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Demnächst: Die Geschichte der Wissener Germania Brauerei
Einen Blick auf Zeit um 1895 auf den aufstrebenden Ort Wissen und das Schlossdorf Schönestein erlaubt die Grußkarte. Und da ist auch die Germania Brauerei zu sehen. Eine circa 300 Seiten umfassende Dokumentation über die Geschichte der Wissener Brauerei wird im August/September erscheinen und als Heft 38 der "Wissener Beiträge" erhältlich sein.
Lithographie (nichtchloriert), Original: Archiv Jürgen Maßfeller, WiehlWissen. Beschaulich mutet die Szenerie der fünf Ansichten von Schönstein und Wissen an, ein Hauch der zeitlich längst verstrichenen Romantik weht nach. Dem Blick des Betrachters in die „gute alte Zeit“ entgeht natürlich nicht, dass die Industrialisierung auch in der Region ein neues Zeitalter angestoßen hatte.

In der oberen Hälfte der Bildpostkarte, datiert auf 3.8.95 (1895) stellt der Maler Schönstein mit Schloss, Pfarrkirche, umliegenden Häusern und der Heisterkapelle dar; eingebettet in die von Wäldern, Wiesen und Feldern geprägte Hügellandschaft, an der Mündung des Elbbaches in die Sieg, blickt das Dorf mit seinen Bewohnern auf die das Frankenthal durchfahrende Eisenbahn (seit 1860). Darunter, wie in einen Bildrahmen eingefügt: Schloss Schönstein mit der alten Schlossbrücke. An der heutigen Schlossstraße - von der Einhecke gesehen eingangs Schönstein - lagen Gasthof und Handlung von Carl Josef Stahl mit Garten und Veranda; von dort geht der Blick Richtung Wissen über die Sieg mit Brücke zur Alfredhütte.

In einem alten Schönsteiner Lied heißt es hierzu:
"Und du Schönstein, du vor allem, rufst in mir die Sehnsucht wach,
Mit dem alten Fürstenschlosse und der stillen Firzelbach
Und wie oft auf der Veranda, lauschte ich dem Wellenspiel,
Wenn des Feuerofens Glühn auf das dunkle Wasser fiel."

Der Schreiber verbindet den „Gruss aus Schönstein bei Wissen a.d. Sieg.“ an seine Lieben zu Hause mit im Vers gereimten Worten:
"Auch in der Ferne denk ich so gerne, beim Glase Wein der Lieben mein."

Der gerundete Bildausschnitt zeugt von der auch in Wissen aufblühenden Industrie, sowie von Handel und Gewerbe. Die 1875 begründete Brauerei firmierte unter der Geschäftsführung von Emil Peter Buchholz ab 1887 als „Sieg-Rheinische Brauerei m.b.H. Wissen“. Er heiratete Karoline Fuchs, Tochter des Wissener Gastwirtes Julius Fuchs und seiner Ehefrau Amalie geb. Humbach. Bis zu seinem Tode (1920) war E.P. Buchholz Direktor der Wissener Brauerei, sein Vater Eugen fungierte als Vorsitzender.

Über 30 Jahre war diese Familie Besitzerin der Brauerei und durch Carl Adolf August Schmeisser und August Voswinkel, die mit Schwestern von E.P. Buchholz verheiratet waren, bis in die 1960er Jahre auch im Aufsichtsrat vertreten. In Krommenohl, im Bergischen Land (heute eingemeindet nach Marienheide), waren die Familien Buchholz als Pulverfabrikanten und auf anderen Geschäftsfeldern tätig: Düngemittelfabrik Gogarten, Bergisch-Märkische Steinindustrie, Chemische Fabrik Egerpohl, Barmer Bankverein. Mit Recht wurde einst im Tal der Wipper vom „Königreich Buchholz“ gesprochen.

Kaiserlichen Besuch erhielt die Familie Buchholz in ihrer Villa Ohl, als Kaiser Wilhelm II. während einer Propagandafahrt vor dem 1. Weltkrieg seinen Freund aus der Marineausbildung, Kapitän Hermann B. Buchholz, aufsuchte und mit ihm Erinnerungen an diese Zeit austauschte. Das Schwarzpulvermuseum in der Villa in Ohl (Wipperfürth), die verfallene Pulvermühle und das alte wiederbewohnte Wohnhaus (mit schriftlichen Dokumenten und antikem Mobiliar) in Krommenohl-Rönsahl zeugen heute noch von der einstigen Dynastie Buchholz.
Eine circa 300 Seiten umfassende Dokumentation über die Geschichte der Wissener Brauerei wird im August/September erscheinen und als Heft 38 der "Wissener Beiträge" erhältlich sein. (Horst Rolland)
Nachricht vom 05.06.2017 www.ak-kurier.de