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Fußballlegende versprühte gute Laune
Einen Tag, nachdem der Klassenerhalt für den 1. FC Köln so gut wie gesichert ist, präsentierte sich Präsident Wolfgang Overath sichtlich entspannt im Forum von Pro AK und erzählte mit großem Humor Anekdoten aus seinem Leben als Fußballer und oberster Repräsentant des 1. FC Köln. Zuvor hatte Professor Dr. Jürgen Buschmann von der Deutschen Sporthochschule Köln spannende Einblicke in das Scouting für die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika gegeben.
Marienthal. Durch einen Heimsieg gegen den VfL Bochum am Freitagabend hat der 1. FC Köln den Klassenerhalt nun so gut wie sicher. Sichtlich entspannt präsentierte sich daher Präsident Wolfgang Overath beim Forum von Pro AK im Waldhotel Imhäuser in Marienthal. Stets einen amüsanten Spruch auf den Lippen, erzählte der einstige Ausnahmekönner am runden Leder Anekdoten aus seiner Karriere und von seinen Herausforderungen und Leiden als Präsident des 1. FC Köln. Dabei blickte er zurück auf seine erfolgreiche Karriere beim 1. FC Köln und in der Nationalmannschaft, äußerte sich aber auch zur besonderen Situation in der Domstadt und zur Zukunft seines Klubs.
Der einstige Mittelfeldregisseur verwies auf die riesigen Erwartungen zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident im Juni 2004, die bis heute anhalten. Man habe fälschlicherweise angenommen, er könne mit seinen Kontakten jeden Spieler nach Köln holen, sagte Overath, der zugleich auf die Strukturen im Verein zu sprechen kam. "Der Vorstand hat die absolute Macht", betonte Overath, in das Tagesgeschäft sei er jedoch nicht involviert. Ausgestattet mit allen Freiheiten, ist Overath die Autoritätsperson in Köln und zugleich ein Garant für die große Euphorie der letzten Jahre. Unter seiner Amtszeit verdreifachte sich die Mitgliederzahl auf mittlerweile an die 55.000. Die Zuschauer strömten ins Stadion, auch wenn die Mannschaft schlecht spiele. Dies sei unbeschreiblich und nicht zu erklären, "das gibt es bei keinem anderen Verein", so Overath. Damit es auch sportlich weiter bergauf geht, will man die Reihe an erfahrenen Spielern vor allem mit jungen Talenten, am besten aus dem eigenen Nachwuchs, ergänzen. Ein Vorhaben, das sich vor allem im Abstiegskampf als schwierig erweise, wie Overath anmerkte. Der Druck durch die Medien sei in Köln schon sehr groß. Von Zeit zu Zeit sieht er sich aber auch selbst genötigt, ein Machtwort mit den Spielern zu sprechen. So habe er sich nach der bitteren Heimniederlage (0:3) gegen Hertha BSC Berlin den Spielerrat um Podolski, Novakovic und Mondragon vorgeknöpft, verriet er den Zuhörern in Marienthal.
Seine erfolgreiche Karriere startete Overath bei seinem Heimatverein Siegburger SV 04. 1962 wechselte er zum 1. FC Köln, für den er in der Bundesliga 409 Spiele absolvierte und 83 Tore schoss. 1964 wurde er Deutscher Meister, 1968 und 1977 DFB-Pokalsieger. Zum Ende seiner Karriere durfte er noch unter Hennes Weisweiler spielen, laut Overath "einer der größten Trainer aller Zeiten", der das Beste aus den Spielern herausgeholt habe. Für die Deutsche Nationalmannschaft lief der Sympathieträger 81 Mal auf und erzielte 17 Tore. Den Höhepunkt seiner Karriere stellt für Overath der Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land dar. "Weltmeister zu werden ist das größte, was es gibt", sagte er. Weiter erzählte er von seinen drei Weltmeisterschaften, seinem Konkurrenten in der Nationalmannschaft, Günther Netzer, und dem damaligen Bundestrainer Helmut Schön. Seine beste Weltmeisterschaft habe er 1970 in Mexiko gespielt, während er vor der WM 1974 mit einem Leistungstief zu kämpfen gehabt habe. Im Trainingslager von Malente habe er sich dann aus seiner Krise befreien und wieder voll auf Fußball konzentrieren können. Diese Zeit beschrieb er als eine Art Sinnkrise in seinem Fußballerleben, und gerade der psychischen Verfassung sprach er bei allen fußballerischen Qualitäten eines Spielers eine große Bedeutung zu. "Zum Fußball gehört 80 Prozent Selbstvertrauen", so Overath.
