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Nachricht vom 09.06.2019
Region
Eindrucksvolle Rundwanderung um die Abtei Marienstatt
Bei dieser etwa fünf Kilometer langen Wanderung, die als Rundweg angelegt ist, geht man auf Entdeckungsreise. Neben einer urigen Felsformation mit einer alten Burgruine gibt es auf dieser Wandertour einen kaiserlichen Friedhof von 1796, eine Kriegerkapelle, einen Barockgarten, ein Klostergelände und einen Waldlehrpfad zu besichtigen. Und in freier Natur, umgeben von Wäldern und Wiesen, überquert man über eine Fußgängerbrücke noch einen kleinen Fluss. Zwischendurch kann man sich in einem Brauhaus mit eigener Brauerei und Biergarten stärken.
Von Astert nach Marienstatt, eine abwechslungsreiche Wanderung von etwa 5 Kilometern. Fotos: GRIAstert / Hachenburger Westerwald. Bei dieser Wanderstrecke von etwa fünf Kilometern gibt es so viel Interessantes zu entdecken, dass man für diese Rundwanderung etwas länger braucht als normal. Man besucht das Felsenstübchen, eine urige Felslandschaft mit alter Burgruine, wandert zum Kaiserlichen Friedhof von 1796, auf dem 600 österreichische Soldaten beerdigt wurden, stattet einer Kriegerkapelle mit sehenswerten Ornamentfenstern einen Besuch ab und schaut sich anschließend einen Barockgarten mit Klostergelände an, der nach historischem Vorbild angelegt wurde. Auf dem Rückweg wandert man noch an einem Waldlehrpfad entlang, auf dem die heimischen Bäume in anschaulicher Weise erklärt werden. Und etwa in der Hälfte der Strecke besteht die Möglichkeit, sich bei einem Glas Bier aus eigener Brauerei, einem kleinen Imbiss oder auch bei einem guten Essen von den Strapazen der Wanderung zu erholen. Alle markanten Wegpunkte und Sehenswürdigkeiten dieser Wanderstrecke sind auf den Fotos zu diesem Artikel abgebildet.

Anfahrt zum Wanderparkplatz und Start der Wandertour

Mit dem Auto fährt man von Hachenburg kommend über Müschenbach in Richtung Astert auf der Kreisstraße K 19 zum Zielparkplatz. Am zweiten Wanderparkplatz links, kurz vor dem Ortseingang von Astert, stellt man das Auto ab (Foto 1). Ein Hinweisschild zeigt den Weg Richtung „Marienstatt“ (Foto 2). Man überquert die Kreisstraße und nimmt den gut ausgebauten Wanderweg, der nach Marienstatt führt (Foto 3). Gemütlich wird der abschüssige Weg entlang gewandert (Foto 4) und links im Tal entdeckt man die Nister, einen kleinen Fluss, der sich durch das Herz der Kroppacher Schweiz, wie diese Gegend genannt wird, seinen Lauf gebahnt hat (Foto 5). Nach etwa 1,5 Kilometern führt der gut ausgebaute Wanderweg an eine größere Wegkreuzung (Foto 6). Rechts am Weg befindet sich das kleine Schutzdach mit Sitzgelegenheiten, das als Wegmarkierung dient (Foto 7).

Das Felsenstübchen, eine Felsformation in der Kroppacher Schweiz

Man biegt in den Wanderpfad links ab (Foto 8), der etwa im rechten Winkel vom Wanderweg abzweigt und kommt nach etwa 50 Metern an eine Informationstafel, die auf eine alte Burgruine hinweist (Foto 9). An der Informationstafel rechts vorbei wandert man den schmalen Pfad nach oben. Eine moosbewachsene Felsformation erwartet einen, es sieht fast aus wie in einer Märchenwelt. Das „Felsenstübchen“, eine Ansammlung großer Felsen, mitten ein paar vereinzelte Bäume, dient als Fotomotiv. (Fotos 10 und 11).

