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Wirtschaft
Bei Rewe online bestellen – und nach Hause liefern lassen
Frisches Obst und Gemüse, Brot und Eier online bestellen, im Lager wird alles automatisiert zusammenstellt, verpackt und ausgeliefert: Lebensmittel? Das hört sich futuristisch an. Ist es aber nicht: Bei REWE digital GmbH hat diese Zukunft bereits begonnen. 2018 wurde das erste Food Fulfillment Center 2.0 in Köln eröffnet. Von dieser zukunftsweisenden Entwicklung und millionenschweren Investition erzählte Dr. Robert Zores, Geschäftsführer Technologie, am Dienstagabend (11. Februar) beim 15. Innovation-Talk von WW-Lab in Betzdorf.
Beim Innovation-Talk in Betzdorf (Foto: tt)Betzdorf. Das Interesse an dem Vortrag von Dr. Robert Zores war groß, als Hartmut Lösch, Inhaber von WW-Lab, zum Innovation-Talk begrüßte und den Partnern und Sponsoren dankte. Es war die 15. Auflage, freute sich Lösch über die Kontinuität der informativen Veranstaltungsreihe, die auch immer Raum für den kreativen Austausch lässt. Unterstützt wird die Veranstaltung unter anderem von der IHK-Regionalgeschäftsstelle Altenkirchen, die mit Geschäftsführer Oliver Rohrbach vertreten war. Lars Kober von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Altenkirchen hatte ebenfalls seinen Platz eingenommen, um zu hören, was der Fachmann in Sachen Digitalisierung zu erzählen hatte. Zores sei der bislang hochkarätigste Referent, freute sich Lösch über das Kommen des Geschäftsführers, der in Europa und den USA ein viel beachteter Referent sei. REWE digital sei Wegbereiter bei der digitalisierten Lieferung von Lebensmitteln der REWE Group, meinte Lösch. Das Unternehmen sei die treibende Kraft im digitalisierten Lebensmittelhandel.

„Food Fulfillment 2.0 – Beton in den Wänden, KI im Kopf!“ lautete das Thema, zu dem Zores. Um KI, also künstliche Intelligenz, ging es auch, als Zores in den Räumlichkeiten an der Viktoriastraße sich eines wichtigen Themas annahm und die Frage voranstellte: Wie geht es mit der Nahversorgung weiter? Für ihn ist es hier eine Hightec-Region, sagte Zores mit Verweis auf die Universität Siegen. Er fragte, wer den schon Lebensmittel bei einem großen Online-Händler bestellt habe. Einige wenige im Raum hatten das schon getätigt. Bei frischen Lebensmittel werde dies nur in zwei Städten gemacht, informierte Zores. Er spannte den Bogen über große Onlinehändler und griff den Gedanken auf, wie man solchen Unternehmen etwas entgegensetzen könne. Die REWE sei eine klassische Genossenschaft. „Mit 3500 Genossinnen und Genossen, die für ein Traditionsgeschäft stehen.“ In seinem eloquenten und launigen Vortrag erörterte er auch, was das Technologische „mit uns und unseren Märkten macht“, und was man versuche, dem entgegen zu setzen“. Der Geschäftsführer war sich sicher, sich dies nicht in den Städten abspielen werde, sondern in der Fläche, dem ländlichen Regionen, stattfinde.