In der lockeren Gesprächsrunde gab Overath auch ganz private Einblicke in sein Leben. Auf Rücksicht auf seine Frau und seine Familie habe er alle Angebote aus dem Ausland damals abgelehnt. Eine Rolle habe auch die Verbundenheit zum Rheinland gespielt. Halt gebe ihm neben der Familie auch das Vertrauen in Gott. "Der Glaube hilft mir in vielen Situationen", offenbarte Overath, der im letzten Jahr den Jakobsweg gewandert war.
Ein Lob gab es von Overath für Rewe-Vorstand Josef Sanktjohanser und die gute Partnerschaft in den letzten Jahren. Seit 15 Jahren, in denen man eine Freundschaft aufgebaut habe, kenne man sich nun schon. Und so hatte Sanktjohanser auch eine witzige Anekdote zu erzählen. "An Gott kommt keiner vorbei", habe einmal auf einem Plakat in Marienthal gelesen. Darunter habe jemand geschrieben: "außer Wolfgang Overath".
Spannende Einblicke in das Scouting für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gab Professor Dr. Jürgen Buschmann, Direktor des Zentrums für Olympische Studien der Deutschen Sporthochschule Köln. Buschmann stammt - ebenso wie Sanktjohanser - aus Wissen. Schon für die WM 2006 in Deutschland hatte die Scouting-Abteilung, die für die Bundesliga und die deutsche Nationalmannschaft tätig ist, alle 31 teilnehmenden Mannschaften analysiert. So erinnerte Buschmann an den Zettel-Trick von Torhüter Jens Lehmann, der die Angewohnheiten der gegnerischen Elfmeterschützen bestens kannte. "Die Informationen kamen von uns", verkündete Buschmann, der in seiner aktiven Zeit für den VfB Wissen spielte. Der Fußballfachmann erklärte, welch‘ enormer Aufwand nötig ist, um die einzelnen Gegner der Deutschen Nationalmannschaft ausreichend zu studieren. Bei der kommenden Weltmeisterschaft in Südafrika heißen die Gegner Australien, Ghana und Serbien, deren Spieler bei den Top-Klubs in ganz Europa verteilt sind, wie Buschmann in seiner Präsentation anschaulich darstellte. Um an Informationen über die einzelnen Mannschaften und Spieler zu gelangen, kontaktiert man daher selbst die deutschen Botschaften im Ausland.
In der Vorbereitung auf die WM 2010 werden natürlich die deutschen Gruppengegner sowie potentielle Gegner im Laufe des Turniers besonders beobachtet. Gründliche Medienrecherche und Videoanalyse stehen auf dem Plan. In Köln stellen 60 Studierende
jene Daten zusammen, die für den Bundestrainer wichtige Hinweise enthalten können. Mittlerweile habe man "eine der größten Datenbanken der Welt". Das Scouting erfolgt nach einer gemeinsam erarbeiteten Spielphilosophie, nach 50 Leitlinien wird die Spielsichtung durchgeführt. Jede Menge Papier und DVDs mit Informationen bekommen schließlich Urs Siegenthaler und Hansi Flick vom Trainerteam des DFB. Sie selektieren die Informationen noch einmal, bevor sie schließlich Bundestrainer Joachim Löw erreichen. Vor Länderspielen wird für jeden Spieler ein kurzer Film zusammengestellt, der über das Land und die Mentalität des Gegners informieren soll.
Wie detailliert bei der Auswertung vorgegangen wird, konnte man schon bei der Präsentation erahnen. Allein in einem Spiel finde man etwa 1500 Aktionen, die man analysieren könne. Da kommen bei den etlichen Ligen und tausenden von Spielern einige Werte zusammen. Jeder Pass, jeder Zweikampf, fließt in die Statistik ein. Beispielhaft präsentierte Buschmann die Werte des 1. FC Köln für die Hinrunde der aktuellen Saison. 172 Flanken aus dem Spiel und 163 Schüsse hat Köln in der Hinrunde abgegeben und liegt damit weit unter dem Bundesliga-Durchschnitt. Die Kritik an Star Lukas Podolski sei jedoch unberechtigt, dies belege die Statistik auch.
Die Veranstaltung von Pro AK stand unter dem Motto "Fußball gestern, heute, morgen". Ulrich Schmalz, Vorsitzender von Pro AK, bedankte sich im Namen der Initiative für die "wunderbare Veranstaltung". (Thorben Burbach)
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In Marienthal drehte sich dieses Mal alles um das runde Leder: Professor Dr. Jürgen Buschmann (DSHS Köln), Ulrich Schmalz, Vorsitzender von Pro AK, FC-Präsident Wolfgang Overath und Rewe-Vorstand Josef Sanktjohanser hatten sichtlich Spaß in Marienthal. Fotos: Thorben Burbach
   
Nachricht vom 18.04.2010 www.ak-kurier.de