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Nachricht vom 18.06.2020
Region
Der heimische Wald steht massiv unter Druck
Der Klimawandel und die damit verbundenen Folgen machen dem heimischen Wald immer mehr zu schaffen. Seit drei Jahren hat sich der Grundwasserspiegel nicht mehr erholt und neben den offensichtlichen Folgen, wie dem Absterben der Fichtenwälder, leiden auch viele andere Baumarten. Die Dramatik rund um das Ökosystem und auch Risiken für Waldbesucher schildert die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung.
v.l. Matthias Weber, Berno Neuhoff, Nicolaus Graf von Hatzfeldt und Dr. Franz Straubinger für mehr Bewusstsein zum Ökosystem Wald (Fotos: KathaBe)Wissen/Schönstein. Die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung, als einer der größten Waldbesitzer Deutschlands, betreibt auf einer Fläche von rund 15.058 Hektar in Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Thüringen eine ökologisch und ökonomisch ausgerichtete Waldwirtschaft. Allein der Bereich Wildenburg-Schönstein umfasst dabei 7500 Hektar.

Nicolaus Graf von Hatzfeldt sowie Dr. Franz Straubinger (Geschäftsführer der Hatzfeldt-Wildenburg´schen Verwaltung) und Matthias Weber (Leiter der Ferienbetriebe) erläuterten nun die dramatische Situation des Waldes. Wissens Bürgermeister Berno Neuhoff nahm ebenfalls am Gespräch teil.

Die Waldbestände sind durch die Trockenheit der zurückliegenden Jahre und damit der stetig steigenden Verbreitung der Borkenkäfer extrem geschädigt. Der fehlende Regen hinterlässt deutliche Spuren. „Wir sind die Trockenstraße in Deutschland“, gibt Graf von Hatzfeldt zu bedenken und Berno Neuhoff fügt hinzu, wie oft zu beobachten sei, dass die regenbringenden Wolken am Wissenerland bis hin zum Friesenhagener Land vorbei zögen. Immer mehr setzt die anhaltende Stresssituation den Fichten, nun aber auch Buchen, Eichen, Eschen und Bergahorn zu. Trotz des „Waldumbaus“ hin zu einem ökologischen Misch- und Naturwald, der bereits Mitte der 1980er Jahre begann, ist die Situation dramatischer denn je.

Mehr Druck durch Corona in der Waldwirtschaft
Allein die Trockenheit und der Borkenkäfer reichen derzeit, um die Waldbesitzer massiv unter Druck zu setzen. Dazu kommt eine erhöhte Waldbrandgefahr im Sommer. Ein weiteres Problem, welches Fachleute „Sommerbruch“ oder „Grünbruch“ nennen: Bei dem immer häufiger auftretenden Phänomen brechen betagte und augenscheinlich gesunde Bäume auseinander und verlieren sogar belaubtes Astwerk. Solche Schadstellen sind selbst durch Fachleute nicht immer erkennbar, da die Bäume ansonsten gesund aussehen.

Zur Zeit priorisiert man, zuerst das noch frisch vom Borkenkäfer befallene Holz zu fällen, damit möglichst eine Infizierung gesunder Bäume vermieden wird. Zudem kommt man der Verkehrssicherungspflicht nach, um waldtypische Gefahren zu verhindern und in dritter Instanz wird dafür gesorgt, das Totholz aus dem Wald abzufahren.

Dabei decken die schwindenden Holzpreise kaum noch die Ausgaben und man komme den Arbeiten schwer hinterher, erklären die Waldprofis – trotz einer vorliegenden Sondergenehmigung zum Abfahren auch am Wochenende. Nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ein enormer Kraftakt, den es zudem auch als „Ökosystem-Dienstleistung“ zu honorieren gilt.

Eine weitere Rolle spielt auch die Corona-Pandemie, die immer mehr Besucher in das Naherholungsgebiet Wald lockt. Aus touristischem Blickwinkel gewollt, müsse dies jedoch im bewussten Miteinander geschehen. Allein in einem der schönsten Bachtäler in der Region, dem Wippetal, nimmt der touristische Verkehr aus Nah und Fern immer mehr, zudem motorisiert, zu. Der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, hofft man auf gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz.

Ein Appell der Hatzfeldt-Wildenburg`sche Verwaltung an die Waldbesucher
Die geschilderten, oft teilweise nicht offensichtlichen Schäden, bergen enorme Gefahren. Daher bittet die Forstverwaltung um erhöhte Aufmerksamkeit beim Spazierengehen, Radfahren und auch Reiten. Im Wald und auf Waldwegen gilt grundsätzlich „Betreten auf eigene Gefahr“. Dabei sei es wichtig auf längere Aufenthalte unter alten Bäumen zu verzichten und bei der Nutzung von Wanderparkplätzen und generell beim Betreten des Waldes sollten immer die Bäume im Blick behalten werden. Das Abstellen von Pkw auf Wiesen und an den sensiblen Bach- und Flussufern muss vermieden werden. Bei stärkerem Wind ist generell von Waldbesuchen abzusehen.

Leider häufen sich gerade im Moment Fälle, wo Absperrungen nicht ernst genommen und Gefahrenzonen missachtet werden. Dr. Franz Straubinger appelliert, die „Spielregeln“ für die Waldbesuche zu beachten und hofft auf die Unterstützung der Öffentlichkeit in der angespannten Situation. Behinderungen im Bereich der Abfuhr- und Rettungswege, die oftmals ein Durchkommen der Holzlaster nicht mehr möglich machen, erschweren die Arbeiten. Besonders dramatisch kann dies werden, wenn aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr die Feuerwehren keine Möglichkeit haben zum Brandgebiet durch zu kommen. Niemand möchte sich dies bei der massiven Trockenheit ausmalen. Denn der Boden ist trotz des Regens der letzten Tage nach wie vor ab einer Tiefe von nur etwa drei bis fünf Zentimetern ausgetrocknet. Auch für lebenswichtige Rettungsfahrzeuge bleibt der Weg so zu Hilfebedürftigen versperrt.

Mehr Bewusstsein für den Wald: Alle sind verantwortlich
Man setze auf mehr Bewusstsein und Erklärung rund um den heimischen Wald, erläutern Graf von Hatzfeldt und Straubinger. Für die kommende Zeit beabsichtige man weitere Informationsbeiträge über Themen rund um das Ökosystem Wald im Hinblick auf die sich verändernden Situationen zu veröffentlichen.

Unter dem Motto „Gemeinsam! Für den Wald“ finden in diesem Jahr vom 18. bis 20. September die „Deutschen Waldtage“ statt (Veranstalter Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). In dem Zusammenhang möchte die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Forstverwaltung gemeinsam mit der Verbandsgemeinde auch im Wisserland einen Aktionstag für den Wald gestalten. (KathaBe)

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