AK-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Kreis Altenkirchen
Wirtschaft
Modulräume werden zum Zukunftsmodell mit vielen Einsatzbereichen
Die Kindertagesstätten „St. Elisabeth“ in Birken-Honigsessen und „St. Katharina“ in Schönstein sollen erweitert werden. Der Grund für diesen Beschluss, der bereits im März 2019 fiel, ist denkbar einfach: Die Anzahl an Betreuungsplätzen ist knapp – zu knapp. Und der Bedarf wird weiter steigen. Mit der geplanten Erweiterung kann die Kommune diesem Bedarf nun aber nicht wie geplant begegnen, denn der Stempel „dauerhaft leistungsunfähig“, den die Kommunalaufsicht als Antwort auf die Erweiterungspläne zückte, machte die Pläne zunichte. Zu teuer seien die Projekte, bei denen in Summe 2,8 Millionen in die Erweiterungen der beiden Kitas geflossen werden. Wissen müsse allerdings sparen und steht nun vor dem Dilemma, einerseits die kargen Finanzmittel zusammenzuhalten und andererseits das Kita-Zukunftsgesetz, das schrittweise bis Juli 2021 in Kraft treten wird, umzusetzen.
Kindergartenplätze werden rar. Dieses Kind deutet bereits im Spiel die Lösung an – nämlich in Form der Modulbauweise, die sich so einfach zusammensetzen lässt wie Bausteine. pixabay.com <a href=https://pixabay.com/de/users/feeloona-694250/ target=_blank>© FeeLoona</a> (<a href=https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de target=_blank>CC0 Public Domain</a>)Die Lösung heißt nun: Modulräume. Für 330.000 Euro sollen Modulräume angemietet und zwischen Kita und dem öffentlichen Spielplatz platziert werden. Diese Lösung ist nicht nur wirtschaftlich gut für Wissen, sondern bietet auch die Möglichkeit, schneller für Betreuungsplätze zu sorgen als mit einem Neubau. Zudem ist es so möglich, abzuschätzen, ob die geplante Erweiterung ausreichend ist für den Bedarf an Betreuungsplätzen. Doch die Kita ist nicht der Einsatzbereich für die Modulraumlösung.

Auch für eine temporäre Arbeitsplatzerweiterung sind Modulräume denkbar
Was in Wissen mit Blick auf die Betreuungsplätze in der Kita zu beobachten ist, lässt sich auch andernorts umsetzen: Dort, wo Arbeitsplätze vergeben werden könnten, es aber an der Raumknappheit zu scheitern droht – auch dort könnten Modulsysteme die Lösung sein.
Moderne Bürocontainer, die den Kita-Modulräumen in weiten Teilen aber natürlich nicht in der Detailausstattung ähneln, sind sowohl als Arbeitsbereich für kurzfristige Projekte eine Lösung als auch für den langfristigen Einsatz konzipiert. Die Module sind in sich so gestaltet, dass sie sich so flexibel zusammensetzen lassen wie Bausteine – nämlich nebeneinander und übereinander. Sogenannte Wechselwandsysteme sorgen dafür, dass sich die Module sogar während ihrer Nutzungszeit variieren lassen. So ist es beispielsweise denkbar, dass aus den Arbeitsplätzen für die zusätzlichen Sachbearbeiter, die jetzt benötigt werden, später eine Großraumlösung wird.

Moderne Modullösungen, die temporär Arbeitsräume schaffen, sind mittlerweile so durchdacht, dass sich im Container nicht etwa nur Arbeitsplätze befinden, sondern auch Sanitäranlagen und eine Küche. Ein entsprechendes Planungstool ermöglicht die Konfiguration eines Modulraums, der exakt auf die spätere Nutzung zugeschnitten ist (ohne sich dabei die Option zu verbauen, die Modulräume später umzubauen und weiter zu benutzen). Doch das ist nicht der einzige Vorteil.
Günstige Anschaffungs- und Inbetriebnahme-Kosten rechnen sind deutlich im Vergleich zu einem Neubau, der nicht nur kostenaufwendig wäre, sondern auch zeitlich betrachtet keine schnelle Lösung für einen Mangel an Arbeitsplätzen bereithält. Zudem kann ein Modulraum vergleichsweise flexibel platziert werden, was wiederum den Mitarbeitern zugutekommt, die in direkter Nähe zum Hauptgebäude wohnen und kurze Wege zu Kollegen, anderen Abteilungen oder zur Kantine haben.

Modulsysteme für die Fachkräfte von morgen
Während ein Modulsystem, das Platz für Arbeitsplätze bietet, beispielsweise auch als Azubi-Werkstatt fungieren könnte, in der sich die Fachkräfte von morgen auf ihren anstehenden Einsatz praktisch vorbereiten können, gehen einige Universitätsstädte bereits andere Wege. Sie bieten Modulräume als Wohnvarianten für Studenten.

In Wuppertal entstand so ein Studentenwohnheim im Modulsystem, in dem die einzelnen Module dazu genutzt wurden, um Einzelappartements anzubieten sowie WG-Wohnräume und sogar Gemeinschaftsbereiche anzulegen. Die WGs sind für vier bis sechs Studenten ausgelegt. In jeder Wohnung gibt es einen Sanitärbereich, die Einzel-Appartements sind auch mit einer Küchenzeile ausgestattet. Den anderen Studenten stehen Kochoptionen in den Gemeinschaftseinrichtungen zur Verfügung. Für die nachhaltige Gestaltung der Modullösung – im KfW-Effizienzhaus-Standard, mit Anschluss an die Fernwärme, mit Urban Gardening sowie einer Leichtbauweise mit reichlich Holzelementen – erhielt das Projekt sogar eine Auszeichnung. Auch vom Studentenwerk Göttingen gibt es ähnliche Meldungen für ein Studentenwohnheim im Wohnmodulsystem.

Wohnen im Mini-Haus? Auch diese Wohnoption erinnert an das Modulraum-Konzept
Auch wenn es hier in der Region noch keine belastbaren Beispiele für diese Trend gibt, so scheint er sich doch nach und nach durch die Bundesrepublik zu ziehen. Die Rede ist vom Tiny House, das ein Wohnen und Leben auf kleinstem Raum ermöglicht – mit funktionalen Lösungen und der Chance auf ein Eigenheim für all jene, denen Bauplätze und Neubauten zu teuer sind.
Wie die Umsetzung des Tiny Houses mitten im Grünen funktionieren kann, verrät Zahntechnikerin Sabine in diesem Video. Der Schlüssel zu einem glücklichen Leben könnte der Wunsch nach Minimalismus und nach einem Leben sein, das nicht dazu angetan ist, viel Zeit auf den Wohnraum zu verwenden – sondern auf das Leben. Statt ein 150-Quadratmeter-Haus zu hegen und zu pflegen, ist das Tiny House nicht größer als eine 40-Quadratmeter-Wohnung. Allerdings handelt es sich beim Tiny House auch um ein freistehendes Haus, das von Garten- und Grünfläche umringt ist – und damit gut und gerne als pfiffige Variante eines Alterswohnsitzes verstanden werden kann. (prm)
Nachricht vom 21.10.2020 www.ak-kurier.de