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Kultur | Altenkirchen

Der Armut im reichen Land ein Gesicht geben

Die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Armut", die bundesweit unterwegs ist, ist derzeit in Altenkirchen zu sehen. Zur Eröffnung in der Kreissparkasse Altenkirchen kam Kurator Andreas Pitz und stellte die Exponate vor. Auf Initiative der Wohlfahrtsverbände im Kreis Altenkirchen ist die Ausstellung bis zum 9. Februar in der Kreissparkasse und in der Kreisverwaltung zu sehen. Der Armut in einem reichen Land ein Gesicht geben - mit der Kunst als besondere Ausdrucksorm.
Der Armut im reichen Land ein Gesicht geben

Die Ausstellung "Kunst trotz(t) Armut" eröffneten Sparkassen-Vorstand Markus Keggenhoff, Kurator Andreas Pitz und KSK-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Reingen, hier vor dem Exponat von Jospeh Beuys mit dem Titel Orwell´s Leg. Fotos: Claudia Heinrich-Börder

Altenkirchen. Schauen Sie hin, wenn ein Obdachloser auf der Parkbank schläft oder auf der Straße bettelt? Viele Menschen nicht – deshalb ist es umso wichtiger, der Armut ein Gesicht zu geben und zum Hinschauen anzuregen. Das finden die Initiatoren der Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Armut“, die vom 23. Januar bis 9. Februar im Kreishaus und der Kreissparkasse Altenkirchen zu sehen ist.

Caritas, Diakonie, DRK, AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband sind die "Kleine Liga der Wohlfahrtsverbände im Kreis Altenkirchen" und sie präsentieren die umfangreiche Kunstausstellung, die Werke von bekannten Künstlern wie Jörg Immendorff und Joseph Beuys, aber auch Exponate von unbekannten, selbst betroffenen Künstlern, so von Karin Powser aus Berlin, beinhalten. Unterschiedliche Kunstformen vereinen sich in einer Ausstellung, dabei Plastiken, Fotografie, Bilder und mehr.

Unterstützung fanden die Initiatoren bei der Kreisverwaltung, der Sparkasse und dem Projekt AK Mittendrin. Hubertus Eunicke, Sprecher der "Kleinen Liga", wies auf die lange Tradition der Armut als Thema in Kunst und Kultur hin. "Künstler und Künstlerinnen eröffnen uns neue Zugänge zur sozialen Wirklichkeit und trotzen der Auffassung, dass Armut in einem reichen Land dazugehört – und sich möglichst unaufdringlich verhalten sollte".
Bereits die Vernissage fand guten Zuspruch, dass bekräftigte auch Kurator Andreas Pitz und freute sich über die zahlreichen Besucher. Er betreut seit Oktober 2007 die Wanderausstellung, deren 29. Station nun Altenkirchen ist. Die Ausstellung der Evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland e.V. und des Diakonischen Werkes der EKD mit Gegenwartskunst zum Thema Obdachlosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung zeigt, dass die Ebene der Kunst dabei hilft, Ausgrenzungen zu beseitigen, der Armut – auch als Betroffener – zu trotzen, und auf unkonventionelle Art und Weise gesellschaftliche Missstände und soziale Probleme sichtbar werden lässt.
Eine große Unterstützung dabei das passende Rahmenprogramm zur Ausstellung zu kreieren, bot der "Geheime Küchenchor" mit seinen musikalischen Beiträgen. Das Publikum wurde miteinbezogen und ein Beitrag wies besonders auf die Missstände in Deutschland und der Welt hin.
Zu Beginn der Vernissage wurden Zahlenkärtchen mit den Nummer 6 bis 10 an die Gäste verteilt. Im Rahmen des Programms wurden die Inhaber aufgefordert, die Zahlen zu zeigen: "Wer hat eine 10?", hieß es. "Fast jeder 10. ist überschuldet" -so die Antwort. Jeder 9. ist pleite. Jeder 8. verzichtet wegen Zuzahlung auf einen Arztbesuch. Jeder 7. Mensch hungert. Jeder 6. Deutsche ist von Armut bedroht. So ging es weiter. Die deutlich zu sehende Betroffenheit des Publikums angesichts dieser Zahlen sprach für sich.

Kurator Andreas Pitz bedankte sich herzlich bei allen Akteuren, die dieses außergewöhnliche und vielfältige Projekt in Altenkirchen ermöglichen, namentlich bei Christina Held, Kreisverwaltung, und Alexandra Schleiden, Kreissparkasse und auch bei Hubertus Eunicke, dessen Idee es war, die Ausstellung nach Altenkirchen zu holen.
"Wir hoffen, einen gerechteren Ausgleich zwischen Arm und Reich zu erreichen – und die Menschen zum hinsehen zu bewegen", so der Wunsch von Andreas Pitz, dem sich die Initiatoren gerne anschlossen.

Bevor er die Besucher durch die Ausstellung führte, zitierte er Dr. Wolfgang Gern, der drei Jahre Sprecher der Nationalen Armutskonferenz war: "Die Botschaft der Ausstellung ist folgende: Kunst will sich nicht abschließen hinter den schönen Pforten von Reichtum und Macht. Durch dieses Kunstprojekt wird die Beziehung zwischen Kunst und Besitz überwunden, durch wache Künstler, die sich um der Menschen willen einmischen und die unserer Gesellschaft ein mitmenschliches Gesicht geben – mal drastisch, mal einfühlsam, mal nüchtern, mal phantasievoll".
Möge es der Ausstellung gelingen, in diesem Sinne viele Menschen anzustecken und aufzurütteln – dass der Reichtum in der Gesellschaft zum Segen wird und dass die Armen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit erfahren. Damit niemand verlorengeht.
(Claudia Heinrich-Börder)
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