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Nachricht vom 07.11.2018
Region
Ausbildungsmarktbilanz 2017/2018: Trend zum Bewerbermarkt
Nur noch 13 unversorgte Bewerber in den Landkreisen Neuwied und Altenkirchen. Aber: 198 Lehrstellen konnten nicht besetzt werden Für die Arbeitsagenturen ist das Ende des 3. Jahresquartals traditionell der Zeitpunkt, das Ausbildungsgeschehen zu bilanzieren. Das Ergebnis: Die Unterstützung der Agentur für Arbeit wird für Arbeitgeber beim Thema Auszubildendensuche immer bedeutender, denn viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, passende Kandidaten für ihre Ausbildungsstellen zu gewinnen, während die Zahl der Bewerber weiter sinkt.
Die Arbeitsagentur Neuwied stellte Ausbildungsmarktbilanz vor. Foto: Wolfgang TischlerNeuwied. Seit Beginn des Beratungsjahres wurden dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur insgesamt 2.136 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 13 Stellen mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon blieben bis Ende September noch 198 Stellen unbesetzt. Das sind 68 mehr als im Vorjahr, was eine Steigerung von 52,3 Prozent bedeutet.

Erfreulicher hingegen sind die Zahlen seitens der Bewerber. 2.319 junge Frauen und Männer haben von Oktober 2017 bis September 2018 die Beratung der Neuwieder Arbeitsagentur genutzt, um sich beim Einstieg ins Berufsleben unterstützen zu lassen. Im Vorjahreszeitraum waren es 52 mehr. Am Ende blieben nur 13 unversorgt – fünf Jugendliche weniger als im Vorjahr. „Dieses gute Ergebnis ist einerseits natürlich dem großen Engagement unserer Berufsberater und der Mitarbeiter unseres Arbeitgeberservices zu verdanken“, sagt Karl-Ernst Starfeld, Leiter der Agentur für Arbeit Neuwied. „Ein weiterer wichtiger Pfeiler sind jedoch unsere Weiterbildungs- und Förderleistungen, mit denen wir junge Menschen und Arbeitgeber unterstützen können. Denn auch wenn der direkte Einstieg in eine betriebliche Ausbildung für beide Seiten wünschenswert wäre, sind die geförderten Maßnahmen für viele erst einmal die notwendige Voraussetzung, um wichtige Defizite aufzuarbeiten, wertvolle Qualifikationen zu erwerben und den Weg in die Ausbildung zu ebnen.“

In eine ungeförderte betriebliche Ausbildung konnten 1.171 Jugendliche vermittelt werden, also 50,5 Prozent aller Bewerber. 132 Bewerber (5,7 Prozent) konnten in eine geförderte Berufsausbildung vermittelt werden. 90 Personen (3,9 Prozent) werden über eine Berufsvorbereitung oder Einstiegsqualifizierung gezielt gefördert und auf eine Berufsausbildung vorbereitet. 345 Jugendliche (14,9 Prozent) besuchen weiterführende Schulen oder haben ein Studium aufgenommen, 48 absolvieren Bundeswehr, Zivildienst oder Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr. 144 junge Leute sind direkt in eine ungelernte Erwerbstätigkeit eingestiegen.

Bei 389 Jugendlichen ist der Verbleib noch unklar. Sie haben auf mehrmaliges Anschreiben und Einladungen der Berufsberatung nicht reagiert und wurden deshalb abgemeldet. „Da diese Jugendlichen keine finanziellen Hilfen bei der Arbeitsagentur beantragt haben, gehen wir davon aus, dass sie selbständig eine Arbeit, Ausbildungsstelle oder einen Schulplatz finden konnten und vergessen haben, sich bei uns abzumelden“, sagt Willi Baumann, Teamleiter der Berufsberatung.

Obwohl es viel mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber gibt, bekommen nicht alle jungen Menschen einen Ausbildungsvertrag. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Willi Baumann: „Bei den Bewerbern kann es zum Beispiel an nicht vorhandener Mobilität liegen, aber auch daran, dass sie über keinen oder einen sehr schlechten Schulabschluss oder schlichtweg eine mangelnde Motivation verfügen. Manchmal liegt es aber auch daran, dass sie sich an einen Berufswunsch klammern, in dem sie jedoch keine Stelle finden.“ Nach wie vor streben die jungen Menschen in die seit Jahren gleiche Top Ten der Wunschberufe – während sich die Unternehmen hier vor Bewerbern kaum retten können und nur ein Bruchteil die heiß begehrten Ausbildungsplätze ergattert, gibt es in anderen Branchen kaum Interessenten für die ausgeschriebenen Lehrstellen.

So wollen seit jeher viele Mädchen Medizinische Fachangestellte oder Friseurin werden, sehr viele Jungs Kfz-Mechatroniker. Beide Geschlechter interessieren sich stark für kaufmännische Berufe. Und auch wenn in diesen Bereichen das Angebot mit am stärksten ist, so reicht es doch nicht aus, während in der Gastronomie zu wenige Köche und Restaurantfachkräfte zu finden sind, und im Handwerk Maler und Lackierer, Tischler und Zimmerer fehlen. Auch Bäckereien und Fleischereien stehen vor immer größeren Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden.

„Die richtige Berufswahl ist natürlich nicht einfach und ein sehr entscheidender Faktor für einen erfolgreichen Berufsstart“, sagt Willi Baumann. „Nicht selten passt eine Alternative viel besser zum Bewerber als dessen Wunschvorstellung. Um die jungen Menschen bei der Entscheidung zu unterstützen, bieten wir neben den Beratungen in der Agentur und den Berufswahl-Workshops in den Schulen gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern viele Aktionen und Veranstaltungen, um über Alternativen und Möglichkeiten auf dem regionalen Ausbildungsmarkt zu informieren.“ Beispiele hierfür sind der Girls‘ Day, die Ausbildungsmesse ABOM in Altenkirchen, diverse Speed Datings mit Arbeitgebern oder die Berufs- und Orientierungstage.

Darüber hinaus sind auch die Unternehmen selbst gefragt. Die Agentur für Arbeit bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Betriebe zu unterstützen, die bereit sind, leistungsschwächeren oder auch schwerbehinderten jungen Menschen eine Chance zu geben. „Um sich in Zukunft Fachkräfte zu sichern, müssen viele Unternehmen umdenken und auch kompromissbereit sein. Der Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren verändert, aber auch wir als Agentur haben unsere Leistungen und Fördermöglichkeiten weiter ausgebaut“, sagt Karl-Ernst Starfeld. „Schlechte Schulnoten sagen oft nichts darüber aus, wie ein Jugendlicher sich in der Ausbildung bewährt. Viele blühen erst nach der Schule auf und zeigen sich leistungsstark und einsatzbereit. Und wir als Agentur stehen Auszubildenden und Betrieben mit Rat und Tat zur Seite, egal wo der Schuh drückt.“

Arbeitgebern stehen Ansprechpartner des Arbeitgeberservice unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4555520 zur Verfügung. Jugendliche können sich unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4555500 Informationen einholen oder einen Termin vereinbaren.
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