Burgruine Froneck - die Unvollendete

Etwas weiter den schmalen Pfad aufwärts gelangt man zu einem großen zusammenhängenden Felsen, der von links nach rechts mehr als zehn Meter breit ist. Mit ein wenig Phantasie lässt sich vorstellen, dass dort im Mittelalter die Burg Froneck gestanden haben könnte. Um mehr von der ehemaligen Burganlage zu sehen, folgt man einem in die Steine gehauenen Weg auf der rechten Seite des Felsens, umgeht diesen und gelangt zu den Resten der Burgruine. Es sind nur noch die Fundamente der alten Burg übrig, die damals wohl genau in die Felsen eingepasst worden sind (Foto 12). Man geht den schmalen Pfad, den man gekommen ist, wieder zurück bis zu einer weiteren Informationstafel kurz vor der Wegkreuzung und liest erst dort, dass mit dem Bau der Burg im 14. Jahrhundert zwar begonnen wurde, diese aber nie vollendet worden ist.

Der Kaiserliche Friedhof von 1796

An der größeren Wegkreuzung angekommen, sucht man nach dem Hinweisschild „Kaiserlicher Friedhof“ (Foto 13). Der Wegweiser zeigt einen Weg, leicht abschüssig in entgegengesetzter Richtung fast parallel des Wanderweges, der von Astert aus führt. Nach etwa 200 Metern erreicht man an einer Waldlichtung ein Steindenkmal (Foto 14). In Stein gemeißelt steht dort: „Ruhestätte der in den Jahren 1793 bis 1797 in der Abtei St. Marienstatt verstorben und dahier beerdigten österreichischen Krieger. Errichtet im Jahr 1856“ (Foto 15). Auf einer Informationstafel erfährt man, dass dieser Soldatenfriedhof in den Jahren von 1793 bis 1797 der Friedhof des damaligen Behelfslazaretts des Klosters Marienstatt war und dass auf diesem Friedhof etwa 600 Soldaten, größtenteils Österreicher, begraben sind. Die Soldaten wurden Opfer des ersten Koalitionskrieges der Österreicher im Kampf gegen die französische Revolutionsarmee. 1856 ließ Erzherzog Stephan von Österreich das Denkmal zur Erinnerung an dieser Stelle errichten (Foto 16). Österreichische Soldaten in Marienstatt? Recherchen in Geschichtsbüchern zeigen, dass die meisten österreichischen Soldaten, die hier beerdigt wurden, infolge der Schlacht bei Altenkirchen, die am 4. Juni 1796 stattfand, und bei weiteren Gefechten in der Umgebung verwundet wurden und ihren schweren Verletzungen erlagen. Damals standen sich 11.000 Franzosen und 6.500 Österreicher auf einer Frontlinie, die von Almersbach über Altenkirchen bis nach Kroppach reichte, gegenüber. Bei der Schlacht, die von den Franzosen durch taktisches Geschick gewonnen wurde, kamen damals etwa 2.000 österreichische und 150 französische Soldaten ums Leben.

Kriegerkapelle Marienstatt zu Ehren gefallener Soldaten

Zurück an der größeren Wegkreuzung, geht man den Weg abwärts zum Kloster Marienstatt (Foto 17). Die historische Nisterbrücke, die zum Kloster führt, wird überquert und vor dem Klostergelände befindet sich eine achteckige Kapelle, weiß gemauert mit schwarzem Schieferdach und einem geschmiedeten, mit Ornamenten verzierten Kreuz auf der Spitze (Foto 18). Die sogenannte „Kriegerkapelle“ wurde 1935 als Gedenkstätte für gefallene Soldaten erbaut. In der alten Kapelle fällt das bunte Ornamentfenster auf, das Sankt Martin, Sankt Sebastian und Sankt Georg darstellt, die in allen Farben leuchten und den Raum in eine interessante Lichtkombination tauchen. Auf einem Altar sind Heiligenbilder platziert, an den Wänden hängen Gedenktafeln (Fotos 19 und 20). Ein besinnlicher Ort, den man verlassen kann, um den Weg weiter Richtung Kloster zu gehen.

Marienstätter Brauhaus mit Biergarten ist Etappenziel

Nach wenigen Metern empfängt das Marienstätter Brauhaus, das Etappenziel der Wanderung (Foto 21). Unter den Baumkronen von der Sonne geschützt, kann man sich im Biergarten einen gemütlichen Rastplatz suchen (Foto 22) und an der Außentheke ein frisch gezapftes Bier holen, das direkt vor Ort im Kloster gebraut wurde. Hier gibt es zwei Biersorten, ein etwas würzigeres Helles und ein malziges Dunkles. Dazu kann man einen kleinen Imbiss einnehmen, um sich zu stärken. Wer größeren Hunger hat, kehrt ins Marienstätter Brauhaus ein. In mehreren Gasträumen mit insgesamt 240 Sitzplätzen, aufgeteilt in die Hopfendarre, das Klosterstübchen, die Braustube und den Sudkeller, werden den Gästen neben kulinarischen Köstlichkeiten auch deftige Gerichte der Westerwaldregion angeboten.

