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Nachricht vom 29.01.2011 - 18:00 Uhr    

Gedenken an die Toten und Mahnung für die Lebenden

Die "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig sind Mahnmale, die an die Opfers des Nazis-Regimes erinnern. Auch 66 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz ist das Erinnern und die Mahnung für die heutige und kommende Generation wichtig. In der VG Wissen wurden sechs "Stolpersteine" verlegt.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte in der VG Wissen sechs "Stolpersteine", die an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Fotos: Helga Wienand (4), Caroline Schmidt(4)

Wissen. Insgesamt sechs "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig wurden in der VG Wissen verlegt. Die Mahnmale gegen das Vergessen und zur Mahnung für die junge Generation und für kommende Generationen erinnern an die Bürger, die von den Nationalsozialisten vertrieben und umgebracht wurden. Die „Stolpersteine“, am letzten Wohnort der Opfer verlegt, sollen Erinnerung und Mahnmal zugleich sein.
66 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ein spätes Erinnern, aber ein extrem wichtiges Zeichen für die heutige junge Generation. Bürgermeister Michael Wagener ging in einer kurzen Ansprache darauf ein. "Es soll eine dauerhafte Mahnung an alle Generationen sein, wir wollen, dass sich Menschen unabhängig ihrer ethnischen Herkunft und ihrer Religion in Wissen wohl fühlen", sagte Wagener. So ein Geschehen dürfe sich niemals wiederholen.
Drei Steine wurden für Ernst, Heinz und Johanna Bär in der Maarstraße in Wissen verlegt. Die einstige Kaufmannsfamilie konnte den Nazischergen entkommen und in die USA auswandern. Dies gelang Liebmann Hony, geboren 1862 in Wissen und ebenfalls Geschäftsmann, nicht. Er wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er starb.
Der heutige Immobilienbesitzer in der Rathausstraße 33 weigerte sich, den Stolperstein vor seinem Geschäftshaus verlegen zu lassen, also wich man auf den schmalen Streifen gegenüber im Bereich des Regio-Bahnhofes aus, um den Stein für Liebmann Hony in den Asphalt einzulassen. Liebmann Honys Sohn Siegfried hinterließ bedrückende Erlebnisberichte zur "Reichskristallnacht", er konnte ebenso wie die Brüder Oskar und Alfred dem Tod entkommen.
Im Felsenweg wurde ein Stolperstein für Hermann Kubalski verlegt. Er gehörte zur Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Für seinen Glauben trat er bis zum Tode ein. Kubalski wurde ins KZ deportiert, wo er 1945 befreit wurde. Zur Feierstunde im Felsenweg waren viele Angehörige der Zeugen Jehovas gekommen und Angehörige von Hermann Kubalski, um an dem feierlichen Moment dabei zu sein.
In Auschwitz umgebracht wurde der Katzwinkeler Arzt Dr. Alfred Reichmann. Das genaue Todesdatum steht nicht fest, es muss 1944/45 geschehen sein. Der beliebte praktische Arzt war einer der Mitbegründer der DRK-Sanitätskolonne. Reichmann war ein beliebter Arzt in Katzwinkel, 1938 wurde er mit Berufsverbot belegt, er floh nach Prag. Der Rassenwahn der Nazis holte ihn ein und sein Leben fand im KZ Auschwitz ein Ende.
Bereits im Jahr 2005 wurde in Wissen ein "Stolperstein" am Kopernikus-Gymnasium verlegt. Dieser Stein erinnert an den einstigen Schüler Arthur Seligmann und es war ein Projekt der Schüler und ihres Lehrers Ralf Adams. Für die "Stolpersteine" ,die nun aktuell in Wissen verlegt wurden, gab es die Initiative von Manfred Steinmann. Recherchen begannen und der Haupt- und Finanzausschuss gab im April 2008 grünes Licht für die Verlegung. Finanziert wurde die Aktion "Stolpersteine" von der VG-Wissen, der CDU-Fraktion (2 Steine) und von einem privaten Spender. Ein "Stolperstein" kostet knapp 100 Euro und Gunter Demnig verlegt die Mahnmale selbst. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Verlegung der Mahnmale gegen das Vergessen teil. (hw)

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Kommentare zu: Gedenken an die Toten und Mahnung für die Lebenden

3 Kommentare

Ich habe diesen Artikel und die Kommentare mit Verwunderung gelesen und es drängen sich mir hier mehrere Fragen auf.
1. Hat man Seitens der Verwaltung bzw. der CDU denn im Vorfeld dieser Aktion mit dem Inhaber des Hauses, Rathausstr. 33 einmal ausführlich über diese Aktion gesprochen?
2. Haben der AK-Kurier, oder die anderen Presseorgane in denen über diesen Vorgang berichtet wurde, im Vorfeld Ihrer Berichte denn einmal mit dem Besitzer gesprochen (recherchiert)?
So wie es mir scheint und ich es aus diesen Berichten herauslese wohl nicht. Gute Presseorgane zeichnen sich durch einen sauberen Journalismus aus der im Vorfeld eines Berichtes sauber recherchiert und auch beide Seiten hört. Das ist im übrigen auch ein Grundsatz unseres Rechtssystemes. Es geht mir in meinem Kommentar nicht um die "Gedenksteine gegen das Vergessen" sondern ums Formelle. Ich bin selbst mit einer Ausländerin verheiratet und habe jüdische Mitbürger in meinem Bekanntenkreis und man sollte sich hüten anderen Mitbürgern so einfach etwas zu unterstellen. Diese Machart war im Dritten Reich übrigens sehr beliebt. Im Rechtssystem der BRD ist es auf jeden Fall so, dass man Unschuldig ist bis das die Schuld bewiesen wurde. Spekulationen bzw. Mutmaßungen tragen nicht zu einem sachlichen Meinungsbild bei.
Die Berichterstattung erscheint mir nach der Vielfältigkeit der offenen Fragen als billiger Sensationsjournalismus der im Sinne von Herrn Stahl braunes Gedankengut nahezu fördert.

#3 von KS, am 30.01.2011 um 12:30 Uhr
Ich kann Herrn Stahls Auführungen nur beipflichten. Es ist mir unverständlich, wie man das ignorieren bzw. ablehnen kann. Es wäre schön, wenn der Eigentümer vom Haus Nr. 33 hier mal Stellung zu nehmen könnte und seine Argumente, die seiner Meinung nach dagegen sprechen, der Öffentlichkeit zugänglich macht.
#2 von K.f
K.F., am 30.01.2011 um 09:14 Uhr
In Zeiten, in denen die Schrecken der Naziherrschaft immer mehr relativiert werden und braunes Gedankengut wieder hoffähig wird, sind solche 'Stolpersteine' störend im besten Sinne und führen uns vor Augen, dass nicht nur 'die Anderen' betroffen waren, sondern dass es die Verbrechen und die Schuld überall gab. Es ist mir absolut unverständlich, dass man als Grundstückseigentümer einem solchen Mahnmal die Genehmigung verweigert; ist dies Ignoranz gegenüber unserer Historie oder passt es nicht zur 'Gesinnung'?
#1 von Michael Stahl, am 29.01.2011 um 20:00 Uhr

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