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Region
25 Jahre Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung in Siegen
Das „Forum Kindergesundheit“, veranstaltet vom Kreis Siegen-Wittgenstein, der Stadt Siegen, dem Evangelischen Kirchenkreis Siegen und der DRK-Kinderklinik Siegen, ist inzwischen zu einem festen Termin in der Agenda für viele Personen geworden, denen das Wohl von Kindern und Jugendlichen in der Region am Herzen liegt.
Das Team der Kinderschutzgruppe an der DRK-Kinderklinik Siegen, Dr. Simon Danckworth, Antje-Maaß-Quast und Dr. Stefan Beyerlein (von links). Foto: PrivatSiegen. Die hochspezialisierte Einrichtung für vernachlässigte, missbrauchte oder misshandelte Kinder und Jugendliche an der DRK-Kinderklinik Siegen hilft Betroffenen seit 25 Jahren. Bereits zum 6. Mal treffen sich dieses Jahr am 12. März wieder rund 200 Interessierte aus den unterschiedlichsten Professionen, um gemeinsam über aktuelle, zentrale Themen mit regionaler Relevanz zu diskutieren.

In deren Mittelpunkt steht die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Forum stellt dieses Jahr die „Frühen Hilfen“ in den Fokus der Fachbeiträge der renommierten Referenten aus ganz Deutschland. Frühe Hilfen für Eltern und Kinder sind soziale Frühwarnsysteme, die das Ziel haben, den präventiven Kinderschutz in unserer Gesellschaft weiter voranzutreiben.

Eine ganz besonderes Hilfsangebot aus diesem Bereich feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen: die Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in Siegen. Gegründet wurde der Verein 1991 von dem ehemaligen Chefarzt der DRKKinderklinik, Franz-Josef Göbel, und dem Klinikpsychologen Reinhard Semmerling, die aufgrund der Häufung von vorgestellten Kindern mit entsprechenden Symptomen eine professionelle Struktur zur Unterstützung in Siegen aufbauen wollten.

Als Fachstelle, die nach einer Anschubfinanzierung des Landes NRW nun zu gleichen Teilen von der Stadt Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein finanziert wird, arbeitet die Beratungsstelle seit Gründung in enger Kooperation mit den Jugendämtern, der Kinderschutzgruppe der DRK- Kinderklinik und den niedergelassenen Kinderärzten zusammen. Sie versteht sich dabei als Clearingstelle, vermittelt in den oft sehr komplexen Problemlagen und kann mit Familien zeitnah therapeutische Maßnahmen durchführen oder empfehlen. So gelingt es eine Verbesserung der Gesamtlage der Familie zu erreichen und hierdurch auch präventiv tätig zu sein.

Für Klienten ist eine weitere Zusammenarbeit auch über den Klärungsvorgang hinaus möglich. Bei Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch können sich Kinder und Jugendliche eigenständig an die Beratungsstelle wenden, ebenso alle Menschen, die zum Lebensumfeld eines Kindes gehören, wie Eltern oder auch professionelle Helfer.

Allein im Jahr 2015 wurden insgesamt 129 Anfragen von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern bearbeitet, darüber hinaus haben 45 professionelle Helfer von Jugendämtern, Familienhilfeeinrichtungen, Schulen und Familientagesstätten eine kollegiale Beratung in Anspruch genommen. Dabei war das Jahr 2015 gekennzeichnet durch eine intensive Einzelfallarbeit, allein 47 Fälle waren im Bereich Kinderschutz zu verzeichnen. Eine multiprofessionelle Zusammenarbeit ist für einen effektiven Kinderschutz ebenso erforderlich wie die Vernetzung mit anderen Institutionen zu dieser komplexen Thematik.

Durch die Zusammenarbeit der Ärztlichen Beratungsstelle mit den Ärzten der Kinderschutzgruppe der DRK-Kinderklinik unterLeitung von Chefarzt Dr. Stefan Beyerlein gelingt die vollständige Begleitung der betroffenen Kinder und Jugendlichen und deren Familien. Darüber hinaus besteht eine gute Vernetzung zu den Abteilungen Kinderund Jugendpsychiatrie und Sozialpädiatrie.

Die Gesamtzahl der betreuten Familien hat gegenüber 2014 zugenommen. Der Anteil der Beratung von Mädchen an den gesamten Beratungsfällen beträgt 62 Prozent. Hinsichtlich des Vorstellungsgrundes betrug der Anteil der Misshandlungssyndrome (Sexueller Missbrauch, Kindesmisshandlung, Vernachlässigung) für die Gesamtgruppe 94 Prozent und macht damit den weitestgehend größten Teil der Fälle aus. Bei den Mädchen stand mit 54 Prozent ebenso wie im Vorjahr an erster Stelle der Verdacht auf sexuellen Missbrauch. Bei den Jungen ging es vorwiegend (57 Prozent) um den Bereich der Kindesmisshandlung gefolgt von dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch
(33 Prozent).

Zu den Angeboten von Antje Maaß-Quast, die als Systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin sowie Supervisorin die Arbeit der Beratungsstelle seit Jahren koordiniert, gehören die systemische Einzel-und Familienberatung, eine traumaspezifische Fachberatung, die Krisenintervention, ine fachliche Beratung für professionelle Helfer sowie entsprechende Informations- und Fortbildungsveranstaltungen. „Dabei sind alle Gesprächs- und Therapieangebote dem Grundsatz „Hilfe statt Strafe“ verpflichtet.

Die Angebote der Beratungsstelle sind kostenfrei, Termine werden zeitnah vergeben und was besprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht“, erläutert Maaß-Quast den verbindlichen Rahmen ihrer Arbeit.

Anmerkung: Interessierte können sich auch kurzfristig noch beim Evangelischen Kirchenkreis Siegen unter 0271/5004-211 anmelden, um am 6. Forum Kindergesundheit am 12.03.2016 von 09:00 bis 15:00 Uhr im Siegener Lyz teilzunehmen.
Nachricht vom 23.02.2016 www.ak-kurier.de