Buch- und Kunsthandlung bietet Marienstatter Produkte an

Gestärkt geht man durch das Tor auf das eigentliche Klostergelände (Fotos 23 und 24). Direkt rechts hinter dem Eingangstor befindet sich eine Buch- und Kunsthandlung, der man einen Besuch abstatten kann (Foto 25). Dort kann man sich ein wenig durch die vorhandene Literatur schmökern. Der Klosterladen legt besonderen Wert auf den Verkauf selbst hergestellter Marienstatter Produkte sowie auf ein sorgfältig ausgewähltes Buchsortiment und bietet zusätzlich sakrale Kunstgegenstände wie Figuren und Krippen, oder für eine Andacht notwendige Utensilien, an. Das Sortiment individuell beschrifteter Kerzen für besonderen Anlässe, wie beispielsweise Taufe, Hochzeit, Kommunion, Konfirmation oder Firmung, ist besonders interessant. Als klostereigene Produkte werden Marmeladen und Chutneys, das Klosterbier in Flaschen, Brände und Liköre sowie eigene CD-Produktionen angeboten. Anschließend kann man sich noch ein wenig auf dem Klostergelände umschauen (Fotos 26 und 27).

Barockgarten als Ort der Ruhe und Besinnung

Dem Barockgarten, gegenüber der Buch- und Kunsthandlung gelegen, sollte man besondere Aufmerksamkeit widmen (Fotos 28 und 29). Nach alten Zeichnungen wurde die Gartenanlage von 2010 bis 2011 rekonstruiert. Wie aus dem Klosterführer zu entnehmen, spiegeln die Wegeführung sowie die zurückhaltende Bepflanzung und der zentrale Brunnen das Streben des Klosters nach Schlichtheit wider. Rosen- und Lilienbeete in der Nähe der Abteikirche weisen als Symbole auf die Gottesmutter Maria hin. Ein Wasserspiel in der Mitte der Gartenanlage erregt Aufmerksamkeit. Am Fuß der alten, teilweise restaurierten Natursteinmauern haben sich zahlreiche, zum Teil seltene Pflanzenarten angesiedelt. Die Gartenanlage ist gepflegt und wirkt wie ein Ort der Ruhe und Besinnung.

Waldlehrpfad gibt Auskunft über heimische Baumsorten

Folgt man dem Weg kurz vor der Klosterkirche links in Richtung des kleinen Flusses Nister, sieht man nach kurzer Wanderstrecke linksseitig eine Art Stauwehr, zu dem man über einen Pfad bis zum Flussufer gelangen kann. Mit Wanderschuhen ist es möglich, auf den Steinen des Flusses zu balancieren, ohne nass zu werden. Zurück auf dem Wanderweg findet man den Waldlehrpfad (Foto 30). Hier sind in entsprechendem Abstand nacheinander die Bäume der Westerwaldregion am Wegesrand gepflanzt. Es lohnt sich, die Hinweisschilder zu lesen, die bei jedem Baum platziert sind und die Besonderheiten der einzelnen Baumsorten erklären. Man wandert weiter Richtung Astert und Heimborn, immer der Nister entlang (Foto 31). Dem Wanderweg biegt nach etwa zwei Kilometern links ein kleiner Wanderpfad ab. Ein entsprechendes Wegweiserschild ist nicht vorhanden (Foto 32). Hier vermutet man, dass der Druidensteig entlangführt. Man biegt links auf den Wanderpfad ab und gelangt direkt an eine Stahlplattenbrücke, die über die Nister führt (Foto 33 und 34). Dem Weg weiter nach oben folgend, erreicht man eine Weggabelung. Dort hält man sich rechts. Man befindet sich wieder auf dem Wanderweg, den man auf der Hinstrecke bereits gewandert ist (Foto 35) und erreicht nach kurzer Zeit den Ausgangspunkt der Wanderung. Eine schöne Wanderstrecke mit nachhaltigen Erinnerungen auf etwa fünf Kilometern Länge geht zu Ende. (GRI)
       
       
       
       
       
       
       
       
       
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