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Offener Brief: Haltepunkt Marienthal der Bahn ist lebenswichtig
Die Bahnstrecke Au-Altenkirchen mit dem Haltepunkt Kloster Marienthal ist für die Betriebe lebenswichtig. Dies wurde bereits eindringlich klargelegt. Einen weiteren Aspekt fügt Uwe Steiniger hinzu, der als Ausbildungsbetrieb in Etzbach und Marienthal jungen Menschen mit viel Erfolg Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Gastronomie eröffnet.
Archiv: AK-KurierHamm-Marienthal. Offener Brief zur geplanten Schließung des Bahnhaltepunktes „Kloster Marienthal“ von Uwe Steiniger, der die Klostergastronomie im letzten Jahr übernahm. Steiniger macht in seinem offenen Brief auf einen sozialen Aspekt aufmerksam, der bei den bislang geführten Diskussionen um die Schließung des Haltepunktes wegen fehlender Beleuchtung keine Beachtung fand.

Hier der Wortlaut des Briefes an den Landrat:
"Ende letzten Jahres entnahm ich der Presse, dass der Bahnhaltepunkt Kloster Marienthal ab Ende 2018 nicht mehr angefahren werden soll. Diese Meldung hat nicht bloß die Gastwirte Marienthals verärgert, in zahlreichen Leserbriefen und in vielen persönlichen Gesprächen mit Gästen des Wallfahrtsorts, wurde großer Unmut über die geplante Schließung geäußert.

Mit diesem Schreiben möchte ich allerdings nicht explizit auf die Ihnen sicherlich bekannten Argumente der Wanderer, Gäste und Pilgersleute eingehen. Diese wurden ja bereits dargelegt.

Vielmehr möchte ich einen weiteren wichtigen, einen sozialen Aspekt anführen: Ein Ort, der jährlich viele Gäste bewirtet und beherbergt, der benötigt dazu Mitarbeiter.
Der akute Fachkräftemangel, gerade in der Gastronomie, ist jedem bekannt und stellt für uns alle ein sehr großes Problem dar. Im ländlichen Raum ist es aufgrund der eingeschränkten Infrastruktur sowieso schon sehr schwer, Personal zu gewinnen.

Ich habe mich daher bereits am Standort Etzbach für die Ausbildung entschieden, sowie Menschen aus sozial schwachem Umfeld oder mit Handicap einen Arbeitsplatz bei uns anzubieten. Zudem nimmt mein Betrieb regelmäßig Praktikanten aus den umliegenden Schulen auf.
Ich kooperiere hierzu seit Jahren mit dem JobFux, mit der Lebenshilfe, mit der Neuen Arbeit e.V., sowie mit der DAA in Betzdorf. Somit beschäftigen wir überwiegend Menschen, die auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt meist weniger Chancen haben. Dieses Konzept ist bis dato überaus erfolgreich aufgegangen, daher möchte es auch in Marienthal genauso anwenden, eher noch auszuweiten.

Es ist allerdings so, dass gerade diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Führerschein besitzen, bzw. diesen erst gar nicht erwerben können. Sie sind somit allesamt auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen. In Marienthal ist dies eben nur der SPNV, die Bahn. Wird der Haltepunkt in Marienthal wie geplant geschlossen, so wäre es zurzeit für rund 75 Prozent meines Personals (Yasemin, Sara, Matthias, Marcus, Michael, Christoph) kaum noch möglich, die Arbeitsstelle in Marienthal zu erreichen. Das Konzept würde somit in sich zusammenfallen, es gäbe dabei nur Verlierer.

Bei aller wirtschaftlichen Betrachtung der Angelegenheit „Haltepunkt Kloster Marienthal“, möchte ich gerne daran erinnern, dass gerade dieses Konzept auch ein Erfolg für den Landkreis Altenkirchen darstellt. Auf den Schienen der unten genannten Erfolge, die wir schon im vergangen Jahr erreichten, wollen wir selbstverständlich weiterfahren. Unsere Region wollen wir dabei mit nach vorne bringen!

Die amtierende DEHOGA-Jugend-Regionalmeisterin „Westerwald“ im Ausbildungsberuf Köchin/ Koch, Sara Daugs - aus unserem Betrieb -, gewann mit überragender Leistung diesen Titel.
Der Pokal kam somit nach langer, langer Zeit in den Landkreis Altenkirchen. Auch bei den anschließenden Landesmeisterschaften repräsentierte sie unsere Region mit guter Bewertung. Sie ist ein Teil des Konzepts! Darüber wurde nicht nur in der Fachpresse bundesweit berichtet.

Unser Betrieb wurde zudem zum „Top-Ausbilder 2016“ nominiert, bundesweit! Neben den großen Namen bedeutender Betriebe in touristischen Metropolen, standen wir mit unserem Konzept erfolgreich für den Landkreis Altenkirchen auf „dem Treppchen“. Dies stieß wiederum auf großes Medieninteresse, bis hin zum Fernsehen. Noch im Herbst letzten Jahres wurde ich im bayerischen Fürstenfeldbruck stellvertretend für Betrieb, Konzept und somit auch für den Landkreis Altenkirchen zum GV-Manager des Jahres 2016 nominiert.

Wird der Haltepunkt Marienthal geschlossen, verlieren wir nicht nur einen Halt entlang der Bahnschiene, wahrscheinlich viel mehr. Persönlich möchte ich noch anmerken, dass wir uns mit der Anmietung des Klosters in Marienthal nicht leicht getan haben. Sie wissen das, denn der Erhalt des Klosters in dieser Form war ja auch politisch gewollt.

Konzept und Vertrauen auf hiesige Instanzen, sowie der Politik vor Ort, haben uns letztlich dazu bewogen, diesen Schritt trotz aller betriebswirtschaftlicher Beratung von außen zu wagen. Er bedeutet enorme Verantwortung, hohes Risiko und sehr viel Arbeit! In sämtlichen Weihnachts- und Neujahrsansprachen von Amtsträgern und Politikern war von Zuversicht, Hoffnung und Mut die Rede. Wir beherzigen das!

Der zuständige Landesminister meldete sich via Facebook:
>Ländlicher Raum darf nicht den Anschluss verlieren. Wir wollen, dass die ländlichen Räume lebenswert bleiben, deshalb investieren wir in die Infrastruktur. Die ländlichen Regionen werden ihre Bewohner nur halten können, wenn es dort gute Arbeits- und Ausbildungsplätze gibt. Diese entstehen nur dort wo investiert wird und investiert wird nur dort, wo die benötigte Infrastruktur vorhanden ist. Investitionen in die Infrastruktur sind Investitionen in die Perspektiven der Menschen vor Ort.<

Daher bitte ich Sie: Lassen Sie uns dabei nicht im Stich!"
Uwe Steiniger
Nachricht vom 04.01.2017 www.ak-kurier.de