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"Auf dem Steinchen" in Altenkirchen: Sanierung frühestens 2021
Ganz sachte erwacht in Altenkirchen die Sanierung der Straßen des Baugebietes "Auf dem Steinchen" aus dem Dornröschenschlaf. Ersten planerischen Überlegungen, wie die Abwasserkanäle erneuert werden können, nimmt sich die Firma Planeo Ingenieure aus Hachenburg an. In dem jetzigen frühen Stadium soll unter anderem gecheckt werden, inwieweit ein Misch- oder ein Trennsystem Sinn macht und wie der Anschluss an die bestehende Leitung in der Kumpstraße als Fixpunkt erfolgen kann.
Der Lohmühlenweg (links), die Umgehungsstraße (oben) und die Kumpstraße (rechts und unten) bilden die "Grenzen" des alten Altenkirchener Baugebietes "Auf dem Steinchen". (Foto: Verbandsgemeindeverwaltung Altenkirchen)Altenkirchen. Lange, lange schon steht die Sanierung der städtischen Straßen im Baugebiet "Auf dem Steinchen" in Altenkirchen auf der Prioritätenliste für die Aufpäppelung der lokalen Verbindungen. Immer und immer wieder wurden andere Projekte aufgrund nachvollziehbarer Gründe vorgezogen. Nun ist ein wenig Schwung in das große Projekt auf dem Höhenrücken zwischen Umgehungs- und Kumpstraße gekommen: Der Werkausschuss der Verbandsgemeinde Altenkirchen erteilte in seiner jüngsten Sitzung am frühen Montagabend (23. September) einstimmig der Firma Planeo Ingenieure aus Hachenburg den Auftrag, die Grundlagenermittlung und die Vorplanung für die Erneuerung der Abwasserbeseitigungsanlage anzugehen. Bei geschätzten Baukosten von 1,5 Millionen Euro fallen Honorarkosten in Höhe von 31.071 Euro an.

Baubeginn nicht vor dem Jahr 2021
Die Stadt Altenkirchen will, und das wurde in der Zusammenkunft deutlich, nicht vor dem Jahr 2021 mit der Erneuerung beginnen. In dem jetzigen frühen Stadium soll gecheckt werden, inwieweit ein Misch- oder ein Trennsystem Sinn macht und wie der Anschluss an die bestehende Leitung in der Kumpstraße als Fixpunkt erfolgen kann. Parallel soll eruiert werden, ob bei einem Trennsystem, das heißt Oberflächen- und Schmutzwasser in unterschiedlichen Bahnen, der Bau eines Regenrückhaltebeckens in welcher Form auch immer gelingen kann. Fest steht, dass das noch betriebene Netz für die braune Brühe Korrosionsschäden aufweist, mit Einstürzen aber nicht unbedingt zu rechnen ist. Immerhin handelt es sich nach wie vor um die Erstausstattung, während die Wasserleitungen in den Jahren 1999 und 2000 nach Auskunft der Verbandsgemeindewerke getauscht wurden. Letztendlich spielt für die Anlieger und die Kommune der Ausgang des gerichtlichen Streits um die Straßenausbaubeiträge eine immense Rolle bei der Finanzierung der Maßnahme. Egal wie der Widerstreit endet: Erste Pläne liegen mit Urteilsspruch in der Schublade, auf denen aufgebaut werden kann.

Überlegungen begannen in den 1950er-Jahren
Das Baugebiet "Auf dem Steinchen" geht auf Überlegungen zurück, die Ende der 1950er-Jahre gemacht wurden. Der damalige Stadtrat unter Führung von Bürgermeister Dr. Emil Haas (SPD) beschäftigte sich laut einer Veröffentlichung von Hans Helzer im Heimatjahrbuch 2008 des Kreises Altenkirchen mit der Frage, wo die Stadt ein größeres Neubaugebiet ausweisen könne. "Dr. Haas teilte dem Rat mit, man habe 120 wohnungssuchende Familien registriert", blickte Helzer zurück. In dem Gremium kam der Gedanke auf, die damals noch weitgehend von landwirtschaftlichen Flächen geprägte und unbebaute Glockenspitze für eine Wohnbebauung zu erschließen. Wegen der für diesen Plan ermittelten hohen Kosten für die Wasserversorgung habe man das Steinchen vorgezogen. Der Rat legte dann schon die Straßennamen fest: Auf dem Steinchen, Auf dem Rähmchen, Finken-, Schwalben- und Lohmühlenweg. Gleichzeitig beschloss er, in dem neuen Baugebiet sollten nur Häuser mit einem bzw. anderthalb Stockwerken entstehen. Auch die Dachneigung wurde festgelegt.

14.000 Quadratmeter für den Straßenbau
Aus ihrem Grundbesitz stellte die Stadt nach Helzers Ausführungen 14.000 Quadratmeter für den Straßenbau und 2097 Quadratmeter für einen Spielplatz zur Verfügung. 1958 wurde die rund zehn Hektar große Fläche mit der Flurbezeichnung "Das Steinchen" zum "Aufbaugebiet" erklärt. Der Plan wurde am 7. Juli 1959 von der Bezirksregierung Koblenz genehmigt. Nach den damaligen Gepflogenheiten hatten die Grundstücke durchweg eine Größe zwischen 800 und 1.100 Quadratmetern. Bis auf ganz wenige sind heute alle bebaut. Die Grundstücke "Auf dem Rähmchen" konnten nicht in den Plan inkludiert werden, da der Ausbau der Straße schon vor dem Inkraftreten des Bundesbaugesetzes erfolgte. Nicht einbezogen wurden ebenfalls zahlreiche Grundstücke an der Kumpstraße. Fußwege von der Kumpstraße, vom Lohmühlenweg und zum Spielplatz entstanden.

Erschließung kostete 676.000 Mark
"Der Gesamtaufwand der Erschließung betrug 676.000 Mark", schrieb Helzer. Davon waren 426.000 Mark umlagefähig (75 Prozent). Die Stadt schoss 250.000 Mark zu. Im Dezember 1967 erhielten die Haus- und Grundbesitzer ihre Beitragsbescheide. 75 Prozent der Kosten wurden je zur Hälfte nach Frontlänge und Grundstücksgröße berechnet. Die 2.667 Meter Frontlänge an den Straßen wurden je Meter mit rund 80 Mark belastet. Die bebaubare Fläche von 101.000 Quadratmeter kostete die Bauwilligen je Quadratmeter circa 2,10 Mark. In den folgenden Jahrzehnten dehnte sich die Kreisstadt weiter aus. Im Leuzbacher Feld entstanden nach dem Bau des Krankenhauses neue Straßen und Häuser. Diese Entwicklung wurde aber übertroffen durch die Bebauung rund um das Hofgut Honneroth in den 1970-, 1980- und 1990er-Jahren. (hak)
Nachricht vom 24.09.2019 www.ak-kurier.de