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Kultur
Lesetipp: Varia I Kleinfunde aus dem Reitia-Heiligtum von Este
Für Freunde der Archäologie und Historiker ist die umfassende Arbeit über „Die nichtmetallenen Kleinfunde aus dem Reitia-Heiligtum von Este“ aus den Ausgrabungen 1880-1916 und 1987-1991 von Giovanna Gambacurta und Silvia Cipriano ein Geschenk. Das von Heinz-Werner Dämmer herausgegebene Buch umfasst 308 Seiten mit 135 Tafeln, die jeden Fund abbilden und/ oder zeichnerisch komplettieren.
Titelbild. Foto: Verlag Nünnerich-AsmusKöln. Die religionsarchäologische Forschungsstelle Reitia bildet eine Abteilung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln. Sie beheimatet das von Prof. Dr. Dämmer geleitete Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn-Bad Godesberg (DFG) "Das venetische Reitia-Heiligtum von Este-Baratella".

Das vorrömische Heiligtum von Este wurde am Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und beeindruckt seither Archäologen und Historiker durch seine Vielfalt von Funden verschiedenster Gattungen. Der Fundplatz des Reitia-Heiligtums befindet sich etwa einen Kilometer südöstlich des Stadtzentrums von Este in der Provinz Venetien. Rund zwölf Kilometer südlich von Este entfernt verläuft heute das Flussbett der Etsch.

Unter den bei den Ausgrabungen geborgenen Gegenständen befinden sich Artefakte mit Weiheinschriften, die darauf schließen lassen, dass es sich bei dem Fundplatz um ein Heiligtum handelt, das der Göttin Reitia geweiht war. Sie ist mit verschiedenen Beinamen überliefert. Reitia, aber auch Sainatei Reitiai, Sainatei Reitiai Porai. Sie kann mit verschiedenen Funktionen in Verbindung gebracht werden, unter anderem als Flussgöttin und als Göttin des Handels wie auch der Schrift. In römischer Zeit wird der Reitia-Kult durch die Verehrung der Minerva ersetzt oder ergänzt.

Der vorliegende erste Band der Kleinfunde des Reitia-Heiligtums umfasst 785 Gegenstände aus Stein, Ton, Glas, Bernstein, Knochen und Silex (Feuerstein), die nahezu unpubliziert waren, wie Prof. DR. Dämmer erläutert. Ein zahlenmäßiger Schwerpunkt liegt mit Webgewichten, Garnspulen und Spinnwirteln auf der Webkunst, die im Reitia-Heiligtum besondere Bedeutung hatte. Laut Dämmer bilden gerade die sogenannten Kleinfunde eine Schatzkiste mit Objekten, in denen sich zahlreiche, bisher unbekannte, Aspekte des täglichen Lebens und des Kultes im Reitia-Heiligtum widerspiegeln.

Das Reitia-Heiligtum in Este ist nicht nur ein Ort religiöser Hinwendung zur Göttin Reitia, sondern hat auch eine große ökonomische Bedeutung in einer wirtschafts-geographischen Schlüsselstellung.

Das Buch ist zweisprachig – italienisch und deutsch - gehalten. Die Übersetzung ins Deutsche wurde von Heinz-Werner Dämmer und Paquale Bove vorgenommen.

Der deutschsprachige Teil umfasst folgende Kapitel:
I. Architekturteile aus Stein
II. Tönerne Architekturteile und Ziegel
III. Tonbildwerke
IV. Spinnwirtel
V. Garnspulen
VI. Webgewichte
VII. Ziergegenstände und Spielsteine aus Glaspaste, Bernstein und Gagat
VIII. Glas
IX. Keramik
X. Öllampen
XI. Amphoren
XII. Knochenartefakte
XII. Silex und Stein

Der anschließende Katalog listet die 785 Fundstücke beschreibend auf. Es folgen Bibliographie und Konkordanztabellen. Den größten Umfang nehmen die abbildenden 135 Tafeln ein. das gebundene Werk wiegt 1299 Gramm.

Erschienen ist der Band 2018 im Nünnerich-Asmus Verlag in Mainz, ISBN 978-3-96176-044-2. htv
Nachricht vom 22.12.2018 www.ak-kurier.de