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Unverständnis bei Wissener Ärzteschaft über BDZ-Schließung
In einem offenen Brief wendet sich der Landtagsabgeordnete Heijo Höfer an den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz als Reaktion auf die Ankündigung zur Schließung der Bereitschaftsdienstzentrale in Wissen. Darin kritisiert er die Entscheidung, und auch die Wissener Ärzteschaft zeigt Unverständnis.
(Symbolbild:  Darko Stojanovic/Pixabay)Wissen. Die Ankündigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Rheinland-Pfalz, die Bereitschaftsdienstzentrale unter anderem in Wissen zum 1. Juli schließen zu wollen, sorgt für Aufregung und Empörung im Kreis Altenkirchen.
Auch auf Seiten der Ärzteschaft in Wissen herrscht Unverständnis gegenüber der Entscheidung der KV. In Anbetracht des zunehmenden Hausärztemangels im Raum Wissen und Teilen der VG Hamm stelle diese BDZ eine wichtige Säule der Patientenversorgung an Wochenenden und Feiertagen dar, heißt es in einer von Dr. Katrin Salveter, stellv. Vorsitzende des Ärztenetzes Hamm- Wissen e.V. und Dr. Michael Theis, Obmann der Kreisärzteschaft Altenkirchen, unterschrieben Mitteilung am Donnerstag. Trotz der defizitären Finanzlage der BDZ sei eine ortsnahe medizinische Daseinsvorsorge in Form eines hausärztlichen Bereitschaftsdienstes auch in der Fläche und bei vergleichsweiser geringer Bevölkerungsdichte wichtig und unverzichtbar. Das gelte in ganz Rheinland-Pfalz, wo die meisten der Menschen, gerade Ältere in ländlichen „dünnbesiedelten“ Räumen wie in Wissen und Hamm leben.

Wie aus der Mitteilung auch hervorgeht, wurde die Ärzteschaft vor Ort von der KV Rheinland Pfalz vor der Ankündigung der Schließung weder gefragt noch informiert, sondern per Brief vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies vor dem Hintergrund, dass jeder Arzt den ärztlichen Bereitschaftsdienst mit 270 Euro im Monat gegenfinanziert, wie Salveter und Theis hervorstellen. Es müsse die Frage erlaubt sein, ob kleinere BDZs wie das in Wissen immer kostendeckend arbeiten müssen, oder ob nicht große, gut funktionierende und lukrative BDZs in Städten in Rheinland-Pfalz gerade solche kleineren wie in Wissen mitfinanzieren müssten. Dr. Michael Theis und Dr. Katrin Salveter weiter: „Wir erwarten von der KV Rheinland-Pfalz zeitnah konkrete Informationen und zeitnahe Lösungsansätze, die den Erhalt der BDZ Wissen zum Ziel haben müssen.“

Die Ärzteschaft in Wissen widerspricht auch den Darstellungen der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz zur Bereitschaftsdienstreform. Wenn dort von nur „zwei Fällen“ je geöffneter Stunde in Wissen die Rede ist, dann sei das lediglich ein „Durchschnittswert. In diesem Wert seien nicht nur die Besuche im BDZ enthalten, sondern auch die Hausbesuche, die durch die Wegezeiten jetzt schon viel Zeit in Anspruch nehmen. Auch sind keine Stoßzeiten bzw. „Arbeitsspitzen“ wie beispielsweise an Weihnachten, bei Grippeepidemien oder an Brückentagen darin enthalten, wo dann für die Menschen, die aus der VG Wissen und dem Raum Hamm kommen, überhaupt kein Angebot mehr in der Mitte des Kreises existiere. Problematisch ist das auch für die drei Seniorenheime in Wissen und in Birken-Honigessen. Diese würden dann künftig nicht mehr von Wissen, sondern mit einer zentralen Fahrbereitschaft versorgt, die viele Stunden unterwegs, somit lange Wegezeiten hat ist und die Patienten nicht kennt. Daher müsse es in Wissen weiter einen Sitz geben, so die beiden Mediziner abschließend.

Heijo Höfer: Lösung für Versorgung finden
Heijo Höfer, MdL, wendet sich in einem offenen Brief an Dr. Peter Heinz, den Vorstandsvorsitzenden der KV. Er kritisiert, dass „keine Rücksicht auf die medizinische Versorgungsstruktur vor Ort genommen wird...für Patientinnen und
Patienten aus dem Raum Wissen bedeutet die Entscheidung, dass sie zukünftig an
Wochenenden und Feiertagen weite Wege fahren müssen.“

Heijo sieht zudem kritisch, „dass beim Thema Gesundheitsversorgung die
rheinland-pfälzische Landesregierung von der Bevölkerung immer wieder in die Pflicht
genommen wird, obwohl das Land auf Entscheidungen der Kassenärztlichen Vereinigung keinen
Einfluss nehmen kann und darf; es sei denn, geltendes Recht würde verletzt.“ Für ihn stelle sich daher die Frage, „ob die derzeitige ärztliche Selbstverwaltungsstruktur noch eine angemessene Organisationsform für die Zukunft darstellt.“ Abschließend bringt Höfer seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es mit einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligter gelingt, eine Lösung für die Versorgung der Menschen im ländlichen Raum zu finden.“

Die Wissener CDU schließt sich der Kritik an: „Es kann nicht sein, dass in Anbetracht des zunehmenden Ärztemangels nun auch noch die BDZ geschlossen werden soll. Wenn dieser Schritt nun so vollzogen wird, dann haben wir ein ernsthaftes Problem in unserer lokalen Gesundheitsversorgung. “, so der Vorsitzende Michael Rödder zur derzeitigen Sachlage. Gleichzeitig monieren die Christdemokraten, dass ein Ausweichen zu den übrigen Standorten Kirchen und Altenkirchen besonders für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen eine Zumutung sei. Schließlich sei die BDZ am Standort Wissen unentbehrlich, da auch viele Patienten aus den umliegenden Ortschaften und angrenzenden Gemeinden den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen. Ebenfalls besorgt reagierte das CDU-Mitglied Robert Leonards auf die angekündigte Schließung: „Gerade in unserer ländlichen Region ist ein flächendeckendes Gesundheitsmanagement unentbehrlich. Die von der KV skizzierte desolate Finanzlage der BDZ darf hier kein ausschlaggebendes Argument für eine Schließung sein.“

Unterschriftenaktion als Protest gestartet
Auch Landrat Dr. Peter Enders, Wissens Bürgermeister Michael Wagener und Stadtbürgermeister Berno Neuhoff hatten die Entscheidung der KV bereits scharf kritisiert, die „klar zu Lasten der Gesundheitsversorgung der Menschen an Wochenenden, Feier- und Brückentagen“ gehe, wie sie am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung verlauten ließen. Gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten rufen sie zum Protest in Form einer Unterschriftenaktion auf. Entsprechende Listen liegen ab sofort in allen Arztpraxen, in Apotheken, in den drei Seniorenheimen in Wissen und Birken-Honigsessen, bei großen Firmen, bei den Regionalen Banken und bald im Einzelhandel in Wissen aus. Die Aktion ist ein erster Schritt und läuft bis 5. März, so die Initiatoren. (PM/red)
 
Nachricht vom 13.02.2020 www.ak-kurier.de