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Sternenkinder: Gedenkgottesdienst fand in Hamm statt
Einen kreisweiten Gedenkgottesdienste für Sternenkinder und verstorbene Kinder gestalteten gemeinsam Pfarrerin Dorothea Krüger-Sandmann, Pfarrerin Jutta Braun-Meinecke und Jugendreferentin Carola Paas vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen in der evangelischen Kirche in Hamm aus. Der jährliche Gedenkgottesdienst ist eines der Angebote, die der Kirchenkreis für „verwaiste Eltern“ anbietet.
Einen kreisweiten Gedenkgottesdienste für Sternenkinder und verstorbene Kinder gestalteten gemeinsam (von links) Pfarrerin Dorothea Krüger-Sandmann, Pfarrerin Jutta Braun-Meinecke und Jugendreferentin Carola Paas vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen in der evangelischen Kirche in Hamm aus. Von der Osterkerze wurde die Flamme weitergereicht und bei einem Trauerritual daran Gedenkkerzen für die verstorbenen Kinder und ihre Familien entzündet. (Foto: Petra Stroh) 
Hamm/Kreisgebiet. „Wie ein Stern in der Dunkelheit leuchteten sie auf, als sich ihr Kommen in diese Welt, in unser Leben ankündigte. Und dann ist irgendetwas Unfassbares geschehen – und sie lebten nicht mehr weiter, aber wir leben – voller Traurigkeit. Das gilt es zu verkraften, immer wieder neu.“ Krankenhaus-Pfarrerin Jutta Braun-Meinecke (Kirchen) kennt viele Menschen, die ein Kind in der Schwangerschaft oder nach einem viel zu kurzen Erdenleben verloren haben. Gemeinsam mit Kollegin Pfarrerin Dorothea Krüger-Sandmann (Altenkirchen und Wissen) und Jugendreferentin Carola Paas gestaltete sie den nun bereits fünften kreisweiten Gedenk-Gottesdienst für Sternenkinder. Eltern, die ein Kind verloren haben, kamen, mal gemeinsam mit Geschwisterkindern, aber auch mit Großeltern und Freunden, diesmal in der evangelischen Kirche in Hamm zusammen.

Um das Leiden machen wir einen Bogen
In ihrer Predigt zum biblischen Wort „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein: Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht“, nahm Pfarrerin Braun-Meinecke Bezug darauf, dass die Passionszeit das Erinnern an die Leidenszeit Jesu ist, bevor es Karfreitag und Ostern wird. „Um Schweres, um Leiden machen wir gerne einen Bogen, dennoch sind wir heute Morgen hier zum Gedenken an die Sternenkinder unseres Lebens.“

Das Schwere im Leben suche sich niemand aus: „Schicksalsschläge, Notlagen und Krankheiten stellen sich uns in den Weg. Und der Lebensweg sieht danach oft anders aus als von uns gewünscht und geplant. Es ist, als ob ein neuer Lebensabschnitt beginnt, Schritte in ein neues unbekanntes Land. Das macht Angst und unsicher.“ Die Theologin wünschte den „Sterneneltern“, „dass Ihnen mitten im Leiden wieder neue Hoffnung zuwächst, die Ihnen hilft, das Schwere zu ertragen und - wenn es sein kann - auch seinen Sinn zu verstehen und anzunehmen!“

Sich nicht selbst verlieren
Im Gottesdienst – der vom „chÖrchen“, dem kleinen ökumenischen Chor aus Hamm unter Leitung von Kantor Achim Runge mit einfühlsamen Melodien ausgestaltet wurde –, gab es für die Menschen, die an ihr „Sternenkind“ erinnern wollen, auch Raum und Zeit des Gedenkens. Weiße Kerzen zur Erinnerung an das verstorbene Kind, aber auch rote Kerzen zur Mahnung sich „nicht selbst zu verlieren in der Trauer“ wurden entzündet und brachten so Lichtpunkte in Trauerphasen, die immer wieder vom Dunkel beschattet sind.

„Der Verlust eines Kindes löst Krisen und Zweifel an Gott und der Welt aus. Betroffene Familien sind oft gelähmt, manchmal von Selbstzweifeln oder Vorwürfen geplagt“, weiß Jugendreferentin Carola Paas vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen. „Viele empfinden Hilflosigkeit, Schmerz, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit oder Wut. Manche sind in ihrem Schmerz auf sich allein gestellt, müssen ihre Trauer allein tragen; der Umgang mit Fehl- und Totgeburten ist noch vielerorts ein Tabu und schafft Distanz und weiteren Schmerz!“ Sie und die beiden evangelischen Krankenhaus-Pfarrerinnen im Kirchenkreis wissen, dass Menschen, die ein Kind verloren haben, nicht nur unmittelbar nach dem Verlust leiden. „Für viele Betroffene ist es ein lebenslanger Schmerz; Verletzungen, die vor Jahren, gar Jahrzehnten entstanden, zu Zeiten, wo es in der die Gesellschaft und manchmal leider auch kirchlicherseits keine Hilfe und Unterstützung gab, belasten nachhaltig.“

Viele Informationsangebote
Mit dem Projekt „Sternenkinder im Kreis Altenkirchen“, das gemeinsam von Jugendreferat und Krankenhaus-Seelsorge im Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen seit einigen Jahren organisiert und getragen wird, sollen auch jenseits der jährlichen Gedenkgottesdienste betroffenen Familien Hilfemöglichkeiten aufgezeigt und sie in ihrer Trauer begleitet werden. In einem Flyer des Projekts gibt es Informationen über Ansprechpartner, Beratungsangebote, Trauergruppen und anderes. Über Kirchengemeinden, Krankenhäuser, Frauen- und Kinderärzte, aber auch Kindergärten, können diese Flyer bezogen werden. Auf der Familienseite des Kirchenkreises www.sagtsweiter.de gibt es ebenfalls Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Eine Gesprächsgruppe für verwaiste Eltern „Tief im Herzen“ , die sich monatlich in Altenkirchen, im Haus der Evangelischen Kirche im Stadthallenweg trifft möchte Raum und Zeit für Eltern von verstorbenen Kinder anbieten – ganz gleich, ob es sich um eine Fehlgeburt oder ein erwachsenes Kind handelt. Die nächsten Treffen finden an 17. April und 15. Mai jeweils um 19 Uhr statt. „So unterschiedlich die individuelle Geschichte auch ist, so sehr verbindet die Betroffenen das Erlebte und die gemeinsame Trauer“, betont Carola Paas, die als Gruppenleiterin gerne weitere Informationen an Betroffene gibt (Kontakt: E-Mail: carola.paas@ekir.de, Tel.: 02681-80 08 84. (PES)
Nachricht vom 02.04.2019 www.ak-kurier.de