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Alserberg-Brücke: Kein Schwerlastverkehr – Unternehmen schreiben Brandbrief
Am Montag, dem 26. August, beginnen bekanntlich die Abrissarbeiten an der Altstadt-Brücke in Wissen. In den letzten Tagen wurde die entsprechende Umleitung über die Alserberg-Brücke in Betrieb genommen, Ampel-Regelung inklusive. Allerdings: Gingen etliche Wissener Unternehmen bisher davon aus, dass sie die Alserberg-Brücke mit ihren LKWs während der Baumaßnahmen wenige Meter siegaufwärts nutzen könnten, sehen sie sich seit Einrichtung der Umleitung vor neue Probleme gestellt: Genau dies ist anders als geplant nun nicht der Fall. Per Brandbrief protestieren sie beim Landesbetrieb Mobilität.
Bislang gingen Wissener Unternehmen davon aus, dass sie die Alserberg-Brücke (rechts) und dann die Holschbacher Straße Richtung Morsbacher Straße während der Bauzeit der Altstadt-Brücke für ihre LKW-Transporte nutzen könnten. (Foto: Archiv AK-Kurier/tt)Wissen. In einem Brandbrief vom 22. August wenden sich sieben große, aber auch kleinere Unternehmen, die ihre Betriebsstätte auf dem Wissener Alserberg haben beziehungsweise mehrere Firmenstandorte in Wissen betreiben, an den Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Diez, Lutz Nink, und kritisieren die verkehrsbehördliche Anordnung des LBM in Sachen Umleitung anlässlich des Brückenabrisses in Wissen. Entgegen dem bisherigen Informationsstand und Gesprächen in Wissen gibt dieser die Umleitungsstrecke über die Alserberg-Brücke („Rote“ Brücke) über die Kreisstraße K 66 auch für den innerörtlichen Schwerverkehr nicht frei. Das Verkehrszeichen 253 bleibt hängen und sagt klipp und klar, dass alle Kraftfahrzeuge ab 3,5 Tonnen einschließlich Anhänger nicht über die Brücke zum Alserberg fahren dürfen. Dies hat die Wissener Unternehmer laut Pressemitteilung völlig überrascht, denn bisher war es anders kommuniziert worden vom LBM.

Planänderung „um 5 vor 12“
Im Brief, der auch an die Verbandsgemeinde sowie die Stadt Wissen gegangen ist und die beiden Bürgermeister um Unterstützung bittet, heißt es, dass entgegen der persönlichen Information des LBM Diez am 16. April im Kuppelsaal der Verbandsgemeindeverwaltung die Brücke nun doch für den innerörtlichen Schwerlastverkehr geschlossen bleiben soll. Damit steht sie als Umleitungsstrecke den Wissener Firmen, die über die Sieg müssen, nicht zur Verfügung. Die Unternehmensleitungen sind entsetzt und fragen sich, warum man sich bereits am 16. April getroffen hat, um dann quasi „um 5 vor 12“ zu erfahren, dass das Gegenteil eintritt. Wissen ist für sie regional ein wichtiger Gewerbe- und Logistikstandort, der unmittelbar viele hundert Arbeitsplätze vor Ort sichert. Alle Betriebe zahlen hier in Wissen Gewerbesteuern und sie sind regional in engen Zeitkorridoren unterwegs, hört man von den Unternehmen. Die Firmen weisen natürlich auch darauf hin, dass nicht jeder LKW über diese Brücke muss und diese auch aufgrund der Enge und des zu erwartenden staubedingten Zeitverlustes im eigenen Interesse, wenn möglich, gemieden wird, aber einige wichtige Transporte müssen die Alserber Brücke nutzen, um dann beispielsweise die Morsbacher Straße zu erreichen.

Großräumige Umleitungen nicht zumutbar
Unter anderem weist der Brief auch darauf hin, dass alle Unterzeichner in Wissen Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen betreiben und täglich die Sieg überqueren müssen, sowohl mit Just-in-sequence-Transporten der Automobil- und Automobilzulieferindustrie als auch vielen anderen termingebundenen Transporten der diversen Branchen, in denen jede Firma für sich tätig ist. „Die großräumigen Umleitungen sind für uns nicht zumutbar und existenzgefährdend“, so der Wortlaut. Die Unternehmen bitten den LBM Diez, die von ihm erlassene aktuelle verkehrsbehördliche Anordnung zu ändern und das bestehende Durchfahrtsverbot für LKW (Verkehrszeichen 253) auf der Alserberg-Brücke, die als Kreisstraße in der Straßenbauträgerschaft des Kreises steht, mit vor- und nachgelagerten Straßen „Am Güterbahnhof“ und Holschbacher Straße aufzuheben beziehungsweise eine Lösung für ihre dringend nötigsten Transporte zu finden. Großräumige Umleitungen beispielsweise gingen über das Siegtal Etzbach, Windeck, Waldbröl – ebenfalls gezeichnet von Baustellen – um ins von Wissen neun Kilometer entfernte Morsbach zu gelangen oder alternativ über Betzdorf, Freudenberg, Friesenhagen, was aufgrund der Straßenbeschaffenheit und enger Kurven als Strecke mit hohem Unfallrisiko eingeschätzt wird. Auch Wissener Firmen mit mehreren Betriebsstätten auf beiden Seiten der Sieg müssten diese weiten Wege tagtäglich fahren. Die Standorte in Wissen wären nicht mehr miteinander verbunden.

Rolle rückwärts unverständlich
Wie der LBM Diez kürzlich im Bauausschuss der Stadt in einer Sitzung ausgeführt hatte, ist die Brücke von der Auslastung her für Schwerlastverkehr geeignet. Tagtäglich passieren viele Schulbusse die Brücke. Umso unverständlicher sei nun die Rolle rückwärts, heißt es von den betroffenen Unternehmen, die bis zum Inkrafttreten der Umleitung in diesen Tagen davon ausgehen mussten, dass sie die Alserberg-Brücke nutzen könnten. Der Brief der Wissener Unternehmen ist unter anderem von den Transport- und Logistikunternehmen am Standort wie Brucherseifer und Rödder unterschrieben, aber auch von Unternehmen, die an oder in der Nähe der Brücke sitzen wie der Pflanzenhof Schürg oder die Firma Helmert, die tagtäglich die Alserberg-Brücke passieren müssen, um ihr Geschäft aufrecht zu erhalten. Sie sind beim Ausbau der Landesstrasse L 278 (Siegbrücke) und dem danach geplanten Ausbau der Holschbacher Straße (K 66) über Jahre von der Innenstadt abgeschnitten. (scan)
 
Nachricht vom 24.08.2019 www.ak-kurier.de