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Mahnen und Gedenken: Jugendliche erkundeten den 9. November
Die zehnten Klassen der Hermann-Gmeiner-Realschule plus Daaden begaben sich gemeinsam mit MdL Michael Wäschenbach (CDU) auf Spurensuche jüdischer Schicksale in Betzdorf und besuchten zusammen mit Schülern der Integrierten Gesamtschule Betzdorf-Kirchen die Ausstellung der Daadener AG Geschichte-Friedenserziehung im Haus der Betzdorfer Geschichte.
Gemeinsames Gedenken der Schülerinnen und Schüler der IGS-Betzdorf-Kirchen und der Hermann-Gmeiner-Realschule plus Daaden mit MdL Michael Wäschenbach in der Ausstellung. (Foto: Hannes Johne)Betzdorf/Daaden. Seit einigen Jahren werden die Schüler der Daadener Hermann-Gmeiner-Realschule plus am 9. November vom CDU-Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach besucht. Dieser deutsche Schicksalstag findet sich, verbunden mit gleich mehreren Jahreszahlen, in allen deutschen Geschichtsbüchern, weshalb die Politiker des Landtages jährlich das Gespräch mit Schülern suchen. Doch in diesem Jahr wandelten die Daadener auf geschichtlicher Spurensuche in Betzdorf. Sie trafen den Politiker am Betzdorfer Mahnmal, das an die seinerzeit in Betzdorf lebenden jüdischen Familien erinnert. 80 Jahre nach der Reichspogromnacht wollten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen 10 vor Ort erfahren, welche Peinigung, Ausgrenzung und Demütigung Menschen anderer religiöser Orientierung auch in Betzdorf und Umgebung hinnehmen mussten. Dass die Verfolgung der Juden schließlich in deren systematischer Ermordung gipfelte, schien die Schüler an diesem Gedenkort besonders zu ergreifen. Grund genug für Wäschenbach, um direkt den Bezug zur Gegenwart herzustellen. Er betonte, dass gerade in der heutigen Zeit wieder Menschen aufgrund religiöser und ethnischer Zugehörigkeit verachtet und ausgegrenzt würden und das Erinnern an die Nazi-Gräuel und die Ohnmachtshaltung der Bevölkerung daher von Seiten der Schule aufrechterhalten werden müsse. Gerade die jungen Leute sollten ermutigt werden, für demokratische Werte wie Meinungsfreiheit, Schutz der Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen und rassistischen Strömungen zu widerstehen bzw. entgegenzutreten.

Jüdische Schicksale vor Ort
Vertieft in diese Gedanken erfuhren die Schüler vom Besuch Hitlers in Wallmenroth 1931, von der Umbenennung der Betzdorfer Straßen nach dessen Machtübernahme, der Ausraubung und Demolierung des jüdischen Betraumes in der Viktoriastraße.

Auch die Forderung „Kauft nicht bei Juden!“, den Betzdorfer Mitbürger vor dem damaligen Kaufhaus Gerolstein im Hinblick auf deren Inhaber äußerten, schockierte die Jugendlichen. Mit Blick in die Hellerstraße, in der sich in den 1930er Jahren einige jüdische Bürger angesiedelt hatten, informierten sich die Schüler gegenseitig über die Schicksale einiger Familienmitglieder der Familie Tobias. Einige Juden – gewarnt durch Betzdorfer Nachbarn – verließen die Stadt und flohen, leider jedoch nicht weit genug. Viele wurden deportiert oder begingen, um dem Leidensweg zu entgehen, Suizid. Jedem Anwesenden war die Tragweite des Begriffes „verschollen“, der oft genannt wurde, bewusst.


Um das Gehörte zu vertiefen, wurden die Daadener Jugendlichen nun selbst aktiv. Sie wollten von der Betzdorfer Marktbevölkerung wissen, was nach 80 Jahren noch an Gedenken und Gedanken über diesen 9. November 1938 übrig geblieben ist. „Welche Gefahren bestehen, wenn unsere junge Generation den geschichtlichen Hintergrund zum Umgang mit religiösen bzw. ethnischen Minderheiten nicht mehr kennt? Gibt es in der heutigen Gesellschaft Parallelen bezüglich des Umgangs mit diesen Minderheiten? Wovor würden Sie Ihre Mitbürger – vielleicht gerade an diesem geschichtsträchtigen Tag – gerne warnen? Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?“ Das waren die Fragen. Derzeit werden die Antworten noch ausgewertet und im Unterricht nachbereitet.

Im nachgebauten Schützengraben
Im Anschluss trafen die Daadener auf Schüler der IGS Betzdorf-Kirchen, die ebenso an diesem geschichtsträchtigen Tag unterwegs waren, um die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im Haus der Betzdorfer Geschichte zu besuchen und dadurch dem Mahnen an ein friedliches Miteinander Gewicht zu geben. Beeindruckt von den Modellen, Exponaten und Ausführungen der AGler (AG Geschichte Friedenserziehung der Hermann-Gmeiner-Schule) drängelten sich die Schüler der zwei Schulen auch an die Hörstationen (Weihnachtsfrieden 1914, Lazarett), vertieften im Kino ihr Wissen über Gräuel und Gedenken in Verdun und begingen den nachgebauten Schützengraben.

Die begleitenden Lehrer Adrian Greipel, Horst Braun (IGS Betzdorf-Kirchen), Lars Limbach und Simon Imhäuser (Daadener Schule) durften im Haus der Betzdorfer Geschichte schließlich feststellen: „Schüler lassen sich auch heute noch von der Geschichte fesseln. Geschichte kann und muss gerade heute erlebbar bzw. greifbar für die Jugendlichen gemacht werden. Dann wird das Erinnern und Mahnen an die dunklen Kapitel deutscher Geschichte fruchtbar und unsere Jugend wird zum Multiplikator der Botschaft: Es lohnt sich für ein friedliches Miteinander und Toleranz gegenüber Minderheiten einzustehen – heute mehr denn je!“ (PM)
Nachricht vom 15.11.2018 www.ak-kurier.de