Größte Herausforderung für Deutschland in den nächsten Jahren
Der Referent, der über „KI“ promoviert hat, stellte heraus, dass das alles kein neues Thema sei. Wichtig sei es jedoch, wie man damit umgehe. Er sieht darin die größte Herausforderung für Deutschland in den nächsten fünf Jahren. Dort wiederum habe man so viel Angst vor Technologie, meinte er und gab Entwarnung: „Es ist banale Mathematik.“ Dennoch: Natürliche Intelligenz ist besser als künstliche, sagt auch Zores, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Reise in die Welt von REWE digital mitnahm. Die begann bereits dort, als noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterwegs waren, um per Hand den Warenkorb zu füllen. Über das manuelles Food Fulfillment kam er auf den Kern: Das automatisierte Center. Das stellt sich auf mehreren 1000 Quadratmetern im „Kingstyle“ dar – und stellte die Macher vor große Herausforderungen. Es geht nicht nur um die Tatsache, dass auch empfindliche Produkte automatisiert bewegt werden müssen, sondern auch um ein Dutzend Temperaturzonen. „Das ist Ingenieurleistung“, betonte Zores. Die Temperaturen bewegen sich zwischen minus 28 Grad Celsius und plus 18. Es gehe darum, dass die Banane nicht tiefgekühlt und die Pizza flach statt wellig bei der Kundschaft ankommen, verdeutlichte er die An- und Herausforderungen, denen sich das Unternehmen gestellt und gemeistert hat.

In der Nähe von Köln wurde das Center in 18 Monaten hochgezogen. Hier können 46 kleine Lieferwagen gleichzeitig beladen werden und in die Region ausschwärmen, um die Onlinebestellung an die Haustüren zu bringen. Natürlich wurden auch die Andocksysteme so konzipiert, dass es an der Beladungszone im Laderaum des Lieferwagens weder zu warm noch zu kalt wird. Ein Stichwort ist die Kerntemperatur, die von der Lebensmittelverordnung vorgegeben wird. „Nichts, was es in dem neuen Markt gibt, kann man von der Stange kaufen“, verdeutlichte Zores die vielfältige Leistungen und Techniken, die in dem Center stecken. Allein auf Einkaufskörbe habe man im Laufe der Entwicklung zehn Patente erhalten, sagte er mit einem Schmunzeln und verdeutlichte auch hier die Anforderungen, um es perfekt zu machen, nicht zuletzt die Abläufe.

Aus Umweltgründen bewusst für Papiertüten entschieden
Hinter all dem stecke eine starke IT-Architektur. Im Wesentlichen werde die Software selbst geschrieben, sagte der Geschäftsführer, der dies als eine Kernaufgabe von REWE digital sieht. Natürlich muss alles auch verpackt werden. Dabei habe man sich aus Umweltgründen bewusst für Papiertüten entschieden, und nicht für die Exemplare aus Plastik. Know-how und Digitales steckt auch dahinter, dass nicht am Ende die Eier zu unterst an den Packstationen in die Tüte kommen, aber auch der Fahrer beim Ausliefern genau weiß, in welcher Reihenfolge der Wagen beladen ist. Also, dass die bestimmte Kiste mit den Waren greifbar ist, wenn die entsprechende Lieferanschrift erreicht ist.

„Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wo die Waren sind und wo sie hin müssen“, sagte Zores. Das Unternehmen baue Technologien auf, die auch für andere interessant sein können, „mit mehr als 600 Entwicklern können wir was leisten“. Für den Geschäftsführer steht auch fest, dass „unsere Wertschöpfungskette von neuen Technologien aufgewertet wird.“ Der Referent erwähnte auch Stichwort wie Drone Delivery (Auslieferung mit Drohnen) und Self Driving (selbstfahrende Autos). Letzteres machte er an einem konkreten Beispiel fest: Man werde nicht ausreichend Fahrerinnen beziehungsweise Fahrer einstellen können. Es seien deshalb Themen, die man jetzt schon weiterentwickeln müsse.

Markt für Lebensmittel verändert sich
„Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, den gesamten deutschen Markt für Lebensmittel zu verändern“, sagte der REWE-Vertreter, für den auch die Frage wichtig ist: „Wie setzten wir die künstliche Intelligenz und Technologie sinnvoll ein?“ Aus seiner Sicht sind zum Beispiel selbstfahrende Autos Dinge, in die man investieren müsse. Neben selbstfahrenden Autos stellte er auch die Möglichkeit vor, dass Menschen in mehr oder weniger großen, stationären Boxen ein gewisses Sortiment einkaufen können, wie in zum Beispiel die Bingo-Boxen in China. Über ein Erkennungssystem erhalte die Kundin oder der Kunde Zugang. „Das kommt auch auf uns zu“, war sich Zores sicher: „Wir sind noch ganz am Anfang.“ Der Geschäftsführer verstand es, die Zusammenhänge aufzuzeigen und zu erklären, mit möglichen Veränderungen im Lebensmittelhandeln vertraut zu machen, aber auch aufzuzeigen, wie Technologie und künstliche Intelligenz hier eingesetzt werden kann. Bei der Diskussion beantwortete Zores Fragen, und machte auch eine Markteinschätzung. Lebensmittelläden würden eher zurück gehen. Er vertrat die Meinung, dass es zu viele Verkaufsflächen gebe, die nicht rentabel seien, und so auch Läden schließen werden. Hier führte er das bekannte Sprichwort an: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

