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NI fordert Schutz der deutschen Rotbuchenwälder
Der Westerwald beeindruckt mit prächtigen Rotbuchenwäldern, die auch ausgezeichnetes Saatgut liefern. Anlässlich des Tages der deutschen Buchenwälder am 25. Juni stellt der Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI) in Kooperation mit der Bundes-Bürgerinitiative Waldschutz den Fachbeitrag „Rotbuchenwälder – Unser vergessenes Welterbe“ von Norbert Panek vor und fordert mehr Schutz für deutsche Buchenwälder.
SymbolfotoRegion. „In der vorliegenden Schrift möchte ich einmal mehr auf die Bedeutung und den Status unserer in ‚Vergessenheit‘ geratenen Buchenwälder aufmerksam machen, die nicht nur unser nationales Naturerbe präsentieren, sondern ein Stück weit auch unser kulturelles Erbe“, betonte Norbert Panek, Buchenwaldexperte und Fach- und BucHektarutor.

Ehemals wuchsen sie in Mitteleuropa überall, heute müssen wir unsere Buchenwälder schützen, denn sie gehören zu den am meisten bedrohten Lebensräumen. „Deutschlands Buchenwälder sind trotz des bestehenden Natura 2000-Schutzregimes stark gefährdet. Sie stellen die von Natur aus prägende Vegetation Deutschlands dar. In den vergangen Jahrhunderten wurden die Buchenwälder in Deutschland jedoch mit nur noch 8 Prozent ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete auf Restareale zurückgedrängt. Alte, über 160 Jahre alte Buchenwälder sind so gut wie nicht mehr vorHektarnden, obwohl hier die Biodiversität am höchsten ist“, erklärte Hektarrry Neumann, Bundes- und Landesvorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. (NI).

Der alternative Waldzustandsbericht der Naturwald Akademie Lübeck kommt zu dem Ergebnis, dass sich alle Buchenwaldtypen aus Naturschutzsicht in einem dramatischen Zustand befinden.

Von den bisher europaweit 92.000 Hektar ausgewiesen UNESCO-Welterbeflächen fallen auf Deutschland nur 4.400 Hektar. Diese reichen aber bei weitem nicht aus, um den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden. Bislang wurde noch nicht einmal das Ziel der bundesweiten Biodiversitätsstrategie erreicht, 5 Prozent der Wälder bis 2020 aus der Nutzung zu nehmen. Wie eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) aus 2019 zeigt, konnte sich der Wald auf nur 2,8 Prozent der Waldfläche natürlich entwickeln. Das ist aus Sicht des Naturschutzes eine sehr ernüchternde Bilanz.

„Die derzeitige Waldpolitik hat den Wald in großen Teilen zum Industriegebiet und Holzlager degradiert. Angesichts der dramatischen Zustände wäre es aber notwendig, länderübergreifend und über alle Waldflächen hinweg nutzungsfreie Schutzgebiete, Naturwaldreservate, Wildnisgebiete und weitere Nationalparke nach einheitlichen Kriterien einzurichten und vor allem auch zu vernetzen“, betonten Norbert Panek und Harry Neumann.

Die Naturschutzinitiative e.V. (NI) und Norbert Panek fordern daher:
1. eine grundlegende waldbauliche Neuorientierung im Sinne einer ökosystemorientierten Waldbewirtschaftung
2. Einrichtung von großen und kleinen nutzungsfreien Schutzgebieten, 10 Prozent der Wälder aus der Nutzung nehmen und zu Urwäldern von morgen entwickeln
3. Sofortigen Holzeinschlagstopp in staatlichen Wäldern mit über 120-jährigen Buchenbeständen zur Sicherung der ökologischen Substanz
4. Errichtung eines weiteren Nationalparkes in Nordrhein/Westfalen, Hessen und in Rheinland-Pfalz
5. Die Bewirtschaftung von Wäldern muss entsprechend der Europäischen Biodiversitätsstrategie naturnah erfolgen. Besonders schädlichen Praxen wie Kahlschläge und Schirmschlag müssen eingestellt werden. Während und nach Hitze- sowie Dürreperioden muss die Waldnutzung reduziert und in empfindlichen Wäldern eingestellt werden
6. Die energetische Holznutzung und der Papierverbrauch innerhalb der EU müssen deutlich reduziert werden. Die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ist am Prinzip der Kaskadennutzung auszurichten. Frischholzverbrennung ist einzustellen. Die Holzmobilisierung ist erheblich zu reduzieren.
7. Keine Aufforstung mit Fremdbaumarten, schon gar nicht in Natura 2000-Gebieten, Vorrang für die natürliche Sukzession
8. Schutz des natürlichen Wald-Innenklimas, der Böden und der Wasserretention
9. Das umfassende Kernziel des Naturschutzes in Buchenwäldern muss eine zeitliche und räumliche Kontinuität des Waldstandortes, des Waldbodens und der Baumarten sein. Nur so können alle Waldentwicklungsphasen nebeneinander existieren, sich alte Bäume und verschiedene Totholztypen und -dimensionen sowie vielfältige Mikrohabitate entwickeln.
10. Gerade in Anbetracht des aktuellen Fichtensterbens brauchen wir mehr naturnahe Wälder, keine Aufforstung mit Fremdbaumarten, Vorrang für die natürliche Sukzession, Schutz des natürlichen Wald-Innenklimas, der Böden und der Wasserretention, keine Windkraft im Wald und den Wald als großflächiges Ökosystem für Flora und Fauna.
11. In naturnahen und geschlossenen Wäldern sind Bäume überwiegend robust gegenüber den momentanen Stressfaktoren. Gerade jetzt wäre es an der Zeit, dass sich die Bewirtschaftung unserer Wälder an ökologischen Gesichtspunkten ausrichtet und gescheiterte Betriebsmodelle aufgibt
12. Der Forst muss dringend auch wieder mehr Personal bekommen, damit er seiner ökologischen Verantwortung auch nachkommen kann. In jedem Forstamt sollten zur Unterstützung der Förster für einen verstärkt ökologisch ausgerichteten Waldbau auch Ökologen, Biologen und Wildbiologen eingesetzt werden. (PM)
 
Nachricht vom 24.06.2020 www.ak-kurier.de