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Fensdorfer Traktor-Treffen: Aufhören, wenn es am schönsten ist
Es begann 1997. Und es wurde ein Renner. Mit der 20. Auflage endet das Traktor-Treffen in Fensdorf, die Organisation lässt sich mit den wenigen Ehrenamtlichen nicht mehr stemmen. Rund 2.000 Besucher kamen am Wochenende, um die zum Teil antiken Schätzchen zu bewundern. Deren Besitzer, die durchaus weite Anreisen auf sich nahmen über die Jahre, bedauern das Ende der Veranstaltung.
Bei den vielen Traktor-Modellen in Fensdorf war eines schöner als das andere. (Foto: by)Fensdorf. „Wenn es am schönsten ist soll man aufhören“, sagt Reinhard Krämer, einer der Mitbegründer der Traktorfreunde Westerwald und Moderator des Fensdorfer Traktorrennens, mit einem weinenden und einem lachenden Auge am Sonntag. Rund 2.000 Besucher waren am Wochenende in den kleinen Ort Fensdorf in der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain gekommen, um bei herrlichem Sonnenschein am diesjährigen, mittlerweile 20. und leider auch letzten Event teilzunehmen. „Es gibt keinen Nachwuchs mehr für das Treffen“, so Krämer. „Vier Aktive sind wir noch, das ist nicht genug um die Arbeit vorher und auch nachher zu leisten“. Das bedauerten die Besucher im Gespräch und äußerten die Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch eine Lösung findet.

Es begann 1997
„Der Ursprung des Festes“, so Krämer, „war der, dass wir uns 1997 gesagt haben: Lasst uns mal pflügen, mal sehen, wer das noch kann. Und: Wie viele Traktoren gibt es eigentlich hier im Ort?“ 18 waren es damals und der Plan reifte, ein Treffen zu veranstalten. Schnell wurden aus den 18 über 60 Traktoren, da die Trecker-Liebhaber aus den Nachbarorten ebenfalls interessiert waren. Es wurden Pläne geschmiedet, wie man die Treffen noch kurzweiliger gestalten könne. Die Idee des Parcours kam auf und die „Geschicklichkeitsspiele“ wurden von Anfang an sehr gut angenommen. Hinzu kam die Verlosung. Über all die Jahre wurde der Erlös gespendet, nicht nur für die Mukoviszidose-Forschung, sondern auch für das Kinderhospiz in Olpe und die Palliativstation des DRK-Krankenhauses in Kirchen. Zusätzlich unterstützen die Treckerfreunde die Jugendarbeit der Musik- und Karnevalsvereine in jedem Jahr mit mehreren Hundert Euro.

Dank dem schönen Wetter waren am 11. und 12. August wieder über 200 Traktorliebhaber mit ihrem Gefährt angereist, darunter auch der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain, Joachim Brenner, der auf einem alten Deutz, begleitet von seinen beiden Söhnen, von Gebhardshain gekommen war. Nicht nur in den Nachbarorten von Fensdorf, sondern auch über die Landesgrenze hinaus hat sich das Treffen einen Namen gemacht. Traktoren aus Siegen, dem Lahn-Dill-Kreis, Montabaur, Siegburg oder Gummersbach waren auf der großen Wiese zu bewundern. „Die sind mit 20- oder maximal 30 Stundenkilometern teilweise schon ein paar Stunden unterwegs“, so Reinhard Krämer, der zwischendurch einen jungen Mann begrüßt, der jedes Jahr zum Treffen aus Norddeutschland in den Westerwald kommt: „Der ist Forstwirt, stammt ursprünglich aus Wissen und man kann ihn als Gründungsmitglied bezeichnen“.

Der Traktor-Virus
Ein großer 6-Zylinder-Traktor fährt auf dem Dorfplatz vor. „Der hat eine Kabine, da ist manches Wohnzimmer nichts dagegen“, staunt der Moderator. Ein Truck von Daimler-Benz, der seit 20 Jahren nicht mehr gebaut wird, hat riesige Ausmaße, dazwischen tuckern kleine Traktoren, glänzend und gepflegt. Da schlägt das Herz nicht nur des Liebhabers, auch so mancher – oder manche – der oder die bisher mit den Maschinen nichts im Sinn hatte, wird vom Traktor-Virus erfasst. Neben den Treckern drehen motorisierte Rasenmäher, riesengroße Landmaschinen, aber auch PKW-Oldies auf dem Dorfplatz eine Runde und präsentieren sich den begeisterten Zuschauern. An einem Prüfstand wurde lautstark die PS-Zahl ermittelt.

Beim Trecker-Geschicklichkeits-Wettbewerb wiederum versuchte der Co-Pilot des Fahrers während der Fahrt mit einer Öse aus Eisen um den „Heißen Draht“ herum zu lavieren, ohne ihn zu berühren, sonst ertönte eine Hupe. Einem auf einem Holzbrett deponierten, rohen Ei versuchte der Fahrer ohne Sichtkontakt möglichst nahe zu kommen. Als genauso schwierig erwies sich für die schweren Fahrzeuge auf einer „Schaukel“ das Gleichgewicht zu halten, ohne nach vorne oder hinten zu kippen.

Das geht nur im Ehrenamt
Für Kinderbelustigung war gesorgt, ebenso für das leibliche Wohl. Crêpes, Würstchen, Pommes oder die zahlreichen Kuchen, die Frauen aus dem Ort gespendet hatten: Für jeden Gaumen war etwas dabei. „Alles ist ehrenamtlich, was hier abgeht“, so Krämer. Ein ortsansässiger Musikverein verlegt seit 18 Jahren seine Probe nach Fensdorf, die beiden großen Zelte gehören der Ortsgemeinde, zwei der kleineren gehören Krämer privat. Eine Event-Firma hat kostenlos die Musik- und Lautsprecheranlage installiert und damit dem Verein Kosten von rund 400 Euro erspart. Die Verlosung ist ein Magnet, vor allem dank der tollen Preise. Zu gewinnen gab es unter anderem eine elektrische Heckenschere und einen Staubsauger-Roboter.

Eine schöne Überraschungsaktion sorgte für einen tollen Abschluss: Vor einigen Wochen war die 30-jährige Ulme, die als Blickfang den Dorfplatz zierte, Vandalen zum Opfer gefallen. Als Erinnerung an 20 Jahre Traktor-Treffen pflanzten die Treckerfreunde am Sonntag eine Eiche an die Stelle der Ulme. (by)
       
       
Nachricht vom 13.08.2018 www.ak-kurier.de