Positive Energiebilanz
Auch die Stichworte Nachhaltigkeit, CO2-Ausstoß und die Kühlung wurden aufgegriffen. Die Energiebilanz sei positiv, antwortete der Geschäftsführer. Die Fahrten seien ökologischer, und die Energiebilanz sei ökonomisch, aber Zores brachte mit einem Schmunzeln auch ein: „Darum macht sich, außer bei uns, in der Welt keiner einen Gedanken.“ Bei seinem Überblick führte Zores an, dass Lebensmittel, die man immer braucht, so ein Hightec-Thema seien, was jedoch die wenigsten Menschen wüssten.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher würde es lieben, weil es weniger Aufwand sei, berichtete er über das Angebot, Lebensmittel online über das Food Fulfillment Center einzukaufen. Nach dem automatisierten Zusammenstellen der Waren und Kommissionierung an den Packstationen wurde alles ausgeliefert. Letzteres, also der Tag und das Zeitfenster für die Auslieferung, werde bei der Onlinebestellung von den Kundinnen und Kunden gleich bei der Bestellung gebucht. Die Fahrerin beziehungsweise der Fahrer bringen die Einkaufstüte bis an die Haustüre. Tiefkühlkost in einer eigenen, dafür geeigneten Tüte, und Obst und Gemüse oder sonstige Lebensmittel in einer anderen. Es falle auch kein Müll an, außer der Papiereinkaufstüte.

Es kommt auf die Logistik an
Beim bislang letzten Innovation-Talk im November ging es darum, wie Handwerkerinnen und Handwerker auch nach der Ladenöffnungszeit noch in einem Geschäft selbst einkaufen können. Nun ging es darum, wie unter dem Stichwort Digitalisierung Online-Bestellungen im Lebensmittelbereich, die Waren zusammen gestellt werden und ihren Weg bis an die Haustüren der Endverbraucherinnen und Endverbraucher nehmen. Dass das nichts mehr damit zu tun hat, dass ein Mitarbeiter mit einem Wägelchen an Regalen vorbei geht und die bestellten Artikel in den Warenkorb legt, das wurde bei einem kurzweiligen und interessanten Vortrag von Dr. Robert Zorres schnell deutlich. Es zeigte sich auch, dass es eine Herausforderung ist, so etwas auf die Beine zu stellen, wie REWE digital es getan hat: Nach millionenschweren Investitionen wurde 2018 das Food Fulfillment Center 2.0 in der Nähe von Köln eröffnet.

Für WW-Lab.Inhaber Hartmut Lösch die entscheidende Botschaft des Abends ist es: „Es reicht nicht aus nur ein Online-Shop zu haben, sondern auch die Logistik dahinter, um alles abwickeln zu können.“ Während es bei dem Vortrag um die Onlinebestellungen von Lebensmitteln ging, war die dampfende Pizza per „Walking-Lieferung“ gebracht worden, wie Lösch schmunzelnd anmerkte und zum leckeren Imbiss und guten Gesprächen einlud. Der nächste Innovation-Talk wird sich der „Digitalisierung in der Versicherungsbranche“ annehmen. Am Dienstag, 16. Juni, wird dann Jürgen Arendt von der Debeka-Versicherungsgruppe als Referent erwartet. (tt)
       
 
Nachricht vom 14.02.2020 www.ak-kurier.de