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Politik
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Koblenz
Zum Auftakt zur bundesweiten Veranstaltungsreihe „Zukunft Mittelstand“ kam Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach Koblenz und traf mit 150 Unternehmern bei der Handwerkskammer zusammen. Da gab es Lob und Kritik zu hören. Fachkräfte und Flüchtlingssituation waren unter anderem Themen.
Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sprach bei der Handwerkskammer Koblenz. Fotos: HwKRegion/Koblenz. Mit der Regionalkonferenz „Zukunft Mittelstand – Der Bundeswirtschaftsminister im Dialog“ bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz fiel der Startschuss für den bundesweiten Dialog mit Vertretern des Mittelstandes, den Sigmar Gabriel gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag initiiert hat.
Bis Mai 2016 wird es mehrere Regionalkonferenzen geben, deren Ergebnisse abschließend in Berlin zusammengetragen werden. Im Rahmen der Koblenzer Auftaktveranstaltung im HwK-Zentrum für Ernährung und Gesundheit stellte sich der Bundeswirtschaftsminister vor 150 Teilnehmer den Fragen der Wirtschaftsvertreter und setzte seine Akzente im Dialog mit dem Mittelstand bei den Themen Energieeffizienz, Digitalisierung der Wirtschaft, Fachkräftesicherung und Investitionen. Die Wahl des ersten Veranstaltungsortes war aus mehreren Gründen gut gewählt: Als „authentisch und im Herzen des Handwerks“ beschrieb HwK-Präsident Kurt Krautscheid das HwK-Zentrum, als in „vielen Bereichen mit besseren Kennziffern als der Durchschnitt der Bundesrepublik“ ausgestattet lobte Sigmar Gabriel das mittelständisch geprägte Flächenland Rheinland-Pfalz.

„Wir verstehen es als Anerkennung für die Leistungen des Handwerks, wenn der Auftakt bundesweiter Regionalkonferenzen hier heute stattfindet“, begrüßte HwK-Präsident Kurt Krautscheid die Gäste zum Dialog mit dem Bundeswirtschaftsminister. Für den ZDH war Präsident Hans Peter Wollseifer nach Koblenz gekommen und stellte die aktuellen Herausforderungen um die Flüchtlingssituation heraus, die vor dem Hintergrund einer wirtschaftlich guten Lage in Deutschland gute Chancen habe, bewältigt zu werden. „Umso wichtiger ist eine Wirtschaftspolitik, die auf die Mehrheit der Unternehmen in unserem Land ausgerichtet ist – am Mittelstand.“ Der von Sigmar Gabriel verfolgte „Aktionsplan Mittelstand“ sei der richtige Ansatz, so Wollseifer, nannte aber auch Hemmnisse wie zurückhaltende Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Bildung oder zu hohen Bürokratieaufwand, der den Mittelstand häufig bremse. Ein Thema, das die Unternehmensvertreter ihrerseits mehrfach aufgriffen und gerade mit Blick auf internationale Wachstumsmärkte kritisierten, dass zu viel Bürokratie in den Geschäftsprozessen Wachstumsmöglichkeiten einenge.

Sigmar Gabriel griff diese und andere Hinweise auf und nahm sich für die Beantwortung viel Zeit. Er stellte dabei immer wieder die Rolle des Mittelstandes für den Wirtschaftsstandort Deutschland heraus und sprach sich klar aus: „Mittelstandsförderung ist Kern der Wirtschaftspolitik. Deshalb haben wir uns gern auf den Weg gemacht, Meinungen einzuholen und vor Ort zu hören, wo es klemmt.“ Politiker Gabriel war sich mit den Wirtschaftsvertretern einig, dass der Ausbau der digitalen Infrastruktur beschleunigt werden muss. „Deutschland muss in zehn Jahren die beste digitale Infrastruktur weltweit haben“, nannte der Wirtschaftsminister ein klar definiertes Ziel. Längst hat im Wirtschaftskreislauf „Kunde – Produkt“ auch die Digitalisierungsplattform aus Produktplanung- und Erstellung wie auch Angebot und Vertrieb einen festen Platz, was Folgen für die Gesamtwirtschaft hat. Dem müsse sich der Mittelstand mehr öffnen und diese Änderung als Chancen verstehen und nutzen. Der Aufbau von Bundeskompetenzzentren soll die Digitalisierung in der Wirtschaft unterstützen und beschleunigen. Eines dieser Zentren wird bei der HwK Koblenz unter dem Dach des Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation eingerichtet. Start für das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie initiierte Projekt ist im Frühjahr 2016.

Die angespannte Situation um die Fachkräftesicherung war ebenfalls ein Thema, das mehrere Mittelständler vortrugen. Die aktuelle Flüchtlingssituation kann hier bei den richtigen Integrationsmaßnahmen Entlastung schaffen, eine grundlegende Lösung des Problems verbindet sich mit ihr aber nicht. Wichtige Voraussetzung, so die Wirtschaftsvertreter wie auch Politiker Gabriel, ist eine Sprachschulung. „Mehr als sechs Millionen Fachkräfte werden in Deutschland bis 2030 fehlen“, untermauerte Gabriel die Entwicklung um die zu erwartende Lage am Arbeitsmarkt mit einer konkreten Zahl. Das Handwerk leiste in der Prävention hervorragende Arbeit – „sowohl bei der Sicherstellung von Fachkräften wie auch bei der Integration von Flüchtlingen! Das ausgerechnet in dem Land, das für sein duales Ausbildungssystem weltweit Anerkennung findet, mehr Schulabgänger eine akademische statt einer beruflichen Laufbahn einschlagen, sehe ich mit großer Sorge“, machte Gabriel deutlich und stellte die Frage in den Mittelpunkt, was man tun könne um diese Entwicklung zu stoppen. „Die Wertigkeit der beruflichen Bildung muss stärker herausgestellt werden!“

Durch die Veranstaltung führte HwK-Hauptgeschäftsführer Alexander Baden, der sich wie Sigmar Gabriel über die Themenvielfalt in der Diskussion freute und auch darüber, dass so viele Betriebsinhaber von der Dialog-Möglichkeit Gebrauch machten. Die Regionalkonferenz in Koblenz wurde durch ein Schlusswort von Rolf Löhmar, Vizepräsident der mitveranstaltenden Industrie- und Handelskammer Koblenz, beendet. Veranstalter waren außerdem die Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz sowie die ausrichtende HwK Koblenz.
 
Nachricht vom 16.12.2015 www.ak-kurier.de