Obligatorisch in der Stadtrundfahrt war das Brandenburger Tor, das Kanzleramt, die Museumsinsel, die Mauerreste an der East-Side-Galery, der Alexanderplatz mit Fernsehturm und das Holocaust-Mahnmal. Weitere Programmpunkte bildeten ein Informationsgespräch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, der Besuch einer Ausstellung über den Alltag in der DDR und der sehr beeindruckende Rundgang in der Ausstellung „Topographie des Terrors“ im neuen Dokumentationszentrum, wo ehemals die Zentrale des gefürchteten Überwachungs- und Verfolgungsapparat der Nazis zu finden war.

„Die schrecklichen Bilder und Aufzeichnungen belegen eindeutig, dass es unmöglich war, von all diesen Greueltaten nichts gewusst zu haben, da sie den damaligen deutschen Alltag beschreiben“, resümiert Betzdorfs grüne Stadträtin Marion Pfeiffer. „Umso wichtiger ist es, in der heutigen Zeit den Mund aufzumachen, wenn mit faschistischen Methoden Ängste geschürt und Unwahrheiten ausgesprochen werden“. Diese Ansicht vertritt auch die Muslimin Fatma Yildiz aus Katzwinkel, die ebenfalls zur Gruppe gehörte. Als sie in Berlin islamfeindliche Äußerungen hörte, zögerte sie nicht lange und suchte erfolgreich das Gespräch.

Den Höhepunkt der Reise bildete der Besuch des Bundestages mit Rundgang durch die Glaskuppel. Nach den gründlichen Sicherheitskontrollen begrüßte Tabea Rößner die Gruppe herzlich und führte sie durch das geschichtsträchtige Haus. Angereichert mit vielen persönlichen Geschichten bekamen die Besucher einen umfassenden Eindruck von der Arbeit der Abgeordneten im und außerhalb des Bundestages. Für die Grünen-Abgeordnete war dieser Besuch aus der Heimat etwas Besonderes, da zu der Reisegruppe zwölf Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak gehörten. Die in Rheinland-Pfalz gut aufgenommenen jungen Frauen und Männer setzen ihre ganze Hoffnung auf einen positiven Bescheid über ihren Asylantrag, der auch den Nachzug der Familie beinhaltet.

So berichtete eine junge Frau, dass sie während der Flucht von ihrem Mann und ihrem fünfjährigen Sohn im Libanon getrennt wurde und sie voller Bangen und Sehnsucht ist. Diese Gespräche innerhalb der Reisegruppe wirkten sehr lange auf alle Beteiligten. Mit vielen Eindrücken und neuen Erkenntnissen nahmen die Westerwälder Abschied von Berlin und versprachen: „Wir kommen wieder!“
Nachricht vom 30.11.2015 www.ak-kurier.de